Social-Media-Kanäle als Karrierebeschleuniger: Und wo sind Sie visibel?

Manager, die nun bei Social Media visibel werden sollen, haben´s schon schwer. Denn jedes Medium hat einen anderen Zweck. „Instagram ist die klassische Einbahnstraße – mit etwas Gegenrichtung quasi durch Radfahrer“, meint mein Kollege Rüdiger Kiani-Kress. „Twitter dagegen ist was für Infos und kurze Dialoge / Dialogreihen. Darum nutzen es auch Unternehmen als Feedbackkanal.“

Und weiter: „LinkedIn ist vor allem für diskrete oder zumindest Ansprachen.“ Auf jeden Fall für die Karriere – nicht umsonst ändern Amerikaner schon am Tag ihrer Verkündung eines neuen Jobs ihr LinkedIn-Profil.

 

LinkedIn als Seriositätsausweis

Deutsche haben´s mit diesem Karrieretool irgendwie immer noch nicht drauf – sie ändern gerne mal Monate später erst ihre – inzwischen dann auch nicht mehr taufrischen – Koordinaten. Erstaunlich, wie viele Professionals es sich immer noch leisten, hier nicht auffindbar zu sein. Auch als eine Art Seriositätsausweis. Oder ohne Bild oder ohne Vita. Dasselbe gibt für das – eher deutsche – Netzwerk Xing. 

Und nochmal für den raschen Überblick: Blogs sind für längere Infos / Meinungsbeiträge. YouTube für lange und kurze Videos. 

Wie sich die Nutzerzahlen verteilen, hat Die Kommunikationsagentur Faktenkontor analysiert, siehe unten.

 

Auf mehreren Hochzeiten

Und deshalb sind Profis auch auf mehreren Kanälen unterwegs – manchmal mit verschiedenen Darstellungen des gleichen oder ähnlichen Inhalts. Jeder müsse sich ansehen, welcher Kanal am besten zu ihm passt, rät Netzwerkexpertin Tijen Onaran.

 

 

Kanäle sind keine Communitys

Dass Kanäle übrigens keine Communitys sind, sondern nur Kanäle ist Bundesinnenminister Horst Seehofer noch heute nicht klar. Er „will nicht Teil von so einer Community sein“, wo so platte Kommentare stünden, ist bei „Spiegel online“ nachzulesen.

 

Dieser Logik folgend wird er vermutlich auch sein Telefon abmelden, denn da können ja auch schlechte Nachrichten übermittelt werden. Oder Plattitüden, Beleidigungen, alles was so denkbar und unschön ist. Man darf gespannt sein auf weitere Einschätzungen und Urteile von Seehofer in dieser Hinsicht. Viel verlieren tut er beim Twitter-Ausstieg nicht, gemessen an seiner Bekanntheit und an seinem Amt war die Zahl seiner Follower klein.

 

Youtube auf Rang eins, WhatsApp und Facebook folgen

Ansonsten überrascht die neuer Auswertung der Social-Media-Kanäle aus dem Hause Faktenkontor, der Hamburger Kommunikationsgagentur, und von dem Marktforscher Tuluna in Kooperation mit dem IMWF – Institut für Management- und
Wirtschaftsforschung nur ein kleines bisschen: Laut ihrem Social-Media-Atlas ist Youtube der beliebteste Social-Media-Dienst bei 74 Prozent der Deutschen online ab 16 Jahren. Facebook ist auf Platz drei (69 Prozent) heruntergerutscht. Befragt wurden dafür 3.500 Internetnutzer ab 16, die Umfrage ist repräsentativ.

 

Irrglaube: Ein Manager sei in den Sozialen Medien, wenn er WhatsApp nutzt

Dass der beliebte Messenger-Dienst Whatsapp auf Platz zwei steht mit 71 Prozent ist nicht verwunderlich. Verwunderlich ist eher, dass er zu den Kanälen gerechnet wird als modifizierte SMS, deren Nachrichten der Nutzer untereinander ja gerade nicht öffentlich sichtbar sind. Aber diese merkwürdige Klassifizierung fühhrt denn auch dazu, dass sich Führungskräfte schon für digital halten, nur weil sie Whatsapp nutzen. Von SMS-ern hat man das eher noch nicht vernommen.

