Ein Tasse Latte Macchiato mit Hausfeld-Anwalt Alex Petrasincu, der lieber am Ende abrechnet statt auf den Geschenkgutschein-Effekt zu setzen

Eine Tasse Latte Macchiato mit Alex Petrasincu von der US-Klägerkanzlei Hausfeld im Düsseldorfer Medienhafen

 

Das Nachwuchs-Thema beschäftigt die Top-Kanzleien seit vielen Jahren und hat zu den erstaunlichsten Entwicklungen geführt. Eine davon ist bei Alex Petrasincu zu entdecken, wenn man sich mit ihm unterhält. Er gendert und ist damit – mag ein Zufall sein – der erste Anwalt, bei dem ich das wahrnehme, als wir einen Kaffee im Düsseldorfer Medienhafen trinken. Wieso er das tut? Weil es den jungen Leuten in seiner Kanzlei wichtig sei, erzählt er. Und dass er sich über den Nachwuchs so einige Gedanken mache.

 

Alex Petrasincu (Foto: C.Tödtmann)

 

Ob er denn auch in seinen Schriftsätzen gendere? Nein, da ist für Petrasincu die Grenze erreicht. Wenn in Schriftsätzen gegendert würde, könnte es schließlich dem Klienten schaden: Wenn der Richter vielleicht gegen Gendern ist und er dem Mandanten damit ja kein Eigentor schießen wolle.

 

Aber die jungen Kollegen sind ihm wichtig und so denkt er auch über eine andere Entwicklung nach: Die hohen sechsstelligen Bruttogehälter für die – in Summe dann doch relativ wenigen – Top-Jura-Absolventen, mit denen insbesondere die angelsächsischen Kanzleien locken. Sein Kalkül: Er als Managing Partner stelle dann  lieber er ein paar mehr junge Juristen ein, die nicht 160 000 Euro, sondern120 000 Euro im Jahr bekommen – aber alle zusammen haben dann etwas weniger Arbeit. Und mehr vom Leben und arbeitsfreie Zeit.

 

 

Weiter geht´s beim Thema Home-office: Wenn´s beim Airhockey-Turnier eine kostenlose Pizza aufs Haus gibt, lockt die selbst hochbezahlte Anwälte zurück ins Büro, feixt Petrasincu. Montags und Freitags seien ihre Büros aber immer gähnend leer und einen  Rückkehrzwang gibt´s nicht bei ihm. Er setzt lieber auf Bio-Snacks – das Detail ist ihm wichtig – in allen Büroecken in dem schicken Gebäude an der Hafenspitze. Insgesamt komme Hausfeld in Deutschland auf rund 20 Events im Jahr so wie der Betriebsausflug samt Floßfahrt nach Berlin zum Unternehmens-Marathon.

 

Ob es bei Hausfeld in New York anders aussieht? In den USA sind die  Büros noch immer gähnend leer, die ganze Woche über, sagt Petrasincu. Denn die Pendler sparen Zeit und bleiben in ihren Vororten – obwohl sie alle Einzelzimmer haben. Anders als die Londoner Kollegen: Die müssen in Doppelzimmern zusammen rücken, immer ein Jüngerer bei einem alten Hasen – zwecks Lerneffekt.

 

 

Ob denn alle Mitarbeiter vom Sekretariat bis zum angestellten Anwalt so ihre Urlaubstage nehmen können, bei den gefürchteten Arbeitsvolumina? Und wo es doch gerade mehrere Grundsatzurteile dazu gab. Wenn nicht, sei es ja kein Problem, bei Hausfeld verfallen keine nicht genommenen Urlaubstage, erzählt er. Er will gar nicht erst in die Situation kommen, sich um arbeitsrechtliche Vorschriften streiten zu müssen: Nicht genommene Urlaubstage bleiben einfach alle stehen und am Ende gibt´s eine faire Abrechnung.

 

Denn, so seine Logik: Nicht-genommene Urlaubstage seien ja eher wie ein Geschenkgutschein für die Kanzlei. Auch wenn es immer wieder ganz anders gesottene Arbeitgeber gibt: Die nämlich hofften, dass der Gutschein einfach nie eingelöst wird – so wie bei Gutscheinunternehmern wie Jochen Schweizer & Co., über deren Business immer wieder kolportiert wird, dass mehr als die Hälfte der Gutscheine nie eingelöst würden.

 

 

 

 

 

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