„Für Wertschätzung braucht man keine Zeit on top“ – aber ohne riskieren Mittelmanager irgendwann ihren eigenen Job

Bescheidene Wünsche

Es ist schon komisch, wenn Mitarbeiter Wünsche an ihre Arbeitgeber haben, die nicht mal etwas kosten und dann auch noch der Company dienen. Geradezu bescheiden und man fragt sich, ob so etwas fast ein klein wenig Mitleid verdient.

Etwa wenn Mitarbeiter lieber ungestört und konzentriert arbeiten wollen, statt im Großraumbüro mit zehn Prozent Effizienzverlust, der dann dem Büroklatsch zugute kommen soll. Oder Streitigkeiten um Raumtemperatur, lautes Telefonieren oder ähnliches.Der Wunsch nach Arbeitsruhe dient ja nur den guten Ergebnissen, weniger Fehler, keine Hörfehler undsoweiter.

Stattdessen wollen die Chefs lieber Jubel, Trubel, Heiterkeit – auch um den Preis schlechterer Arbeitsergebnisse. Selbst ein höherer Krankenstand – allein schon durch herrlich ansteckende Grippewellen oder gar so furchterregende Dinge wie Windpocken oder Masern – schreckt die Entscheider über die modernen Bürolandschaften nicht. Oder dass Großraumbüromenschen viel pünktlicher nach Hause gehen. Denn es ist ja bekannt, dass Bewohner von Großraumbüros weniger – zumal kostenlose – Überstundenneigung haben als Einzelzellenbewohner, die sich mit ihren vier Arbeitswänden so richtig identifizieren, sie schmücken und behängen und .das Heimgehen vergessen.

 

Anerkennung, Lob und echtes Feedback stehen auf dem Wunschzettel

Doch zurück zu den Umfragen unter den Arbeitnehmern: Das Zeitarbeitsunternehmen ManpowerGroup hat die unerfüllten Wünsche der deutschen Arbeitnehmer erfragt und dafür 1018 Angestellte mit Hilfe des Marktforschers Toluna ausgehorcht. Das Fazit der repräsentativen Studie: Die Loyalität der deutschen Mitarbeiter ist nicht klein zu kriegen, sie wünschen sich Anerkennung für ihre Arbeit vom direkten Vorgesetzten (91 Prozent). Jeder zweite (49 Prozent)  wünscht sich ehrliches Feedback zu seiner Leistung und ungefähr ebenso viele (48 Prozent) wollen vom Vorgesetzten als Mensch wahrgenommen werden.

 

Empathie kostet keine Extra-Zeit

Wieder mal: Es kostet die Firma keinen Cent. „Und Chefs brauchen dafür auch keine Extra-Zeit aufwenden oder gar Überstunden machen“, so  Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland.

Der Grund: Für Wertschätzung braucht man keine Zeit on top, denn dabei geht es allein darum, wie man etwas tut: Aufgaben delegieren, Informationen weitergeben, Feedback geben – jede Interaktion mit dem eigenen Team bietet die Möglichkeit, Empathie zu zeigen. Selbst Kritik kann wertschätzend geäußert werden, so Brune. Nur haben die allerwenigsten Führungskräfte ein Führungstraining verpasst bekommen.Und Wertschätzung ist, so Brune, nicht ihre Kernkompetenz, sondern eher ihre Zahlenorientierung.

 

Dabei: „Mit Management-Methoden von gestern haben Führungskräfte heute keine Chance mehr. Im schlimmsten Fall schaden sie sogar ihrem Unternehmen“, urteilt Brune.

Nur: Ob die das wissen? Eher nicht. Hat doch jahrzehntelang gut funktioniert. Nur: Arbeitnehmer, die im Alltag mündige Bürger sein müssen, haben zu viel Durchblick, um im Job noch wie Unmündige behandelt werden zu wollen. Dummi-Abwehr-Antworten von Vorgesetzten durchschauen sie direkt und verstehen sie ganz richtig als Beleidigung ihrer Intelligenz.

 

Wenn Führungsversagen zum Trennungsgrund genommen wird

Dabei übersehen diese ewig gestrigen Führungskräfte eins: „Das richtige Vorgesetztenverhalten gewinnt als Erfolgsfaktor der Unternehmen an Bedeutung, denn Führungskräfte prägen wesentlich die Beziehung zwischen Mitarbeitern und Unternehmen“, sagt Brune.Das bedeutet, dass die Vorgesetzten selbst gefährdet sein können, wenn ihr Führungsverhalten bei Mitarbeiterumfragen immer wieder schlecht weg kommt und die Personaler, Chefjuristen oder Top-Entscheider auf die Idee kommen, diese Ergebnisse gegen sie selbst zu verwenden. Und sie damit beispielsweise zu einem Aufhebungsvertrag zu bringen. Alles denkbar, insbesondere wenn tatsächlich flache Hierarchien selbst in Konzernen Einzug halten sollen, um die Lehmschicht der Mittelmanager als Idee-Ausbremser abzuschaffen.

 

 

 

Manpower-Studie:

http://webdefence.global.blackspider.com/urlwrap/?q=AXicE2VkOM7LwMAtxsBQlFNpZpyqV1xUppebmJmTnJ9XUpSfo5ecn8tQZuJpFmbqkW5gYGRuZMGQnJNYmpKZqFeSn5pSkpuYl-dQnlmer5eSypBRUlJgpa-flFmil1Opbxicl5lf4cTAwPCbmYEBAK3AILI&Z 

 

Unproduktive Großraumbüros:

Lesehinweis: Großraumbüros sind unproduktiv – Japanische Studie

 

Lesehinweis: Großraumbüros – die unglückliche Mode, die nur schadet

Weg mit den Großraumbüros ? Gastbeitrag von Stefan Kursawe über Gefährdungsanalysen

 

Studie Großraumbüros: Penetrante Lärmbelastigung, ständige Ablenkung und Kontrolle erhöhen den Krankenstand

Hatschi – und schwupps haben alle im Großraumbüro das Vergnügen

 

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  1. Der Link lässt sich leider nicht öffnen. Ansonsten stimme ich in allen Punkten zu. Auch ich wünsche mir mehr Anerkennung.