Wenn Männer mehr Lohn bekommen nur weil sie Männer sind. Und wie Stepstone jetzt Arbeitgebern einen Uralt-Trick vermiesen will

Gender Pay Gap scheint sich besser zu machen als das hässliche deutsche Wort Lohndiskriminierung. Und die Differenz zwischen Gehältern von Männern und Frauen beträgt laut Statistischem Bundesamt in Deutschland immerhin 18 Prozent. Die Zahl sinkt nur langsam, 15 Jahre hat es gebraucht, damit sich die Lücke um fünf Prozentpunkte verschob.

Hin wie her: Das Entgelttransparenzgesetz, das für gerechtere Löhne sorgen sollte, ist wirkungslos geblieben. Wie erwartet. Das Gesetz gilt nur für wenige – wer in kleinen Unternehmen zu wenig bekommt, hat Pech gehabt – , es ist zu kompliziert in der Anwendung, hat nicht einmal direkte Folgen und Arbeitnehmern fehlt der Mut, beim eigenen Unternehmen nachzufragen. Und zu klagen allemal.

Spektakuläre Fälle wie in Großbritannien bei der BBC kommen hierzulande gar nicht erst ans Tageslicht. Dort hatte die China-Korrespondentin Carrie Gracie ihren Job aus Protest hingeschmissen, weil die Männer unter den Kollegen deutlich mehr Geld bekamen. Die britische Gleichstellungsbehörde wollte einschreiten hiess es daraufhin.

Gäbe es solche imageschädigenden Fälle hierzulande, würden mehr Unternehmen von alleine auf Lohndiskriminierung im eigenen Hause aufpassen.

 

(Foto: C.Tödtmann)

 

Stellschraube Stellenazeige

Die Job-Plattform Stepstone macht schon die Stellenanzeigen als ersten Schritt für Lohndiskriminierung aus, die allenfalls ein marktübliches Gehalt versprechen und will deshalb jetzt Gehaltsspannen neben den Online-Stellenanzeigen veröffentlichen: „Die Gehaltsangaben berücksichtigen alle relevanten Faktoren wie beispielsweise Unternehmensgröße, Branche, Position und den Standort, um eine möglichst exakte Orientierung zu geben.“ Das klingt gut. Denn während Gehaltsangaben in Stellenanzeigen die Ausnahme sind, fordern Arbeitgeber die Bewerber häufig auf, ihre Gehaltsvorstellungen schon im Anschreiben anzugeben.

Fair play geht anders: „Dieses Vorgehen stellt ein krasses Ungleichgewicht dar. Der Arbeitgeber erwartet, dass Bewerber sich klar positionieren, während er oder sie sich selbst noch nicht in die Karten schauen lässt. Das führt dazu, dass sich viele Bewerber wie Bittsteller fühlen und unter ihren Möglichkeiten bleiben“, urteilt Kerstin Rothermel, Personalexpertin bei StepStone. Und weiter: „Gerade Frauen sind davon überdurchschnittlich betroffen. Unsere Marktforschung zeigt, dass sie sich deutlich unwohler fühlen als Männer, wenn es um Gehaltsforderungen geht. Und dass schon Studentinnen deutlich niedrigere Gehaltserwartungen als Studenten haben.“

 

 

 

Auch im internationalen Vergleich schneidet Deutschland wieder schlecht ab in puncto Behandlung der Frauen.  Die Big-Four-Beratungsgesellschaft PwC hat zum Internationalen Frauentag am 8. März seinen jährlichen „Women in Work Index“ herausgebracht. Die Studie untersucht die wirtschaftliche Stärkung von Frauen anhand von Kriterien wie Einkommensgerechtigkeit, Zugang von Frauen zu Beschäftigungsmöglichkeiten und Arbeitsplatzsicherheit. Island behandelt danach seine Frauen am besten und steht an der Spitze in diesem Index mit 78,3 Punkten, Platz wei sichert sich Neuseeland mit 76,3 und Schweden mit 75,7 Punkten. Deutschland schafft 63,8 Punkten den Platz 19 von 33 analysierten Ländern.

 

 

 

Lese-Tipp: https://blog.wiwo.de/management/2018/03/31/angst-angst-angst-schon-nachzufragen-loest-bei-arbeitnehmern-befuerchtungen-aus-zum-stichwort-entgelttransparenzgesetz/

 

 

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