Exklusiv im Management-Blog: Die PR-Erfolgsbilanzen der umsatzstärksten Kanzleien in den Online-Leitmedien – Clifford Chance und Hengeler am visibelsten

Wie visibel sind die Top-50-Kanzleien in Deutschland in den relevantesten Online-Medien? Die Kommunikationsagentur Faktenkontor hat die Ergebnisse der 50 umsatzstärksten Kanzleien hierzulande ausgezählt und analysiert (siehe Tabelle unten) im Hinblick auf ihre Tonalität (Positiv, neutral, negativ). Ganz vorne liegen Clifford Chance mit 108 und Hengeler Mueller mit 105 Artikeln. „Sie sind die einzigen, die eine dreistellige Zahl von Veröffentlichungen geschafft haben“, sagt der Studienverantwortliche Jörg Forthmann. Ihnen folgt Freshfields mit 99 Artikeln, Hogan Lovells mit 94 und Jones Day mit 80 Artikeln.

Ausgewertet wurden vom 1. Januar 2018 bis 715.7.2019 diese Medien: Faz.net (107 Artikel), hb.online (399 Artikel), spiegel.online, wiwo.de (262 Artikel), welt.online (146 Artikel), focus.online (102 Artikel), LTO Legal Tribune Online (874 Artikel), sueddeutsche.de (acht Artikel) und zwar inklusive den Artikeln hinter Bezahlt-Schranken.

 

Britische und US-Kanzleien sind bei der PR stärker als Deutsche

Auffällig: Unter den Top-Ten-Kanzleien mit der besten Pressearbeit sind nur zwei Kanzleien mit deutschen Wurzeln. „Das ist überraschend, denn man hätte erwartet, dass deutsche Kanzleien in ihrem Heimatmarkt die beste Sichtbarkeit in Leitmedien erzielen“, urteilt Forthmann. „Tatsächlich ist es so, dass der Anteil der Deutschen steigt, je tiefer man im Ranking guckt.“ Sein Fazit: „Die deutschen Kanzleien können von den Briten und Amerikanern in puncto PR noch Einiges lernen.“

Zumal mögliche neue Mandanten wie Rechtsabteilungsleiter heute eher googeln als in Archiven forschen, wenn sie sich Informationen beschaffen. Ganz abgesehen von Geschäftsführern und Vorständen, die selbst keinen Jura-Hintergrund haben, sich aber einen Eindruck verschaffen wollen oder checken, wen ihre Rechtsabteilung beauftragen will.

 

Jones Day mit viel Kritik, Graf von Westphalen mit positiver Bilanz

Jörg Forthmann, Faktenkontor (Foto: C.Tödtmann)

Die Auswertung im Detail: Jones Day erscheint zwar in 80 Artikeln, aber davon sind eben 40 negative gegenüber nur zwei positiven und 38 neutralen. Meistens ging es bei den Negativ-Stücken um ihr VW-Mandat, die Dieselaffäre, Durchsuchungen und beschlagnahmte Unterlagen sowie die Frage, ob diese Unterlagen an die Staatsanwälte herausgegeben werden müssen. Das hatte Jones Day mit fünf – erfolglosen – Verfassungsbeschwerden versucht.

Positiv ist die Bilanz hingegen von Graf von Westphalen (28): Kein einziger negativer Artikel neben sieben Positiven – wo es etwa um  den Alnatura-Prozess oder den Umsatzrekord der Kanzlei ging – und 21 Neutralen.

Negativ fielen auch die Artikel über Durchsuchungen bei Freshfields wegen Cum-Ex zu aus. Über verlorene Prozesse wegen des Kartellverfahrens der Brauerei Carlsberg wurden negativ berichtet bei Baker McKenzie – bevor die überraschende Wende kam – sowie Beiten Burkhard mit dem Autozuliefer Mitec, dem Ford Schadenersatz zahlen sollte wegen Verletzung eines Geschäftsgeheimnisses. Der Streit ist noch offen.
Bird & Bird wurde sogar selbst verklagt: 60.000 Euro musste die Kanzlei als Geldauflage an Staatskasse zahlen im Untreue-Fall Wölbern wegen ihres früheren Partners Frank Möhrchen.

