Onboarding-Umfrage: Neue Mitarbeiter sind schneller wieder weg als früher – vor allem wenn sie belogen wurden

 

Fast jeder fünfte Stellenwechsler (18 Prozent) hat schon mal in den ersten drei Monaten seinen neuen Job wieder gekündigt, zeigt eine Umfrage von Softgarden aus Berlin – einem Software-Anbieter für Bewerbungsmanagement – von 2.160 Bewerbern. Auffallend: Die Zahl ist sechs Prozentpunkte höher als 2018 (12 Prozent).

Klar ist, das Weiter-Wechseln ist leichter geworden als früher: Bewerber haben heute größere Jobauswahl als vor vier Jahren und die Bindung an den Arbeitgeber ist immer weiter gesunken, siehe die Gallup-Umfragen.

 

(Foto: C.Tödtmann)

Warum die Neuen so schnell wieder von der Fahne gehen

Doch wichtig sind die Motive, warum die Neuen gleich wieder abspringen. In mehr als jedem zweiten Fall (53 Prozent) hat das anheuernde Unternehmen zu dick aufgetragen: Die versprochenen Arbeitsbedingungen und die Jobbeschreibung stimmen gar nicht. Sprich, die Personaler oder künftigen Vorgesetzten haben Unrealistisches vorgetäuscht. Verständlich, wenn man Anlocken will, aber letzten Endes eben doch erfolglos.

 

Vorgaukeln bringt nichts

Das passiert selbst sehr renommierten Unternehmen mit professionellen Personalabteilungen und sogar für Führungspositionen, wie kürzlich ein Marketingprofi bei einer großen Beratungsfirme erlebte. Dem dämmerte schon nach 14 Tagen, dass man ihm viel mehr Machtfülle vorgegaukelt hatte, als er tatsächlich eingeräumt bekam. Schon nach 14 Tagen ergriff er die Flucht, hatte jedes Vertrauen verloren ins Unternehmen und war obendrein von dem mikromanagement-wütigen Geschäftsführer, mit dem dann doch nicht gut Kirschen essen war. Wohin? Spannenderweise zurück ins frühere Unternehmen, wo man ihm gesagt hatte „Sie können jederzeit wiederkommen“. Die alte Stelle war zwar neu besetzt, aber dort schuf man flugs für ihn eine neue Position.

Interessantes Detail laut Softgarden: Diese Zahl von 53 Prozent unrealistischer Jobversprechen war schon vor vier Jahren so.

 

Unklar: Was der neue Chef eigentlich vom Neuen erwartet

Was die Umfrage noch zeigt: Nur jeder zweite bekam in den ersten 100 Tagen von seinem neuen Chef wirklich Feedback. Noch schlimmer: 60 Prozent ist nicht mal klar, was der neue Chef von ihnen erwartet.

 

Homeoffice und Onboarding: „Ich war mir selbst überlassen“

Da verwundert es nicht mehr, dass 54 Prozent der Befragten Jobwechsler glauben, dass virtuelles Onboarding ebenso erfolgreich – oder erfolglos – ist wie Einarbeiten in der guten alten Präsenz. Denn laut Umfrage berichteten manche Jobwechsler auch, wie die neuen Arbeitgeber sie im Homeoffice alleine im Regen stehen lassen:  „Ich musste mir selbst einen Rechner kaufen, um während der Home-Office-Pflicht zu Hause arbeiten zu können, der Arbeitgeber hat keinen gestellt“, berichtet einer. „Kein Arbeitsplatz , kein Büro, keine Stellenbeschreibung, kein Onboarding. Ich war mir selbst überlassen und musste mich selber organisieren. Selbst den Schreibtisch und den Bürostuhl durfte ich selber montieren“, schreibt ein anderer.

 

Teures Personalmanagement

Dumm nur, dass das Investment in den neuen Mitarbeiter dann Kosten sind, die – unnötigerweise – in den Sand gesetzt werden. Schließlich geht die teure Suche nach dem nächsten Neuen los. Und, was ebenso tragisch ist: Empfehlungsmanagement funktioniert über den Enttäuschten schon nicht mehr, der wird in seinem Umfeld niemand mehr für das betreffende Unternehmen begeistern. Und wenn´s dicke kommt, macht er seinen Fehlschlag mit der Firma noch bei Kununu & Co. öffentlich – womöglich ohne dass es das Unternehmen auch nur bemerkt.

 

Lesetipps Management-Blog: 

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