Immer höherer Arbeitsdruck, immer mehr Wochenstunden – auf Kosten der Familie

Der Druck für Arbeitnehmer steigt immer weiter – ob in der Industrie oder anderen Organisationen wie Krankenhäusern, wo Ärzte über akuten Zeitmangel klagen.  http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/66114 . Für 17 Prozent der Beschäftigten hat die Arbeitsbelastung stark zugenommen, für weitere 55 Prozent ist sie jedenfalls gestiegen – und zwar so sehr, dass sie oft Probleme haben, Familie und Job noch unter einen Hut zu bringen.  Addiert sind das immerhin 72 Prozent, die unter der Arbeitsverdichtung leiden.  Erforscht hat es die WP-Gesellschaft EY bei einer Umfrage unter rund 2200 Beschäftigten in Deutschland.

 

40 Prozent der Zerrissenen haben mehr Wochenstunden

Leidtragende sind die Familien: Für 44 Prozent der Arbeitnehmer ist die Vereinbarkeit von Job und Privatleben wegen dieses immer höheren Drucks im Job schwieriger geworden: 42 Prozent der Befragten, die diese Probleme anführen, haben mehr Arbeitsstunden als früher und 40 Prozent mehr Verantwortung im Job. Nur 25 Prozent verspüren den Druck aus dem Privatleben.

 

Arbeitsverdichtung: Weniger Leute, mehr Arbeit

Die Gründe für die stetige Arbeitsverdichtung dürften zum einen die vielen Entlassungswellen der vergangenen 15 Jahre sein. Zumal bei denen auch gleich alle Personalreserven wie Springer – die auch mal Urlaubs- oder Krankheitsvertretungen machen konnten – , Sekretariate oder Firmen-Postboten radikal abgeschafft wurden.

Ana-Christina Grohnert von EY

Ana-Christina Grohnert von EY

 

Dauernd erreichbar und im Antwort-Modus, mehr Reisen, nachts kommunizieren

EY-Managing Partnerin Ana-Christina Grohnert sagt dazu: „Die Anforderungen an die Beschäftigten haben eindeutig zugenommen.“ Schuld daran seien zahlreiche Faktoren: „Die Kommunikation durch E-Mail, Chat und Messenger-Dienste ist rasanter geworden, und der Druck auf  Arbeitnehmer, ständig erreichbar zu sein, steigt. Und weiter: „Zugenommen hat die Internationalisierung, was mehr Reisen oder ungewöhnliche Arbeitszeiten mit sich bringt, um sich mit Kollegen in den USA, China oder anderswo austauschen zu können.“

 

Immer höherer Druck, immer noch produktiver und immer noch profitabler zu sein

Damit nicht genug: „Gleichzeitig ist die steigende Belastung aber auch eine Folge des Erfolgs der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Jahren“, laut Grohnert. „Neue Märkte werden erschlossen und neue Technologien entwickelt. Für diesen Erfolg müssen die Betriebe und ihre Beschäftigten hart arbeiten.“ Durch die Globalisierung hat der Wettbewerb in allen Branchen zugenommen und überall steigt der Druck, noch produktiver und noch profitabler zu werden. Und das führt, so Grohnert, auch zu steigenden Anforderungen an den einzelnen Arbeitnehmer.“

 

Belastung für Frauen und Männer hoch – Männer haben größere Schwierigkeiten bei der Work-Life-Balance

Sowohl Frauen als auch Männer berichten von steigenden Anforderungen: 57 Prozent der Frauen sagen, dass die Arbeitsbelastung zugenommen hat, bei den Männern sind es mit 54 Prozent nur etwas weniger. Doch während nur 14 Prozent der männlichen Arbeitnehmer angeben, die Arbeitsbelastung habe stark zugenommen, sind immerhin 21 Prozent der Frauen dieser Ansicht.

 

Hoher Arbeitsdruck – und trotzdem glücklich mit dem Job

Dennoch lieben die meisten ihre Arbeit: 59 Prozent der Frauen und 52 Prozent der Männer. Am zufriedensten sind diejenigen, die zwischen 81.000 und 100.000 Euro im Jahr verdienen (63 Prozent), am geringsten die in der Gehaltsstufe von 61.000 bis 80.000 Euro (48 Prozent).

 

 

 

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Interessant zu sehen, dass trotz des hohen Arbeitsdruckes viele mit ihrer Arbeit zufrieden sind. Das der Druck auf jeden Einzelnen sowie die Anzahl an Aufgaben zunimmt, darf ich momentan selbst erfahren. Durch den immer globaler werdender Wettbewerb sind wir Mitarbeiter gezwungen, Höchstleistungen zu erbringen. Das Familie und Freizeit darunter leidet ist auch bei mir keine Seltenheit. Immer erreichbar zu sein, auch im Urlaub gehört bei mir ebenfalls dazu, wie Nachtschichten einzulegen, um mit internationalen Partner zu kommunizieren.

    Um diesen Stress zu bewältigen sollte man sich Ziele setzen und die Teamleiter sollten ständig damit beschäftigt sein, ihre Mitarbeiter weiterhin zu motivieren und zu entlasten. Meistens ist für zusätzliches Personal kein Geld da. Eine Entlastungsmaßnahme war bei uns die Einführung von Warenwirtschaftssysteme (http://www.bizsoft.de/).
    Des weiteren wurde zunehmend auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter eingegangen, um den Arbeitsdruck ein wenig auszugleichen.

    Trotzdem wird die Anzahl an Wochenstunden und der Stress nicht weniger und die meisten Maßnahme sind nur von kurzer Dauer. Ich bin gespannt, wie sich das Ganze noch entwickeln wird.