Das Kriterium für gute Führungskräfte: Sie sind gerecht – und senken in ihrer Company den Krankenstand. Weil sie Mitarbeiter nicht zur Erschöpfung treiben und krank machen, zeigt der Fehlzeitenreport 2020.

Erinnern Sie sich noch an Calimero? Das kleine schwarze Küken aus der Fernsehserie, das eine riesige halben Eierschale auf dem Kopf hatte und fortwährend klagte: „Das ist eine himmelsschreiende Ungerechtigkeit!“ Die TV-Serie war für Kinder, aber unter Ungerechtigkeit leiden auch Erwachsene. Das Gefühl, unfair behandelt zu werden, kränkt lebenslang, auch als Angestellter gegenüber Vorgesetzten und immerzu. Und das hat körperliche Folgen.

 

Statt Lob nur Schimpfe zu bekommen wie ein Kind, katapultiert Beschäftigte in Erschöpfungszustände

Sie habe sich total übernommen, sei aber – statt für den Einsatz gelobt zu werden – in einer Tour ausgeschimpft worden, klagte kürzlich ein Freundin aus einem Finanzunternehmen. Dabei sei sie sogar mit einer Vollmacht ausgestattet und zur Stellvertreterin ihrer Chefin befördert worden. Aber dennoch: Ungelobt bleiben von den Vorgesetzten, keine Wertschätzung im Umgang – weder von denen noch den Kollegen – zu spüren und dann auch noch wie ein Kind ständig gemaßregelt zu werden – das alles war zu viel für sie, machte sie krank. Zwei Wochen zog der Arzt sie aus dem Verkehr wegen totaler Erschöpfung.

 

 

Ungerechtigkeit macht krank, gerechte Chefs sorgen für gesundere Leute

Ein Einzelfall? Mitnichten, wie der Fehlzeiten-Report 2020 zeigt: Sich ungerecht behandelt fühlen, macht krank, so das Ergebnis der Befragung von 2.500 Arbeitnehmern. Abgefragt wurde von WIdO, dem wissenschaftlichen Institut der AOK , wie gerecht sich die Menschen von ihren Chefs behandelt fühlen und wie sich das auf die Gesundheit auswirkt. Im Klartext: Chefs, die sich um Gerechtigkeit bemühen, haben gesündere Mitarbeiter – die statt auf 15 nur auf 12,7 Krankheitstage im Jahr kommen.

 

Emotionale Irritationen, psychosomatische Beschwerden sowie Wut, Gereiztheit, Erschöpfung, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen

Denn: „Gefühlte Ungerechtigkeit bringt emotionale Irritationen und psychosomatische Beschwerden mit sich“, erläutert Helmut Schröder, Vize-Chef des WIdO und Mitverantwortlich für den Fehlzeiten-Report 2020.

„Fast ein Viertel der Arbeitnehmer, die sich vom Vorgesetzten ungerecht behandelt fühlen, berichten über Gefühle der Gereiztheit wie Wut und Ärger (23,3 Prozent), gut jeder Fünfte beklagt Lustlosigkeit (21,2 Prozent), Erschöpfung (19,7 Prozent) oder Schlafstörungen (18,1 Prozent).“ Wenig überraschend: „Auch Beschwerden wie Rücken- und Gelenkschmerzen (25,8 Prozent) oder Kopfschmerzen (10,2 Prozent) kommen häufiger vor“, heißt es da.

Schröder: „Die gesundheitlichen Belastungen bei Beschäftigten mit einer als fair empfundenen Führungskraft sind damit nur ein Viertel so hoch wie bei den Beschäftigten mit einer als unfair empfundenen Führungskraft.“

 

Unfaire Chefs vernichten die Bindung der Mitarbeiter an die Firma

Die Analyse der Umfrage zeigt: Die gefühlte Fairness des Unternehmens und der Führungskraft führt zu hoher Bindung des Mitarbeiter an den Betrieb. Sie fühlten sich im Unternehmen gut aufgehoben, ihm stark verbunden und würden ihr Unternehmen als Arbeitgeber auch weiterempfehlen.

Gut ist das besonders für Unternehmen, die auf Fachkräfte-Suche sind, sie halten müssen und dank fairen Führungskräften es eher schaffen, hoch qualifizierte, selbständig arbeitende, zufriedene und gesunde Angestellte dauerhaft an die Company zu binden. Zumal: Wer zufrieden ist, wird nicht so schnell auf die Idee kommen, sich im Internet umzusehen, den Marktwert auszutesten und abwerben zu lassen.

 

 

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Liebe Claudia Tödtmann,
    Danke für Ihren guten Artikel über den Fehlzeitenreport und dessen sehr interessante Ergebnisse. Es freut mich, eine empirische Bestätigung für die Erfahrungen in meiner täglichen Arbeit in der Coachingpraxis Berlin zu lesen. Dabei coache ich natürlich nicht nur die in der Studie angesprochenen Mitarbeiter. Auch bei meiner Arbeit mit Führungskräften versuche ich, diese dafür zu sensibilisieren, wie produktiv motivierte und sich verstanden fühlende Mitarbeiter für das Unternehmen sind.