Ein Teller Fettuccine mit Ulrich Goldschmidt, den es wurmt, wenn Chefs am lebenden Objekt Führen üben

Unternehmen lassen die Führungskräfte nicht führen, sagt Ulrich Goldschmidt, CEO beim Berufsverband Die Führungskräfte. Wie bitte? Und er legt gleich noch nach: Führungskräfte werden hierzulande missbraucht – als Obersachbearbeiter.

Zeit zum Führen wird den Chefs nicht zugebilligt, Zielvorgaben und Arbeitspensum sind so bemessen, als liefe das Führen von Menschen mal so eben nebenher. So, als forderten Mitarbeiter null Aufmerksamkeit, null Zuwendung, null Coaching, null Anleitung, null Hilfestellung, null Organisation und die Teams auch kein Zusammenfügen undundund. Und dazu passt ja auch, dass Gallup Jahr für Jahr wieder feststellt, wie wenig sich die Mitarbeiter gewürdigt fühlen.

Und dann erzählt mir der Verbandschef mit 25.000 Mitgliedern von einem Vortrag, den er über Führung hielt. Danach kamen die Zuhörer auf ihn zu mit einem Kommentar wie diesem: „Es ist ja alles schön und gut mit dem Führen, aber irgendwann muss ich ja auch noch arbeiten.“

Und genau dieser Punkt sei das deutsche Problem, sagt Goldschmidt: „Es wird nicht anerkannt, dass Führen Arbeit ist.“

Das beginne schon mit er Beförderung zum Vorgesetzten. Nur 25 Prozent bekämen eine Ausbildung fürs Führen mitgegeben. Die allermeisten bekommen die Führungsaufgabe und beginnen dann am lebenden Objekt zu üben. Und genau das sei unfair gegenüber beiden – Chefs wie Mitarbeiter.

Ulrich Goldschmidt vom Berufsverband Die Führungskräfte

Und dann erzählt Goldschmidt, was er zu hören bekommt, wenn er „über Land zieht“, damit das Thema Führung in den Universitäten in die Lehrpläne aufgenommen wird. Nämlich dass die Dekane sagen, „Super-Idee“ und dass sie ihre Fachbereichsleiter fragen wollten. Die reagieren aber nur harsch und nach dem Motto: Bleiben Sie mir weg mit dem Quatsch, wir haben kaum Zeit für all den Fachstoff. Und weiter: Wer sich für Führung interessiert, soll´s doch als Hobby lernen.

Und so lange die deutschen Unternehmen trotz dieses Führungs-Dilettantismus so erfolgreich sind, ist Besserung jedenfalls auch nicht in Sicht. Schade vor allem für die vielen Angestellten, die darunter leiden müssen – und inzwischen immer weniger  Respekt und menschlicher Würdigung erfahren. Für die es nicht mehr selbstverständlich ist, dass die Vorgesetzten ihnen zum Geburtstag gratulieren – trotz ansonstem gut gepflegtem Outlook-Kalender und stetigem Pochen auf Pünktlichkeit  und die Formalien – , Frohe-Weihnachten-Wünschen oder nur mal Gute Besserung zurufen.

Über das Essen im Casa Luigi konnten wir kaum reden, so angeregt war das Gespräch. Aber Goldschmidts Teller war leer – also muss es ihm wohl geschmeckt haben.

 

Fetuccini mit Pfifferlingen im „Casa Luigi“ in Düsseldorf

 

 

 

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  1. Moin,Moin aus Bremerhaven. Wenn ein Unternehmen kein „Führungssystem“ bzw. keinen „Führungs-Kodex“ partizipativ entwickeln oder „bauen“ lassen will, dann sollen sie halt Ihre Manager führen lassen wie sie wollen. Da stimme ich meinem „Lieblings-Guru“ in Sachen (neudeutsch) Leadership (Reinhard K. Sprenger „Aufstand des Individuums“) zu. Zitat:“Führung kann man nicht lernen“. Meine Antwort? „Aber „Wollen“ als partizipative und verabschiedete Willenserklärung des Top-Managements.Eben weil Unternehmen und mittelständische Betriebe keine „Glaubensgemeinschaften“ sondern zweck- und zielorientierte Organisationen sind, sollten die sich gegenüber ihren Managern und ihren Mitarbeitern erklären, wie der Umgang miteinander im Betriebsalltag gewünscht wird.Das könnte man dann auch trainieren bzw. coachen. 😉