Kanzleibesuch bei der Law Firm Arqis, die weiter wachsen will – statt Büroräume zu verkleinern

Kanzleibesuch bei Arqis: Breite Straße, Düsseldorf 


 

Die neue Adresse der Kanzlei Arqis auf der Breite Straße war noch so frisch, dass das Google Navi sie erst mal nicht fand, es gab einfach noch keine Hausnummern. Doch der Pförtner im Nachbarhaus konnte helfen. Er kannte schon die Fragen der Paketboten, die ebenso herumirrten. Das Problem dürfte gelöst sein und andere Fragen in Coronazeiten im Vordergrund. So großzügig wie die Arqis-Räume in der Nähe der Düsseldorfer Königsallee sind, dürfte das voneinander Abstand-Halten auch  so gar kein Problem sein.

 

Tobias Neufeld und Andrea Panzer-Heemeiner von Arqis (Foto: C.Tödtmann)

 

Das war noch vor wenigen Wochen. Schnitt. Und schon jetzt ist die Frage aktuell, ob Arqis – so wie offenbar etliche Kanzleien – plötzlich ihre Mietflächen verringern, Mietkosten sparen, Mitarbeiter im Home office lassen und Räume entmieten will? Das sagt nämlich gerade eine Blitzumfrage der Fachredaktion „Juve“: Jede dritte Wirtschaftskanzlei will danach ihre Büroräume verkleinern. Weil´s doch so toll mit dem Home office funktioniere.

 

Wer wächst, verkleinert nicht seine Räume

Was mich nun wundert. Ob es die entrückte Ich-Sicht der Kanzleimanager ist? Und ob die Befragten noch an die guten alten Arbeitsschutzvorschriften denken, die in Home offices derzeit oft so gar nicht befolgt sind? Oder ob keinem auffällt, dass viel zu viel anderes Wertvolle perdu geht – Mitarbeiterbindung, Teamgeist, Wissenstransfair undundund? Der Klebstoff eben für ein Unternehmen. Das was ein Unternehmen ausmacht – im Unterschied zu einem kurzfristigen Projekt.

 

Ob Arqis sich denn nun auch verkleinern will? Nein, ist die prompte Antwort von Andrea Panzer-Heemeier, der Kanzleimanagerin von Arqis und Arbeitsrechtlerin. Im Gegenteil, selbst wenn sie weniger Fläche wegen Home-office-Kollegen bräuchten, wachse Arqis weiter und benötigt auf jeden Fall diese Flächen, versichert sie.

 

(Foto: C.Tödtmann)

 

Besser fürs Team, besser für die Stimmung und für die Ergebnisse

Außerdem sei sie noch nie ein Home-office-Fan gewesen und die allgemeine Begeisterung im März, als Corona begann, habe sie schon damals befremdet. Das Fazit der Juristin: Bei aller Flexibilität – normale Büros seien viel besser fürs Team, für die Stimmung im Betrieb und für bessere Ergebnisse.

Das klingt vernünftig, und so wirken die forschen Entmietungsbeschlüsse doch zumindest vorschnell. Panzer-Heemeier jedenfalls kann sie nicht nachvollziehen. Auch wenn sie nichts gegen Mobiles Arbeiten und die Abstimmung auf persönliche Bedürfnisse habe, so müssten doch zwei bis drei Tage Anwesenheit in der Company schon sein.

 

Deutsche Sparwut: Sparziele der Finanzchefs können nicht einzige Priorität sein

Unternehmenslenker können doch nicht alles den Sparzielen der Finanzchefs unterordnen, meint Panzer-Heemeier. Da hat sie absolut recht. Dennoch hat die deutsche Sparwut schon längst zugeschlagen: Den Anfang machten erste Meldungen wie zum Beispiel die von der einst so noblen Adresse der Privatbank HSBC – wenige hundert Meter Luftlinie von Arqis entfernt: Die will von 900 Mitarbeitern gleich 40 Prozent, also 360 Leute, künftig von zuhause aus arbeiten lassen laut „Rheinischer Post“.

 

(Foto: C.Tödtmann)

 

Wie ein Falschfahrer auf der Autobahn

Panzer-Heemeier wundert das alles nur noch: Sie kommt sich langsam vor wie ein Falschfahrer auf der Autobahn. Und ob denn alle Entscheider nur noch von ihren Finanzern getrieben werden, die leuchtende Augen bekommen, wenn sie Miete sparen können? Als Arbeitsrechtlerin weiß sie nur zu genau, dass richtige Home-Office-Regeln anders aussehen. Und dass sie für Unternehmen meistens teurer sind als Präsenz-Büros, wenn sie legal sein sollen. Und nicht nur Fluchtburgen, wie der Publizist Hajo Schumacher die derzeitigen Provisorien nennt: die notdürftig aufgestellten Schreibtische in Schlafzimmern oder Hobbykellern und die freigeräumten Ecken auf dem Küchentisch eingenebelt von Essensgerüchen und laufend unterbrochen von Paketzustellern & Co.. Würden und werden dort Besucher des Arbeitgebers empfangen und diese Szenerien die Firmen @home repräsentieren, würde mancher Unternehmenslenker vielleicht doch ins Nachdenken kommen. Ich bin gespannt auf lustige Bildergalerien online.

