Die typische Managerin ist enttarnt: 46 Jahre, meist kinderlos und in jedem vierte Fall Single

Die typische Managerin ist erstmals enttarnt: 46 Jahre alt, meist kinderlos und in jedem vierte Fall Single, belegt das Manager-Barometer von Odgers Berndtson.

 

Der deutsche Manager ist so ungefähr bekannt: er ist 48 Jahre alt, in 93 Prozent der Fälle verheiratet oder mit fester Lebenspartnerin, in 71 Prozent der Fälle mit einer berufstätigen Partnerin und er arbeitet 53 Stunden die Woche. Im Schnitt hat er zwei Kinder (40 Prozent), nur 20 Prozent haben keins.

 

Nur wer die deutsche Durchschnittsmanagerin ist, das war bislang völlig unklar. Zum ersten Mal hat das Manager-Barometer von Odgers Berndtson – auf Anregung der „WirtschaftsWoche“ übrigens – auch die durchschnittliche Managerin in Deutschland analysiert mit einem interessanten Ergebnis: Die ist nämlich 46 Jahre alt, ist aber nur in 72 Prozent der Fälle verheiratet oder hat einen festen Lebenspartner, 19 Prozent haben ein Kind, 17 Prozent zwei Kinder. In 75 Prozent der Fälle mit Partner ist dieser berufstätig.  Sie arbeiten 52 Stunden pro Woche.

 

Die meisten Managerinnen haben keine Kinder

Die überraschende Erkenntnis: Mehr als jede vierte Managerin ist Single und 56 Prozent sind keine Mütter. Frauen wie die EY-Vorständin Ana Grohnert mit drei Kindern sind mit fünf Prozent die absolute Ausnahme.

Zum Vergleich: Manager arbeiten ebenso viel wie Managerinnen. Managerinnen sind viel öfter Single und mitnichten Mutter. Manager sind aber in aller Regel Väter und haben viel öfter eine feste Partnerin.

 

Frauen müssen sich den Mann gut aussuchen – wollen sie Mütter werden

Der Dreh- und Angelpunkt für die Karrieren der Frauen sind ihre Männer, meint Odgers-Berndtson-Beraterin Gabriele Stahl. Es gibt immer mehr hervorragend qualifizierte Frauen, die Karriere auch mit Kindern wollen. Aber die „müssen eben den passenden Partner dafür haben“, beobachtet die Headhunterin. „Frauen müssen sich ihre Männer eben gut aussuchen“. Zumindest die, die auch Kinder wollen.

Gabriele Stahl, Partnerin bei der Personalberatung Odgers Berndtson

Gabriele Stahl, Partnerin bei der Personalberatung Odgers Berndtson

 

Nicht ohne meine Familie

Immerhin wollen nur noch 37 Prozent der Befragten eine räumliche Trennung von ihrer Familie akzeptieren. Das waren im Vorjahr immerhin noch 44 Prozent.

 

Umziehen für den Job? Nein danke

Ein weiteres Ergebnis des Manager-Barometer, das Arbeitgeber wie Headhunter nicht gerne hören, ist: Nur noch 49 Prozent der Manager sind bereit, für den nächsten Karriereschritt in eine andere Stadt – innerhalb Deutschlands – zu ziehen. Das waren im Vorjahr immerhin noch 55 Prozent.

 

Flexibel bei den Inhalten

An der Flexibilität der Manager kann es nicht liegen, denn 83 Prozent von ihnen sind durchaus bereit, die Branche zu wechseln. 72 Prozent würden auch „in eine andere Richtung gehen“ und 57 Prozent eine neue Sprache lernen.

Ins Ausland würden 38 Prozent der Manager gehen. In einer Exportnation wie Deutschland würden sich das vielleicht mehr Unternehmen wünschen. Doch Auslandseinsätze sind nicht mehr dasselbe Karrieresprungbrett wie früher, sondern im Gegenteil: sie können für die Karriere höchst nachteilig sein.

 

Väter als Vorbild

Interessant ist, dass die Eltern als Vorbild für Managerkarrieren eine große Rolle spielen: Besonders karriere-ambitionierte Manager haben in 55 Prozent der Fälle einen Geschäftsführer oder Vorstand zum Vater.

 

Home Offices für Manager sind Wertekiller in der Firma

Abgefragt hat Odgers Berndtson auch die Einstellung zu Home Offices. Rund 80 Prozent der Manager meinen, dass sie nur mit persönlicher Präsenz am Arbeitsplatz ihre Führungsaufgabe erfüllen können. Home Offices für Führungskräfte sind Wertekiller im Unternehmen. „Wie will man auch sonst Werte vermitteln und sie vor allem vorleben, wenn keiner mehr im Büro ist?“ fragt Personalberaterin Stahl. Eine Vorbildfunktion lässt sich nicht als Abwesender erfüllen. Denn „wie kann ein Unternehmen oder eine Führungskraft einen Spirit, eine Dynamik, eine kraftvolle Organisation schaffen“, wenn man gar nicht da ist?, kritisiert Stahl.

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Alle Kommentare [1]

  1. Haben Sie velen Dank für diesen hoch interessanten Artikel!
    Nur einen Punkt halte ich als Coach für baren Unsinn: Nämlich den Rat, sich den potenziellen Vater der Kinder eben gut auszusuchen. Warum? Nicht nur, weil Leute (auch Väter) sich im Laufe eines langen Kinderlebens ganz schön ändern können. Sondern weil sich erwachsene Menschen generell eher auf ihre eigenen Kernziele als auf ihre Erwartungen an andere konzentrieren sollten. Arbeit und Familie sind für Sie als Frau wirklich zentrale Werte? In puncto Macht, Geld und Anerkennung können Sie notfalls auch mal längr zurückstecken? Dann kann ich Ihnen nur raten: Werden Sie Mutter. Man schafft das dann schon. Und bekommt dafür an guten Tagen die Fülle des Lebens „wie nix“ zurück.