Ein schwer lädiertes Verhältnis: Chefs und ihre Mitarbeiter – im Regen stehen gelassen und ausgebootet statt gecoacht

Nicht einmal jede vierte Führungskraft hat Führen gelernt laut dem Verband für Fach- und Führungskräfte. Im Klartext: Die meisten Vorgesetzten hierzulande sind nicht für das ausgebildet, was sie tagtäglich tun. Und das in dem Land, wo es Quereinsteiger extrem schwer haben und Branchenwechsel selten sind. Doch Führen darf quasi jeder, egal ob er Führungskompetenzen hat?

Die Gallup-Umfragen zeigt die Ergebnisse dieses gelebten Dilettantismus jedes Jahr aufs Neue und bringt es inzwischen bis in die TV-Nachrichten zur besten Sendezeit. Ändern tut sich – nichts.

Nach wie vor wird nicht befördert, wer hohe Führungskompetenz hat, sondern wer alleine am meisten glänzt. Die besten Einzelergebnisse abliefert.

Wie die Angestellten hierzulande ihre Chefs so erleben hat nunmehr die Personalberatung Korn Ferry abgefragt, eine Ruhmesblatt ist auch deren Ergebnis nicht:

  • 39 Prozent monierten, dass ihre Chefs sie schon mindestens einmal komplett im Regen stehen gelassen haben.
  • 52 Prozent der Befragten ärgern sich darüber, dass Vorgesetzter sie schon ausbootete und die Lorbeeren anstatt ihrer eingeheimst hat.
  • 56 Prozent gaben zu Protokoll, dass ihr Chef sie wenig oder gar nicht motivieren kann
  • 58 Prozent der Befragten beklagten, dass Sie sich nicht von ihren Vorgesetzten ausreichend gefördert fühlen würden.
  • Kein Wunder, dass 40 Prozent der Angestellten davon überzeugt sind, dass sie selbst Job ihres Chefs besser machen können als er.

Das Ganze ist umso fataler, weil den Mitarbeitern ihre Chefs beileibe nicht gleichgültig sind: „Unmittelbare Vorgesetzte sind der wichtigste Bezugspunkt von Mitarbeitern“, sagt Holger Winzer, Leiter der Führungskräfteentwicklung von Korn Ferry. Die Verbindung zum Chef sei immer hoch emotional.

Management-Guru Reinhard Sprenger analysierte das schon vor viele Jahren. Seine Erkenntnis: „Mitarbeiter verlassen immer ihren Chef, nicht das Unternehmen.“

Konr-Ferry-Experte Winzer glaubt dennoch, dass die meisten Unternehmen erkannt hätten, dass die Ära der Kontrolle und des Delegierens vorbei sei und Führungskräfte nunmehr stattdessen inspirieren, fördern, befähigen und zuhören können sollen. Fragt sich nur: ob das funktioniert. Wenn schon bisher das Führen so wenig ernst genommen wurde, dass nur jeder vierte darin geschult wurde.Und um wie viel schwieriger es für die neuen Führungskräfte sein dürfte, nicht nur anordnen und Arbeitsergebnisse einfordern zu können.

 

Zur Umfrage: Korn Ferry hat im September 2019 804 Professionals über ihre Haltung zu ihren Vorgesetzten befragt. Mehr hier: https://www.kornferry.com/press/does-your-boss-have-your-back“

 

 

 

 

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