Equal Pay Day und die 21-prozentige Lohnlücke, aus der – simsalabim – eine sechs-Prozentige wird. Obwohl viele Frauen gar keine Kinder haben oder keine Auszeit kennen.

Gleichbehandlung: Wenn Fiktionen ungerecht behandelte Menschen ein zweites Mal kränken und herabwürdigen

 

 

 

 

Wenn die Vorzeichen aber nun ganz andere sind?

Da schreibt als eine von vielen beispielsweise auch die „Süddeutsche Zeitung“ zum Equal Pay Day:

„Allerdings handelt es sich bei den 21 Prozent um eine „unbereinigte“ Gehaltslücke. Dem Statistischen Bundesamt nach verdiente eine Frau im vergangenen Jahr im Schnitt 17,09 Euro in der Stunde, ein Mann 21,60 Euro. Nicht berücksichtigt ist allerdings, dass Frauen längere Kinderpausen machen, häufiger in Teilzeit arbeiten und seltener Führungspositionen erreichen. Tendenziell wählen Frauen zudem schlechter bezahlte Branchen und Berufe. So finden sich mehr Männer in gut bezahlten technischen Berufen in der Industrie, aber mehr Frauen in schlecht bezahlten sozialen Berufen und im Dienstleistungssektor.“

 

Mal ganz langsam rekapituliert:

Da tut sich ein Unterschied von 21 Prozent beim Lohn auf, der ist erst mal da.

Dann versucht man den Unterschied „zu bereinigen“, irgendwie fiktiv. By the way: Welcher Mensch hat sich eigentlich genau diese merkwürdigen Fiktionen ausgedacht?  In der Folge verteilt man großzügig Grundannahmen – und ulkigerweise auch auf diejenigen, auf die sie nicht zutreffen. Was ist das für ein Taschenspielertrick? Der sich schon wieder gegen die Übervorteilten richtet.

 

Frau = Mutter? nein, durchaus nicht

Jetzt kommt die erste irrige Grundannahme Frau = Mutter. Schon falsch. Frau ist nicht  dasselbe wie Mutter. 20 Prozent der Frauen bekommen nämlich gar keine Kinder in ihrem Leben. Was, bitteschön, gibt es bei den 20 Prozent zu „bereinigen“? Es ist immerhin jeder fünfte Frau.

 

Auszeit für alle Frauen? Oh nein

Die zweite irrige Grundannahme ist: Alle berufstätigen Mütter nehmen irgendwelche längeren Auszeiten nach der Geburt. Manche konnten und/oder wollten es auch definitiv nicht, weil sie womöglich Haupternährerin sind. Weil ihr volles Gehalt unverzichtbar war. Oder weil sie ihre Karriere nicht gefährden wollen.

Es gibt durchaus angestellte Frauen, die nur in der gesetzlich vorgeschriebene Auszeit nach einer Geburt von acht Wochen nicht zur Arbeit antreten.

Vor allem: Schon in die Sechs-Wochen-Frist vor der Geburt ist nicht gesetzlich vorgeschrieben. Frau darf nämlich auch weiterarbeiten bis zur Geburt. Es ist passiert übrigens gar nicht so selten. Ich hab´s getan und gerade von erfolgreichen Anwältinnen habe ich es öfter gehört.

 

Acht Wochen Arbeitsverbot und schwupps, Diskriminierung lebenslang

So manche Frauen fallen also nur acht Wochen je Kind aus. Das ist die gesetzlich vorgeschriebene Minimal-Aussetz-Zeit. Und wieder die Frage: Was gibt es bei diesen Frauen zu „bereinigen“?

 

Die Zahl, die die Statistiker uns vorenthalten

Wie hoch die Zahl der zweiten Gruppe ist, sollten mal die Statistiker verraten, denn die müsste man zu den 20 Prozent der Nicht-Mütter hinzu addieren und von all den Fiktionen verschonen.

Wie kommt es eigentlich an bei Frauen, die entweder keine Kinder haben oder nur acht Wochen ausgefallen sind, aber nun „bereinigt“ werden? Bei mir kommt es wie eine zusätzlich Kränkung an, die zur Diskriminierung hinzukommt.

 

Ähnliches gilt für den Rest der lustigen Annahmen zur Diskriminierungs-Kleinrederei.

Viele Frauen arbeiteten auch nie Teilzeit und müssen sich auch nicht vorwerfen lassen, in typischen Frauenberufen zu sein.

 

Immer geschuftet – und dann trotzdem bereinigt/diskriminiert? 

Wenn also auf etliche Frauen keins dieser fiktiven Vorzeichen zutrifft, was dann? Sie müssen akzeptieren, dass ihre Diskriminierung einfach mal schnell zerredet wird? Obwohl sie sie durchaus auf dem gar nicht fiktiven Bankkonto sehen, Monat für Monat? All diese Frauen schweigen, richtig? Ich jedenfalls habe kein Wutgeheul ob dieser neuerlichen, zweiten Diskriminierung bislang wahrgenommen.

 

PS: Und was ich wirklich ungeheuerlich finde, ist, wenn Top-Managerinnen in dieselbe Kerbe schlagen. Wenn sie – statt andere Frauen zumindest nicht auszubremsen – sofort mit der Mütter-Karte gegen alle Frauen auftrumpfen. Auch gegen Frauen ohne Kinder. 

Wenn sie, immer wenn es ums Thema Frauenförderung ( ja genau, die Förderung ANDERER Frauen) geht, sofort im selben Atemzug von Kinderbetreuung reden, die leiderleider in Deutschland Karrieren bremsen würden.

Diese klugen Frauen haben nämlich durchaus den Intellekt, zu erkennen, dass jede fünfte Frau gar keine Kinder hat. Komisch, dass auch die an der gläsernen Decke scheitern, gell? Dabei könnten sie sie doch fördern.

Und sie ignorieren, dass selbst die Kinderaufzuchtzeit

a) jedenfalls für gut bezahlte Frauen, Führungskräfte und Managerinnen, kein Problem mehr ist und

b) auch Mütter nach einigen Jahren zur Karriere antreten können und wollen. So wie die Managing-Partnerin einer Großkanzlei, die dann den Job antrat, als ihre vier (!) Kinder aus dem Gröbsten raus waren. Ich habe mich gefreut, sie in der neuen Chambers-Liste der erfolgreichsten deutschen Anwälte zu entdecken, die vor wenigen Tagen auch hier im Management-Blog erschien.

https://blog.wiwo.de/management/tag/chambers-anwaelte-raning-2/

https://blog.wiwo.de/management/2019/03/07/chambers-anwaelte-ranking-2019-exklusiv-welche-top-juristen-internationales-ansehen-geniessen-1/

 

 

Der neue Blogger-Relevanz-Index 2018

 

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