Marketing via Kunden-Folter

„Praktizierte Kundenverachtung“ pflegt es immer Jörg Forthmann, Chef der PR-Agentur Faktenkontor zu nennen, wenn irgendwelche Mitarbeiter eines Unternehmens so gar nicht im Sinne ihrer Firma handeln und die Kunden schlecht behandeln, hängen lassen oder was auch immer. Doch was sich jetzt eine Bahn-Mitarbeiterin in Brandenburg geleistet hat, dafür können Sie mir gerne neue Schlagworte schreiben. Ich kann es kaum mehr in Worte fassen, wie entsetzt ich bin. Kunden-Folter vielleicht? Oder Kunden-Quälerei? Aber jetzt erzähl ichs erst mal: Da hat eine Schaffnerin der Deutschen Bahn bei minus 19 Grad Celsius (!) eine 16 Jahre alte Schülerin aus dem Zug geworfen, weil sie angeblich ein zu billiges Ticket gelöst hatte

Eins für 5,10 Euro statt für 7,10 Euro. Dabei:
1. Hat die Bahn nicht im vergangenen Jahr ihren Mitarbeitern verboten, Kinder aus dem Zug zu werfen in solchen Fällen? Ja hat sie. http://blog.handelsblatt.com/management/2008/12/27/wenn-die-firmenkultur-mitdenken-abstraft-und-die-bahn-dienstanweisungen-per-sms-verschickt/
Ging durch die Presse und sollten alle Schaffner mitbekommen haben.
2. Ob die Frau schon mal das Wort Fürsorgepflicht gehört hat? Verstanden hat sie es jedenfalls nicht.
3. Christlichkeit, Mitmenschlichkeit bei 19 Grad Minus, wie wäre es damit?
4. Löst ein Kind eine Karte für den Preis, zeigt es doch, dass es nicht schwarz fahren will.
5. War kein Mitfahrender da, der die zwei Euro auszulegen bereit war?
6. Durfte das Kind am Ende nicht „nachlösen“? Weil, was nicht sein kann was nicht sein darf, auch nicht bei 19 Grad Minustemperaturen? Wo sind wir eigentlich?

Zeigt der Fall aber doch wieder allen Nocht-nicht-Bahnfahreren oder hartnäckigen Bahnverweigerern, warum sich ihre Ansicht lohnt. Signalwirkung heißt das Zauberwort.
Und zuguterletzt: ich stand vergangene Woche vor einem S-Bahn-Automaten in München und hatte größte Mühe, die mir angebotenen Tarife und Strecken und überhaupt, die Sprache auf dem Automaten zu verstehen. Umgangsdeutsch war es garantiert nicht. Ich war tief frustriert und kurz davor, meine Bahn zum Flughafen zu verpassen. Weil ich´s immer wieder lesen musste und immer weniger verstand. So ist´s perfekt: man treibt es mit der Kundenverwirrung als Monopolist in dem Moment bis zum Anschlag und bestraft dann diejenigen, die nicht mehr folgen können aufs Härteste. Notfalls mit Erfrierungen. Sie können stolz auf sich sein!

http://de.news.yahoo.com/2/20100128/r_t_afp_wl_other/twl-schaffnerin-wirft-16-jaehrige-bei-mi-4bdc673_1.html?printer=1

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Alle Kommentare [1]

  1. Die Bahn, Dein Freund und Helfer… Warum nur sind Servicemitarbeiter der Bahn so gnadenlos lernresistent? Selbst wenn man die hausinterne Dienstorder verschlafen haben sollte, so wird sich doch Ottnormal-Schaffner an die kritische Massenmedienberichterstattung zu vergleichbaren Vorfällen des Vorjahres erinnern können…. Und was kommt jetzt? Die x-te demütige Entschuldigung irgendeines Bahnsprechers, der der betroffenen Familie ein Blumenstrauss zukommen läßt und hoch und heilig Besserung gelobt? Bis zum nächsten Service-Fauxpas….