 

Die Scheu vor den Social-Media-Kanälen kostet viel Sichtbarkeit

PR-Profi Forthmann wundert sich über die ungenutzen Chancen, die die Social-Media-Kanäle bieten: Würde sich die Kanzleien mehr auf Linkedin, Twitter und Xing wagen, könnten sie ohne großen Aufwand und noch dazu kostengünstig schnell an die Spitze der Sichtbarkeit ihrer Branche kommen. „Und das muss noch nicht einmal aus der Presseabteilung kommen, jeder einzelne Anwalt kann auch mit seinen Themen die Visibilität der Kanzlei anheben – und gleichzeitig seine Fähigkeiten im Zeitalter der Digitalisierung beweisen.“

Sein Fazit: Insgesamt sind die Kanzleien recht schwach bei ihrer Visibilität, sie alle haben noch viel Luft nach oben.

 

 

Clifford Chance und Hengeler führen

Welche Kanzleien am visibelsten sind

Rang Kanzlei Zahl Veröffent-lichungen Tonalität Gesamtwertung Sitz
1 Clifford Chance 108 3 100 GB
2 Hengeler Mueller 105 1 97 D
3 Freshfields Bruckhaus Deringer 99 -4 92 GB
4 Hogan Lovells 94 6 87 GB + USA
5 Jones Day 80 -48 74 USA
6 Linklaters 79 11 73 GB
7 Noerr 79 9 73 D
8 Latham & Watkins 73 7 68 USA
9 Baker & McKenzie 63 3 58 USA
10 Dentons 62 5 57 Schweiz
11 Gleiss Lutz 57 12 53 D
12 White & Case 56 13 52 USA
13 CMS Hasche Sigle 54 4 50 D
14 Rödl & Partner 53 8 49 D
15 Allen & Overy 50 6 46 GB
16 Taylor Wessing 49 10 45 D
17 Bird & Bird 47 2 44 GB
18 Görg 43 16 40 D
19 DLA Piper 38 13 35 Schweiz
20 Heuking Kühn Lüer Wojtek 36 22 33 D
21 Beiten Burkhardt 35 14 32 D
22 GSK Stockmann 34 3 31 D
23 Schultze & Braun 34 12 31 D
24 Ashurst 33 9 31 GB
25 P+P Pöllath + Partners 33 0 31 D
26 Norton Rose Fulbright 32 3 30 GB
27 Luther 30 17 28 D
28 SZA Schilling, Zutt & Anschütz 30 3 28 D
29 Graf von Westphalen 28 25 26 D
30 Osborne Clarke 28 7 26 Schweiz
31 Ebner Stolz Mönning Bachem 25 8 23 D
32 Flick Gocke Schaumburg 24 4 22 D
33 Eversheds Sutherland 23 9 21 GB + USA
34 McDermott Will & Emery 22 14 20 USA
35 Milbank 21 10 19 USA
36 FPS Fritze Wicke Seelig 20 5 19 D
37 Pluta 20 15 19 D
38 PricewaterhouseCoopers Legal 20 5 19 D
39 SKW Schwarz 18 6 17 D
40 Redeker Sellner Dahs 17 12 16 D
41 KPMG Law 16 13 15 D
42 Baker Tilly 15 7 14 D
43 Becker Büttner Held 14 0 13 D
44 Deloitte Legal 12 8 11 D
45 EY Law 8 13 7 GB
46 Cleary Gottlieb Steen & Hamilton 5 0 5 USA
47 Kapellmann und Partner 5 20 5 D
48 Weil Gotshal & Manges 5 20 5 USA
49 BLD Bach Langheid und Dallmayer 2 0 2 D
50 Heussen 2 50 2 D
Quelle: Faktenkontor; Untersuchungszeitraum 1.1.2018-15.7.2019

Ausgewertet: Faz.net (107), hb.online (399), spiegel.online, wiwo.de (262), welt.online (146), focus.online (102), LTO Legal Tribune Online (874), sueddeutsche.de (acht), inklusive den Artikeln hinter Bezahlt-Schranken

 

 

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