Vorstellungsgespräche in Zeiten von Frauenquote und Antidiskriminierungsregeln

„Hätten Sie nicht dazugeschrieben ´Betreuung gesichert´, hätte ich Sie gar nicht eingeladen zum Vorstellungsgespräch“, sagte der Chef eines kleinen Verbands zu der Mittdreißigerin. Und seine Einladung kam flugs, drei Tage nach Abschicken der Bewerbung – noch für denselben Tag. So viel zum Thema Familien- oder Frauenfreundliche Unternehmen. Was in der Presse von Unternehmen hochheilig versichert wird, ist allzu oft nur geschicktes Marketing, um sich als attraktiver Arbeitgeber darzustellen, hat aber mit der Realität nichts zu tun. Man darf es eben nur nicht offen sagen, wg politisch unkorrekt.

 

Weniger Lohn bei berufstätigem Ehemann?

Dass die Akademikerin mit zehn Jahres Berufserfahrung und in ungekündigter Position eine marktgerechte Gehaltsvorstellung hatte – und ein Profil, das idealtypisch für die offene Stelle war- , fand der Manager ganz blöd. Und was sagte er als überraschende Begründung? Die Bewerberin habe doch einen Arzt als Ehemann. Und er ließ durchblicken, dass sie ruhig weniger verlangen können. Motto: Wenn der Ehemann arbeitet und vielleicht sogar dem Uraltklischee nach zu den privilegierten Medizinern gehört, der halbwegs verdient, könne doch seine Company davon profitieren und er der Dame weniger Lohn zahlen. Logo?

Schon vor vier Jahren musste Lydia Schrempp allen Ernstes diese Art von Vorwürfen öffentlich ertragen, als sie eine Abfindung von Daimler erhielt nach mehr als 15 Jahren Betriebsangehörigkeit bei dem Stuttgarter Autobauer.  http://blog.wiwo.de/management/2008/02/26/keine-abfindung-von-daimler-nur-weil-hexle-verheiratet-ist/

Doch es gab und gibt – gerade nach Änderung des Scheidungsrechts – genug Gründe, bei solche Ansinnen gleich auf Durchzug zu stellen. Abgesehen davon, dass sie aus Business-Behave-Aspekten respektlos und unangemessen sind und sich schon deshalb verbieten.

 

Was auch in 2013 nur Frauen gefragt werden im Einstellungsgespräch

Drehen Sie den Spiess doch mal um: Hat je ein Mann auf seine Abfindung verzichten sollen, weil seine Frau – sagen wir mal – geerbt hat? Oder erfolgreiche Geschäftsrfrau ist? Oder hat je ein Mann gesagt bekommen, er bekäme aus dem Grunde kein marktgerechtes Gehalt, sondern weniger? Ob der Gatte der Kanzlerin, Herr Sauer, je Gehaltsabstriche abverlangt wurden, weil seine Frau schließlich Kanzlerin ist?

Zumindest kenne ich keinen Mann mit berufstätiger Ehefrau, dem diese Ansinnen von seinen Vorgesetzten schon mal angetragen worden ist.

Doch zurück zu dem Vorstellungsgespräch der Mittdreißigerin: Der Manager gab schon konkrete Pflegehinweise im Vorfeld bekannt. Also wenn er Freitagsmorgens sagen würde, am selben Abend sei eine Veranstaltung, zu der man eigentlich hin müsste, dann sei Folgendes gemeint: Sie gehen heute abend dahin und Widerrede oder Diskussionen gibt es dann nicht.

Die Dame hingegen schaute sich das Spiel gelassen an, legte schon mal im Kopf bei jeder seiner Ungeschicklichkeiten ein paar Hundert Euro auf ihre Forderung drauf und überlegte sich anschließend: Manchmal ist es nicht so übel, bei dem zu bleiben, was man hat – wenn´s da seit mehreren Jahren schon immerhin so familienfreundlich zugeht, dass sie ein Homeoffice hat und freie Wahl der Arbeitszeit.

Beim nächsten Vorstellungsgespräch wäre es womöglich klüger, zu sagen, der Göttergatte sei arbeitssuchend. Oder nach einem Unfall berufsunfähig – einer der anderen Fälle, für den frau stets vorsorgen und sich nicht ins berufliche Abseits schieben lassen sollte. Auch nicht bei betrieblichen Entlassungsrunden, bei denen gerade Frauen mit dem Hinweis gerne in die Enge gedrängt und zum Unterschreiben einer Abfindungsvereinbarung genötigt werden.

Denn klar ist ja auch: Die Abfrage des Berufs des Ehepartners ist ja auch nur eine Momentaufnahme. Ob der morgen durchbrennt, stirbt, Insolvenz anmeldet oder schwerbehindert ist, das heute noch weiß niemand.

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Liebe Frau Tödtmann,

    es ist gut, wenn solche abschreckenden Beispiele öffentlich gemacht werden. Leider ist das von Ihnen beschriebene Unding immer noch Realität. Aber es gibt auch positive Beispiele und wir arbeiten daran, dass es in 2013 noch mehr davon gibt.
    Alles Gute für das Neue wünscht
    Karin Bäck