 

Instagram ist bisher nur gefühlt am wichtigsten

Der angeblich so hippe Kanal Instagram hat jedenfalls deutlichen Abstand zu Facebook und dümpelt bei 37 Prozent – interessant wäre, ob sich das ändern würde, wenn man dort auch Links posten könnte.

Die Auswertung weiter: 28 Prozent sind Blog-Leser, also auch eher konsumierend als interaktiv.

 

Twitter – der unterschätzte Kanal

Twitter kriegt aus irgendeinem – mir schleierhaften – Grunde immer noch nicht die Popularitäts-Kurve und hängt bei 25 Prozent. Ob es mit Vorurteilen wie von Minister Seehofer zusammenhängt? Gut vorstellbar ist es, ich höre immer wieder drollige Vergleiche von sehr intelligenten, gebildeten Leuten von Twitter mit Whatsapp. Die sagen dann ähnliches wie Seehofer. Ihr Tenor: Also wenn der US-Präsident hier postet, wollen sie da nicht mitlesen oder aktiv sein.

Mich wundert dann immer nur, mit welcher Selbstsicherheit die Betreffenden das von sich geben. Wo sie doch gleichzeitig offenbaren, dass sie nicht wissen, worüber sie reden. Oder ist das nur authentisch und tatsächlich großartig? Vielleicht.

Vielleicht liegt es aber auch an der Tatsache, dass so wenig Leute Tweetdeck kennen. Ohne das Twitter tatsächlich deutlich nutzerunfreundlicher ist.

 

Gefühlt hätte ich LinkedIn mit 17 Prozent und Xing mit 24 Prozent alle beide höher angesiedelt. Aber die könnten womöglich noch mehr Nutzer gewinnen, wenn sie übersichtlicher und nutzerfreundlicher wären. Tijen Onaran jedenfalls spricht mir aus der Seele, wenn sie sich über diejenigen LinkedIn-Kandidaten ärgert, die es als Vertriebskanal ansehen und gleich irgendwas direkt zusenden, was so plump ist wie Werbeverkaufsversanstaltungen á la Butterfahrt mit Matratzenkaufgelegenheit.

 

Nicht Reichweite zählt, sondern Zielgenauigkeit

Recht hat natürlich Faktenkontor-Chef Roland Heintze, wenn er staatstragend postuliert: „Eine geringere Reichweite bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein
Social-Media-Dienst für die Unternehmenskommunikation keine Rolle
spielt. Denn über diese Kanäle lassen sich häufig bestimmte Zielgruppen besonders fokussiert erreichen.“

 

 

Und das gilt besonders für Twitter, wo viele Journalisten und Medienleute präsent sind, schreiben – und manche lesen sogar und nehmen auch andere zur Kenntnis. News lassen sich hier am schnellsten finden und ausbreiten. Und die Tweets führen zu vielen vielen interessanten Veröffentlichungen, die man sonst an nie gefunden hätte.

 

Sie werden übersehen? Selbst schuld

Ganz abgesehen davon, dass auch die Visibilität hier dafür sorgt, dass die Researcher der Headhunter einen überhaupt finden. Wenn sie nach Kandidaten suchen für interessante Jobs. Und das gilt übrigens für Frauen ganz besonders – denn die sind ja immer so verfixt schwer zu finden, behaupten die Aufsichtsräte und andere Entscheider.

 

Lesetipp: Interview mit Kienbaum-Personalberater Gerhard Wiesler über Manager, die nur vorgeben, Digitalkenntnisse zu haben

https://blog.wiwo.de/management/wp-admin/post.php?action=edit&post=669859

 

Auf welchen Kanälen sich die meisten Online-Nutzer tummeln

Dienst Nutzer Nicht-Nutzer
YouTube 74% 26%
WhatsApp 71% 29%
Facebook 69% 31%
Instagram 37% 63%
Foren 33% 67%
Pinterest 30% 70%
Blogs 28% 72%
Twitter 25% 75%
Xing 24% 76%
Snapchat 18% 82%
LinkedIn 17% 83%
StayFriends 17% 83%
Quelle: Faktenkontor/Tuluna/IMWF 7/2019

 

 

 

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