Ein Teller Putenbrustsalat mit Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel, die mit dem Grundirrtum über Wertschätzung aufräumt

Am Anfang war das Missverständnis. „Ich lobe meine Leute, was soll ich denn noch tun?“ hört Gabriele Schlegel bei ihren Business-Behaviour-Schulungen immer wieder von ratlosen Führungskräften, erzählt sie. Immer wieder komme dieselbe Frage. Landauf landab egal ob aus großen oder kleinen Unternehmen. Die Vorgesetzten verstehen gar nicht, was die Mitarbeiter denn noch wollen: Achten sie doch schon darauf, dass sie ihre Leute regelmäßig loben. Manche von ihnen hatten sich vorgenommen, jeden einzelnen Mitarbeiter einmal im Monat zu loben. Und trotzdem zeigen Mitarbeiterumfragen, 360-Grad-Befragungen und so weiter immer wieder, dass die Mitarbeiter sich nicht gewertschätzt fühlen.

 

Gabriele Schlegel (Foto: C.Tödtmann)

Denn: Mitarbeiter wollen Wertschätzung – und Vorgesetzte verwechseln sie mit Lob, erzählt die Bonner Behave-Expertin, die renommierte Firmenkunden wie die Bundesbank oder Bertelsmann zu ihren Kunden zählt.

Und was das Ganze noch schlimmer macht: Automatisiertes Lob ist das Gegenteil von Wertschätzung, sagt sie. Denn Wertschätzung ist kein Werkzeug aus dem Führungsinstrumente-Kasten, sondern es basiert auf Wahrnehmung

So erzählt Schlegel von einer Marketingexpertin eines großen Versandhändlers aus Hamburg, die bereits auf dem Karrierepfad war. Die Frau informierte ihren Chef, dass sie schwanger war. Ihre Erwartung war, dass sie beglückwünscht würde, dass er so etwas sagte wie „wie soll ich bloß ohne sie auskommen?“ Aber nein, der einzige Kommentar war: „O.K., dann können Sie schon mal hausintern ihre Stelle ausschreiben lassen.“ Das saß. Das sind die enttäuschenden Schlüsselsätze, die in der Kantine die Runde machen und selbst von deren Lebenspartnern empört auf Partys erzählt werden.

Ob der Mann gerade überlastet gewesen war und nur unüberlegt spontan geantwortet habe, ist egal – er hatte es vermasselt. Schlegels Fazit: Wertschätzung kostet Zeit, und die müsse man sich nehmen als Vorgesetzter.

Schlegels Tipp für Chefs in solchen Situationen: Innerlich 21,22,23 zählen, Augenkontakt suchen und dann mit ruhiger professioneller Stimme antworten. Und sich vor allem erst mal auf die goldene Regel besinnen: Behandele andere so, wie Du selbst behandelt werden willst.

Eigentlich gehe Wertschätzung ganz einfach, meint Schlegel. Es gehe vor allem um Aufmerksamkeit gegenüber den Mitarbeitern – und darum, sich Zeit zu nehmen für persönliche Gespräche. Mitarbeiter merken, ob man echtes Interesse an ihren Bedürfnissen hat oder nur so tut als ob.

Wer seinen Mitarbeitern nach kaum einem Satz vor dem ganzen Team über den Mund fährt mit den Worten „Quatsch,…“, braucht sich nicht wundern, wenn sie künftig verstummen, erzählt sie. Mangelnde Wertschätzung als Kreativitätskiller.

Oder: Wer Mitarbeitern nicht mal zum Geburtstag gratuliert, nie für ein Präsent sorgt und nicht mal Firmenjubiläen würdigt, zeigt: Wertschätzung Fehlanzeige. Solche Beispiele kennt Schlegel aus ihren Seminaren mittlerweile ohne Ende. Das war mal anders, sagt sie. Tatsächlich ist es gar nicht so lange her, vielleicht 20 Jahre, da bemühten sich mehr Menschen um Etikette und Menschlichkeit im Jobumfeld.

Wenn nicht gerade einfach nur ein Missverständnis vorliegt wie im Fall der Mitarbeiterin eines Konzerns, die bei einem von Gabriele Schlegels Schulungen teilnahm. Sie klagte, dass ihr Chef sie immer über den grünen Klee lobte, wenn sie eine Excel-Tabelle ablieferte. Ausgerechnet für eine ihrer einfachsten Aufgaben. Sie war ganz unsicher, ob er sie veräppeln wollte, erzählt die Behave-Expertin. Am Ende kam heraus: Der Mann war tatsächlich ehrfürchtig. Denn Excel war für ihn selbst ein Buch mit sieben Siegeln.

 

(Foto: C.Tödtmann)

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