Bei 55 Wochenarbeits-Stunden steigt das Risiko der Überarbeitung deutlich: Todesfälle drohen wegen Herzinfarkten und Schlaganfällen, Burn-outs sowieso

Zwei alarmierende Meldungen binnen einer Woche, die zusammen noch mehr Sorgen machen: Die erste kam von der WHO sowie der Internationalen Arbeitsorganisation ILO und ging so: Wer 55 Stunden und mehr pro Woche arbeitet, hat ein deutlich höheres Risiko, an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu sterben.

 

Und weiter: Durch Corona habe sich das Gesundheitsrisiko von vielen Menschen erhöht, weil sich die Arbeitswelt – im Homeoffice – geändert hat: Privatleben und Arbeitszeit verschwimmen. Kein Job sei das Risiko eines Schlaganfalls oder einer Herzerkrankung wert, genau dieses Risiko geht aber ein, wer mehr als 35 bis 40 Stunden pro Woche raffelt. Deshalb sollten Regierungen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer Regeln aufstellen und die Gesundheit der Berufstätigen schützen, fordert WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

 

Die Analyse von WHO und ILO zeigt auch: Seit dem Jahr 2000 seien 29 Prozent mehr Leute – vor allem im mittleren und höheren Alter – an den Folger langer Arbeitszeit gestorben. Fast jede zehnte Arbeitskraft weltweit arbeitet 55 Stunden pro Woche oder mehr. Bei einer Fünf-Tage-Woche wären das mindestens elf Stunden täglich. Das ist zu viel und macht krank, heißt es in der Studie. Insbesondere Burn-outs stehen dabei ganz oben. Die Symptome: Erschöpfungsgefühl, zunehmende geistige Distanz oder negative Haltung zum eigenen Job und ein verringertes berufliches Leistungsvermögen.

 

(Foto: C.Tödtmann)

 

Die andere Meldung kam vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und betrifft zwar das Jahr 2019, doch abgenommen hat die Zahl wohl nicht. Die deutschen Arbeitnehmer haben 892 Millionen unbezahlte Überstunden abgeleistet und den eigentlich fälligen Lohn ihren Unternehmen geschenkt – nur ohne Schenkungssteuer. Das ist mehr als die Hälfte aller insgesamt geleisteten Überstunden.

 

Der Grund dürfte sein: In den vergangenen Jahren haben die Unternehmen so viele Mitarbeiter entlassen, dass sich deren Arbeit auf die verbliebenen Leute verteilt. Für die Arbeitgeber also ein prima Deal.

In welchen Branchen die meisten Überstunden geleistet werden, zeigt diese Tabelle vom Marktforscher Statista von Juli 2019:

 

 

 

 

 

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