Exklusiv-Studie Mutaree: Wie Unternehmen ihre Führungskräfte mit zu vielen Change-Projekten heillos überfordern

Change-Projekte

Eine Exklusiv-Studie von Mutaree enthüllt: Führungskräfte werden selbst durch die vielen Change-Projekten überfordert, weil sie sie nebenbei bewältigen und trotzdem ihre Zahlen im Tagesgeschäft liefern müssen. Eine gefährliche Entwicklung. 

 

Unternehmen muten ihren Führungskräften viel zu viel zu – mit einem Trommelfeuer dauernder Change-Projekte. Denn die Chefs sollen alles auf einmal schaffen: Zukunftssichernde Change-Projekte stemmen und trotzdem das volle Arbeitspensum des Tagesgeschäfts leisten, so wie vorher auch. Das, obwohl Change-Projekte im Schnitt 60 Prozent und mehr der regulären Arbeitszeit der Chefs beanspruchen. Doch diese notwendige Zeit wird ihnen von ihrer Unternehmensspitze nicht gegeben: 79 Prozent der Chefs mit Change-Projekten bekommen keine Entlastung vom Druck des Tagesgeschäfts trotz der enormen zusätzlichen Belastung.

 

Claudia Schmidt von Mutaree

 

Doppelt so viel Arbeit für Führungskräfte 

„Führungskräfte bekommen doppelte Arbeit aufgebürdet“, lautet das Fazit von Claudia Schmidt, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Mutaree aus Wiesbaden. Das belegt erstmals eine Untersuchung, die jedenfalls für Banken (34 Prozent der Befragten) und Versicherungen (17 Prozent der Befragten) repräsentativ ist: Befragt wurden von Mutaree hierbei 156 Führungskräfte mit mindestens fünf Mitarbeitern und weiteren 111 Fachkräften ohne Personalverantwortung aus allen Branchen wie Gesundheit, Chemie, Pharma und Telekommunikation.

 

Die Untersuchung im Detail: Jede zweite Führungskraft hat fünf bis zehn Change-Projekte gleichzeitig zu bewältigen, viele auch mehr. Bei den Projekten geht es zum Beispiel darum, Verträge schneller abzuwickeln oder mit weniger Personal dieselbe Masse an Arbeit zu schaffen.

 

 

30 bis 50 Prozent mehr Arbeitszeit für Führungskräfte

Wie die Chefs der Lage noch Herr werden? Die normalen Mitarbeiter leisten 20 Prozent mehr Arbeitszeit ab als regulär vorgesehen, die Führungskräfte mindestens 30 bis 50 Prozent mehr, beobachtet Beraterin Schmidt. Sie schleppen die Arbeit mit nach Hause und erledigen sie abends und am Wochenende. Warum? „Weil sie nach wie vor ihre Umsätze bringen müssen“, so Schmidt. Denn sie bekommen zwar immer mehr Aufgaben wie Change-Projekte hinzu, aber die Messlatte fürs Tagesgeschäft mit ihren Umsatzvorgaben bleibt dieselbe.

 

Top-Manager wollen ihre Boni und keine Aktien-Delle

Schuld an dieser Überforderung der Führungskräfte sind die Top-Manager an der Unternehmensspitze: „Vorstände wollen keine Aktiendelle aushalten und mal die Rendite aufschieben“, sagt Claudia Schmidt. Sie wollen im Hier und heute ihr Geld hereinholen, den Erwartungen der Anteilseigner entsprechen und ihre Boni hereinholen.

 

 

Die Liste der Grausamkeiten: Worunter Führungskräfte täglich leiden

Fragt man demgegenüber die Führungskräfte, welche besonderen Belastungen die Change-Projekte ihnen zumuten, wird es bitter: 86 Prozent beklagen hohe Arbeitsverdichtung, 76 Prozent leiden unter Zeitdruck,  75 Prozent müssen Überstunden machen, 50 Prozent empfinden Unsicherheit durch fehlende Orientierung, 40 Prozent fühlen sich frustriert und 49 Prozent stöhnen über mangelnde Einflussmöglichkeit.

 

Damit nicht genug: 46 Prozent haben obendrein Konflikte mit Kollegen, was unweigerlich weitere Arbeitszeit frisst. 31 Prozent der Führungskräfte machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz und 30 Prozent sind überfordert durch neue Anforderungen und Kompetenzen. Immerhin 25 Prozent leiden unter dem Wegbrechen sozialer Bindungen und neun Prozent unter Mobbing.

 

 

Gesundheitsprogramme einerseits, planmäßige Überforderung andererseits

Unternehmensberaterin Schmidt moniert: „Besonders widersinnig ist es, dass die Unternehmen in Gesundheitsprogramme für ihre Belegschaft viel Geld investieren, aber gleichzeitig die Menschen mit zu großen Arbeitsmengen überfordern.“ Langfristig sei das sehr gefährlich. Denn trotz Gesundheitsprogrammen könne man den Kollaps der so Überforderten  nicht verhindern.

 

Wie es zu diesem Dilemma kommt – und niemand eingreift? Die Entscheider an der Spitze sind oft Branchenwechsler, die die Mehrbelastung ihrer Change-Projekte gar nicht kennen oder nicht bis zu Ende denken, welche Konsequenzen ihre Change-Projekte haben, so Schmidt.

Ihr Verdacht: „Viele Top-Manager haben keine eigenen Erfahrungswerte mehr und keine Vorstellung, was die Projekte tatsächlich an operativen Details nach sich ziehen.“

 

 

Die Folge: Burn Outs, höhere Krankheitskosten – Fürsorgepflicht der Arbeitgeber

Ob Besserung in Sicht ist? Wohl kaum. Für 2018 erwarten 52 Prozent der befragten Führungs- und Fachkräfte, dass dieser Druck auf sie unverändert anhält.

Warum die Unternehmenslenker diese Überbelastungen trotz zunehmender Burn Outs und steigenden Krankheitskosten verantworten – ganz abgesehen von der Verletzung ihrer Fürsorgepflichten als Arbeitgeber -, ist schleierhaft. Die Gründe für diese brachiale Rücksichtslosigkeit sind womöglich versteckte, individulle Motive wie Boni, die die Top-Manager für kurzfristige Effizienzsteigerungen einstreichen – selbst wenn die Gesundheit ihrer Führungskräfte damit beschädigt wird.

 

 

„Welchen besonderen Belastungen sind Sie im Rahmen von Change-Prozessen ausgesetzt?“
Hohe Arbeitsverdichtung 86%
Überstunden 75%
Frustration 40%
Zeitdruck 76%
Mobbing 9%
Unsicherheit durch fehlende Orientierung 50%
Sorge um den Arbeitsplatz 31%
Überforderung durch neue Anforderungen und Kompetenzen 30%
Konflikte mit Kollegen 46%
Mangelnde Einflussmöglichkeit 49%
Wegbrechen sozialer Bindungen 25%

 

Wie viel Prozent Ihrer Arbeitszeit nehmen Change-Projekte in Anspruch?“

2017
keine 5%
20% 18%
40% 28%
60% 16%
80% 23%
9% 9%
Quelle: Mutaree 2017
 

 

 

 

 

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Alle Kommentare [0]

  1. Hierzu wäre anzumerken das es sehr positive Unternehmensbeispiele gibt bei denen die Führungskräfte für die Bewältigung alle notwendigen Mittel in die Hand bekommen. IBM, MediaSaturn und Microsoft sind hier sicher gute Beispiele für eine positive Analyse