 

Home office? Ein böser Begriff: Mobiles Arbeiten ist das Schlüsselwort
Tatsächlich spricht auch mancher Manager in Konzernen aber plötzlich nur noch von Mobilem Arbeiten seiner Mitarbeiter und nimmt das böse Wort Home office lieber gar nicht mehr in den Mund. Weil er plötzlich verstanden hat, dass zum echten Home office tatsächlich viel mehr als ein Laptop auf dem Küchentisch gehört: Nämlich der Mietzuschuss vom Arbeitgeber, vernünftige Büromöbel und IT auf Kosten der Company, die Erstattung der Fahrtkosten zur Zentrale als Dienstreise sowie ein vertragliches, jederzeitiges Betretungsrecht der privaten Wohnung des Mitarbeiters für Arbeitgeber und vor allem für Behörden. Damit sie die Einhaltung der  Arbeitsschutzvorschriften kontrollieren können. An die in den Küchen-Home-offices oder Schlafzimmerecken der Fluchtburgen meist gar nicht zu denken ist.
Zum Dank für den Corona-Einsatz: Hausarrest für immer
Deshalb sprechen die Manager auch nur noch von Mobilen Arbeitern. Dass ihre Leute nach dem Lockdown bitteschön mehrheitlich zu Hause bleiben sollen, sagen sie hinter vorgehaltener Hand. Denn denen ist es noch gar nicht klar, dass sie sich bald in einer Art Hausarrest wiederfinden sollen.

 

Die Alibi-Diskussion um Frauen mit Babys in Vorständen und Aufsichtsräten

Was Andrea Panzer-Heemeier dann erzählt und was sie genauso verwundert, ist die plötzliche Aufregung um Aufsichtsrätinnen und Vorständinnen mit Babys. Die dringend eigene Gesetzesregelungen haben wollen für Elternzeit und Mutterschutz. Aus Angst, im worst case mit haften zu müssen für ihre Vorstandskollegen, obwohl sie babybedingt kurzzeitig nicht da sind. Eine Alibi-Diskussion sei das, moniert die Düsseldorferin.

So eine Regelung könne man machen, sie tue keinem weh und alle könnten sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, spottet sie. Nur: Unternehmerinnen könnten sich auch nicht so einfach rausziehen, vergleicht sie. Und die kämen auch klar. Am Geld für Kinderbetreuung fehle es eher nicht.  So wie bei ihr: Als Managing Partnerin einer Großkanzlei, die zwei Kinder zur Welt gebracht hat und trotzdem nicht von der Karriereleiter gewichen ist.

Die deutsche Vodafone-Finanzchefin Anna Dimitrova, die aus Bulgarien stammt, hat da eine klare Meinung. Dort würden Frauen, die nach einer Geburt monatelang nicht arbeiten würden, für faul gehalten.

 

Tobias Neufeld und Andrea Panzer-Heemeier – fürs Foto mal ohne Maske

 

Die allermeisten Vorständinnen und Aufsichtsrätinnen sind übers gebärfähige Alter hinaus

Bei Aufsichtsrätinnen kommt hinzu: es ist nur ein Nebenjob, eine Honorartätigkeit und weit entfernt von tagtäglichen Anwesenheitspflichten. Ihr Altersdurchschnitt liegt – ebenso wie der von Dax-Vorständinnen – fast immer jenseits des Alters, in dem Frauen Kinder bekommen. Nämlich locker über 50. Im Klartext: Die praktische Relevanz dieses Themas ist eher ein Sturm im Wasserglas und dürfte gering sein, weil es nur ganz wenige Frauen trifft. Headhunter Heiner Thorborg bringt es auf den Punkt: die Babypause für Vorstände ist „ein Minderheitenprogramm mit Mini-Effekt“.  

 

Denn, und das ist bemerkenswert an der ganzen Diskussion, männliche Vorstände haben sich nicht eingebracht und fordern für sich auch keine Elternpause.

Die Frage ist, ob man dem an sich erstrebenswerten Ziel der Geschlechtergleichstellung mit solchen Sondergesetzen einen Bärendienst erweist? Weil sie auch nur ein Schaukampf sind. Womöglich bekämen clevere Anwälte individuellen Vertragsregeln für diese seltenen Fälle auch so in Griff.

Vor allem, so lange es andere wichtige und dringende Projekte gibt für den Gesetzgeber wie etwa die Erfassung der Arbeitszeiten – gerade vor dem Hintergrund weiter steigender Burnout-Quoten und Home-office-Arbeitern, die entgrenzt immer weiter arbeiten, statt Feierabend zu machen.

 

Links: 

https://blog.wiwo.de/management/2016/12/13/home-office-ein-teurer-spass-fuer-unternehmen-wenns-korrekt-laeuft/

https://www.manager-magazin.de/unternehmen/mutterschutz-und-elternzeit-fuer-vorstaendinnen-bringt-das-mehr-frauen-in-die-topetagen-a-5bf1aeda-96c0-4f9a-87d2-56d6831994eb

 

Blogger-Relevanz-Index 2019

 

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*