Mobbing 4.0: Tückische 360-Grad-Befragungen und nächtliche E-Mails als Falle

 

Die neue Unternehmenswelt Punkt Irgendwas bringt ganz perfide Risiken für Mitarbeiter und auch für Führungskräfte mit sich – und das ist noch harmlos ausgedrückt.

 

Nächtliche Mails als Karrierekiller

Stellen Sie sich vor, Sie beteiligen sich an New Work und ähnlichen Experimenten oder ich-spare-der-Firma-Miete-und-arbeite-sonstwo-und-sonstwie, jedenfalls hipp und hopp, modern und arbeitgeberfreundlich. Eben wie ein Unternehmer im Unternehmen, so wie es sich der moderne Arbeitgeber so wünscht: Sie schicken – wenn die Family abgefüttert, die Kiddies im Bett, die Küche in Ordnung gebracht und die Waschmaschine angestellt ist – ganz flexibel eine Info per Mail an die Kollegen nachts um kurz vor zwei.

Ohne sich etwas dabei zu denken. Weil die Mail sein muss, für den work-flow in der Firma. Oder höchstens, dass die nächtlichen rund-um-die-Uhr-für-die-Company-Mails den Vorgesetzten ja nur imponieren können von wegen unbedingtem Einsatz für die Firma?

Ganz falsch. Zu Ihrer Überraschung wartet ihr Führungsoffizier beim Jahresgespräch mit dieser Argumentation auf: Lieber Herr Höppelpöppel, sie sind überfordert. Eindeutig. Wenn Sie schon spätnachts Mails verschicken müssen.

Und deshalb müssen Sie – das werden Sie doch verstehen – die Projektleitung Zukunft 2.0 abgeben. Denn: Wenn Sie nachts um zwei eine dienstliche E-Mail verschicken müssen, ist es doch eindeutig, dass Sie der Sache nicht gewachsen sind. Und Ihre Gesundheit müssen wir ja auch schützen. Blablabla.

Das heißt im Klartext: Reingefallen. Nutzen Sie die angeblichen Freiheiten in Zeit und Raum (die ja ohnehin nicht Ihnen, sondern dem Miet-Budget der Firma dienen) und schicken eine Dienst-E-Mail ab, wann es Ihnen passt, schlägt das Imperium zurück – gnadenlos. Sie können von Glück reden, wenn sie an Bord bleiben dürfen und nur degradiert werden.

 

Risiko Mitarbeiterumfrage

Noch heikler kann es aber für den Mittelmanager werden: Hat die Company den Mann – meist ist es ja ein Mann – ohnehin schon auf dem Kieker, kommt ihr die Mitarbeiterumfrage grade recht.

Zum Beispiel 360-Grad-Umfragen. Da sagen Mitarbeiter und Vorgesetzte in einer Online-Umfrage, wie sie eine Führungskraft finden. Anonym, versteht sich. Verängstigt und zurückhaltend aber dennoch. Weil die Angestellten ihrem Arbeitgeber sowieso nicht vertrauen. Dass ihr Unternehmen nicht doch aufspüren will, wer was gesagt hat. Möglich.

Doch das dicke Ende droht vor allem den Führungskräften: Wenn der Personalchef ihnen eröffnet, dass er so schlechte Bewertungen erhalten hat, dass er als Führungskraft für die Firma nicht länger tragbar ist. Eindeutig belegt.

Wenn er Glück hat, bekommt er noch die Zeit, sich selbst eine neue Stelle zu suchen. Muss aber nicht. Vielleicht kann er auch gleich mit dem Firmenanwalt nur noch um die Höhe seiner Abfindung verhandeln.

Das Dumme daran ist, Sie sind komplett wehrlos. Denn die 360-Grad-Umfrage abbiegen oder verhindern können Sie ja auch nicht. Ganz abgesehen davon: Stimmt das Ergebnis, das Ihnen mitgeteilt wird, überhaupt?

 

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  1. Naja, also das ist schon ein bisschen schwarz gemalt. Wer den „Führungsoffizier“ nicht davon überzeugen kann, dass er nächtens produktiver ist, sollte sich natürlich nicht für die modern workspace oder was auch immer entscheiden. Oder sich selber einen anderen Fürhugnsoffizier suchen.