Artikel mit dem Tag: Ärzte
Wenn Piloten im Cockpit einschlafen und Ärzte Papierkram abarbeiten statt zu heilen
Möchten Sie in der 24. Arbeitsstunde eines Arztes von ihm operiert werden?
LKW-Fahrer müssen der Polizei bei Kontrollen per Fahrtenschreiber nachweisen, dass sie nicht zu lange am Steuer sitzen – und tunlichst keine anderen Autofahrer gefährden. Ärzte in Kliniken werden fast nie kontrolliert – obwohl sie oft zwei Tagdienste nacheinander schieben müssen und in der Nacht dazwischen auch noch. Sprich sie sind locker 32 Stunden im Einsatz. Auch manche Notdienstzentrale verlangt schon laut offiziellem Dienstplan Sonntagsdienste von sieben Uhr morgens bis 24 Uhr nachts am Stück, also 17 Stunden lang.
Zu späte Operation kann teuer werden für die Klinik
Ein Patient, der zu spät operiert wird, kann mit Schmerzensgeld rechnen: 384 000 Euro bekommt ein Patient mit Bandscheibenvorfall, der im Raum Koblenz in einer Klinik erst nach neun Tagen – statt unverzüglich – operiert wurde und stattdessen erst mal nur Kortison und Schmerzmittel bekommen hatte. Sein Dilemma: Er hat nun infolge dieses Kunstfehlers weitreichende Lähmungen plus Sexualstörungen und Depressionen (Oberlandesgericht Koblenz Az.: 5 U 55/09). Die Gretchenfrage: Was ist mit Patienten, die zu lange auf OP-Termine warten müssen? Weil nicht genug Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger da sind. » Weiterlesen
Schneller arbeiten – indem man andere mundtot macht
Auch eine Arbeitsmethode. Eine Arbeitsmethode, um zügig voran zu kommen. Man spricht möglichst viel Fachchinesisch – damit das Gegenüber vor lauter Ehrfurcht schweigt, der andere sich schnell durchsetzen und sein Programm durchziehen kann. Ausgerechnet bei Ärzten und Patienten haben die Wissenschaftler der Uni Bochum das nachgewiesen. » Weiterlesen
Der Gesundheitsminister befasst sich lieber mit Servicewünschen, statt der heimlichen Rationierung in der Medizin
Ein Wochenende, zwei Schlagzeilen zweier verschiedener Zeitungen – und man meint, nicht in ein und derselben Welt zu leben. Da titelt gestern die „Rheinische Post“, dass Hausärzte künftig keinen Kassenpatienten mehr länger als 30 Minuten warten lassen dürfen sollen. Klingt gut, jedenfalls im ersten Moment. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere: Im zweiten Moment, wenn man selbst der Patient ist und nicht nach Fahrplan abgefertigt werden will, ist es dann doch nicht mehr so toll. Weil der Arzt vielleicht an Ort und Stelle direkt noch weitere Untersuchungen machen muss, weil jemand noch – sprechende Medizin soll ja angeblich belohnt werden! – sein Herz ausschütten muss (vielleicht sogar berechtigt, weil eine Krankheit mit seinem Problem in Zusammenhang steht und eben weil´s ja der Hausarzt ist), weil ein Notfall vorgezogen werden muss oder weil der Arzt einen Fachkollegen hinzuziehen muss oder ein Krankenhaus anrufen muss. Um den Patienten rasch weiter zu überweisen. Oder ein Patient hat Venen, die Ärzte so schnell nicht treffen. Oder ein Patient kippt um. So vielfältig das Leben ist, so viele Möglichkeiten gibt´s eben auch, aufgehalten zuwerden.
Im Klartext: Wäre man selbst dieser Mensch, der plötzlich mehr ärztliche Betreuung braucht als zunächst erwartet, würde man dann ungerne – nach Ablauf der planmäßigen Zeit – nach Hause geschickt werden. Um sich einen neuen Termin geben zu lassen. Ein anderes Mal eben. Tschüss.
Ein hoher Preis, nur um nicht mal auf andere kranke Menschen warten zu müssen. » Weiterlesen

