Raucher sind teuer – und Betriebsklimaschädlinge

„Raucher stelle ich nicht ein, die arbeiten pro Tag eine Stunden weniger als Nichtraucher“, konstatierte ein Unternehmer aus dem Rheinland.
Und so ganz unrecht hat er da nicht. Gerade in größeren Betrieben sieht man die Qualmer im Tross mehrmals täglich von dannen ziehen und – ganz unter sich – ihre Rauchpausen zu nehmen. Weil zu mehreren so gesellig und netter ist, weil der Klatsch und Tratsch in der Abgeschiedenheit nur so blüht und überhaupt.

 

Beispiel: 200 Raucher sorgen für mindestens 540 000 Euro Verlust im Jahr

Rechenbeispiel gefällig? 200 Mitarbeiter machen fünfmal am Tag fünf Minuten Rauchpause – und das ist nach meiner persönlichen Einschätzung knapp kalkuliert, die meisten sind länger weg – kosten das die Firma 540 000 Euro im Jahr an verlorener Arbeitszeit – gemessen an den durchschnittlichen Arbeitskosten vom Statistischen Bundesamt.

 

Zigarettenpausenrechner belegen, wie viel Zeit und Geld der Firma verloren gehen

Wer es für seine Firma genau wissen will, kann es auf einer Zigarettenpausenrechner-Homepage errechnen: www.zigarettenpausenrechner.de Die Webseite stammt von AHB Electronic, – wie sollte es anders sein – einem Anbieter von Zeiterfassungssystemen.
Bislang schauen die meisten Arbeitgeber – aus vermeintlicher Großzügigkeit – über das Thema hinweg. Ausstempeln zum Rauchen-gehen brauchen nur die wenigsten. Jedenfalls in Büros. Des lieben Friedens willen. Und weil den Unternehmenslenkern die Dimensionen, die Verluste, meist nicht wirklich klar sind. Die Dimension der ungehobenen Einsparpotentiale. Oder an die sie sich vermutlich nicht herantrauen. Merkwürdigerweise.

 

Schweigende Kollegen, die nicht als Spießer dastehen wollen

Sonnenklar sind diese Verluste dafür aber den Nichtrauchern in der Belegschaft. Die schweigenden Kollegen, die die Faust in der Tasche machen, um ja nicht als Spießer dazustehen. Die für die vergnügt Paffenden leise fluchend weiter- und mitarbeiten – allein zurückgelassen in ihren Büros und mit dem vagen Gefühl, dass sie etliches verpassen. So ganz abgeschnitten vom neuesten Klatsch und Tratsch. Und mit noch einem Gefühl: Ungerecht behandelt zu werden. Denn ein Extra-Lob für durcharbeitende Nichtraucher oder gar ein Prämie – beides gibt es gar nicht erst.
Ob sich die verantwortlichen Manager schon mal überlegt haben, dass diese Situation – die sich zudem Tag für Tag wiederholt – auch nicht gerade prima fürs Betriebsklima ist? Sondern sogar richtige Schneisen schlägt?

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Alle Kommentare [8]

  1. Was soll dieses Hochrechnen von Minizeiten zu angeblichen „Kosten“ des Unternehmens. (Der Jahreswert von 2.700,- Euro für den einzelnen Arbeitnehmer klang wohl nicht spektakulär genug).

    Ich rauche nicht, aber um mir einen Kaffee zu holen brauche ich auch 5 Minuten.

    Ein rauchender Kaffeetrinker wäre demnach der Super-GAU für den Betrieb…

  2. So dämlich, einem Raucher einfach zu unterstellen, seine verpaffte Zeit nicht anderswo nachzuholen. Alle Raucher, die ich in unserem Betrieb kenne, haben ihre Ziele wie jeder Mitarbeiter. Und die müssen erreicht werden, ob mit Null oder 100 Zigarettenpausen am Tag soll keinen interessieren.

  3. Rauchen fördert im Gegenteil geradezu die Produktivität. Im allgemeinen wird doch während der Rauchpause nicht sinnloser Smalltalk gehalten, sondern man setzt fachliche Gespräche nahtlos bei einer Zigarette fort. Und diese verlaufen in der „Raucherecke“ – weil losgelöst vom oft störenden Geräuschpegel des Arbeitsplatzes – weitaus erfolgreicher. Merke: auch in den Vorstandsetagen werden die wirklich wichtigen Entscheidungen nicht innerhalb der Vorstandssitzungen getroffen, sondern beim Golfen o. ä.

  4. Nichtraucher machen eine Apfelpause oder so ein Zeug, Tratschen tuen die genau so… also was soll der Terz. Ich bin für Aus- und wieder Eintragen, damit, wenn ich will auch 5 mal am Tag rauchen gehen kann. Mit einer Zeitabrechnung habe ich mir nichts vorzuwerfen.

  5. Die größeren Unternehmen haben das Problem meistens scbon gelöst: Zeiterfassung. Da können die Raucher klönen, so lange sie wollen. Da in vielen Firmen die Raucher vor die Tür geschickt werden, ist das umso notwendiger. Ich kenne Gebäude, da laufen die Raucher schon fünf Minuten bis nach draußen. Bei den kleinen Firmen ist das meist mangels Stechuhr halt schwieriger.

    Interessant finde ich das öffentliche Statement des Unternehmers. Als solcher sollte er eigentlich wissen, dass das Abweisen eines Bewerbers aufgrund seiner Rauchgewohnheiten eine unzulässige Benachteiligung darstellt. Im Vorstellungsgespräch ist bereitsdie Frage unzulässig.

  6. Wieso Bewerber ablehnen? Egal ob man Bewerber fragt oder nicht – Zigarette anbieten dürfte ja meist reichen ;)), gelbe Fingerkuppen und Rauch in den Klamotten sind auch Indizien – , spätestens in der 6monatigen Probezeit merkt man´s doch ohnehin, ob jemand Raucher ist.
    Und in der Zeit darf ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. Beiderseits natürlich.

  7. Absoluter Super Gau: Der rauchende, kaffeetrinker der auch noch zum Klo geht 🙂

    Spaß beiseite, diese ganzen Rechenbeispiel funktionieren doch nun wirklich nicht – ausser vielleicht für ausbeuterische Sklaven-Fließband arbeit.

    Bei „Kopfarbeiten“ hört doch das denken nicht auf nur weil ich einen Kaffee/Tee trinke oder eine Zigarette rauche. Was für ein Menschenbild haben nur Manager die wirklich so denken.

    Habe mal gehört, dass in Amerika die Nichtraucher eine Zulage bekommen. Begründet wurde das aber damit, dass Nichtraucher gesünder sein.

    Mit rauchenden Kollegen und Mitarbeitern habe ich auch so meine Erfahrungen (siehe https://management-erfahrung.blogspot.com )