Mein Facebook-Freund, der Cheffe

Hätten Sie es gerne, wenn Ihnen Ihr Chef auch noch am Feierabend via Facebook im Nacken sitzt? Und als Freund akzeptiert werden will? Lehnen Sie ab oder lassen ihn unbeachtet, kommt´s ganz schlecht an. Unhöflich ist es obendrein. Nehmen Sie ihn an, sind Sie dagegen fortan wie ein offenes Buch für ihn – womöglich rund um die Uhr. Es soll ja auch schon Angestellte gegeben haben die sich morgens vom Arzt krank schreiben liessen und nachmittags auf Facebook verkündeten, sie seien jetzt auf Shopping-Tour. Die solltens freilich lieber ganz lassen, solche Vergehen, die im Handumdrehen mit einer fristlosen Kündigung enden können.

Fest steht eins: Mit turbulenten Party-Fotos ist es dann, wenn der Vorgesetzte mit zuguckt,  spätestens vorbei.

Und was auch noch passieren kann: Kollegen machen den gemeinsamen Chef auf einer Freundesliste aus – und wittern quasi einen staatsfeindlichen Akt. Und rechnen dem Betreffenden womöglich vor, wie wenige aus dem Kollegenkreis als Chef-Freunden registriert sind. Und dass er dazu gehört. Ganz so, als sei er ein Hochverräter – und vermutlich verblüfft er ihn damit ordentlich.

Doch vor der Unhöflichkeit einer Facebook-Ausladung schrecken 56 Prozent der Deutschen, die online sind, nicht mal zurück, erforschte das Meinungsforschungsinstitut Forsa für den IT-Verband Bitkom bei einer Umfrage unter gut 1000 Internetnutzern. 19 Prozent der Befragten sagten, sie würden den Chef ganz sicher als Freund annehmen. Weitere 19 Prozent tippten, sie täten es wahrscheinlich. Und nur ganze zwei Prozent würden ihrerseits in die Offensive gehen und sich dem Chef via Freundschaftsanfrage offerieren.

Zwischen Männern und Frauen gibts übrigens Unterschiede: Beim Ablehnen sind die Frauen mit 63 Prozent deutlich rigoroser als Männer mit 50 Prozent.

Tobias Arns, Bitkom-Experte für soziale Netzwerke, urteilt: „Die meisten Mitarbeiter empfinden Freundschaftsanfragen ihrer Vorgesetzten offenkundig eher als Nötigung, weniger als besondere Auszeichnung.“ Arbeitgeber sollten die Privatsphäre ihre Mitarbeiter respektieren.

 www.bitkom.de

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Wirklich schade, dass dieser Atikel komplett außer Acht lässt, dass man seine Facebook-Freunde in Listen unterteilen kann. So kann ich bei Facebook weiterhin private Fotos hochladen, auch wenn ich mit meinem Chef befreundet bin, ohne dass er sie sieht. Ich kann sogar über ihn lästern ohne dass er oder meine Kollegen das mitbekommen. Oder ihn loben und preisen und nur ihn selbst das sehen lassen. Alles möglich, dank Listen.