Jeder dritte Arbeitgeber übt Druck auf seine Mitarbeiter aus, damit sie trotz Homeoffice-Pflicht in der Firma antanzen

Von den Berufstätigen wünschen sich 62 Prozent eine Homeoffice-Pflicht, so lange die Pandemie anhält. Das hat der Digitalverband Bitkom bei einer repräsentativen Umfrage unter rund 1000 Leuten zwischen dem 10. und 21. Mai 2021 herausgefunden.

Nach der Pandemie möchten 51 Prozent der Berufstätigen gern ganz oder teilweise im Homeoffice arbeiten. Das gilt besonders für diejenigen, die sonst pendeln und täglich zwei bis drei Stunden Zeit damit verlieren. Und diejenigen, die in einem Eigenheim wohnen und nicht nur genug Platz für ein Arbeitszimmer haben, sondern sich auch mal in den Garten setzen und ins Grüne gucken können. Sprich, denen nicht in einer Stadtwohnung ohne Blick in die Ferne oder auf Grün die Decke auf den Kopf fällt.

„Die Corona-Krise hat gezeigt, dass flexibles Arbeiten die Qualität der Arbeitsergebnisse nicht schmälert“, so das Fazit von Bitkom-Präsident Achim Berg.

 

Homeoffice (Foto: C.Tödtmann)

 

45 Prozent schenken ihrer Firma die Nutzung ihrer Arbeitsmittel und Räume

Und weiter: 55 Prozent der Mitarbeiter bekommen von ihrem Unternehmen die nötige Technik zur Verfügung gestellt, zeigt die Umfrage. Das bedeutet umgekehrt, das 45 Prozent ihre Unternehmen sponsern und eigenes Equipment in den Dienst der Firma stellen, ihm die Nutzung im Klartext schenkt. Ebenso wie keiner den Arbeits-Raum, und sei der auch nur im Keller oder auf dem Bett oder der Küche, seiner Company in Rechnung stellt. Kein Wunder dass – hinter vorgehaltener Hand unter ihresgleichen – etliche Manager innerlich jubeln und schon überlegen, wie sie das Modell verlängern können. Dazu später mehr in einem weiteren Beitrag.

 

Jeder dritte Arbeitgeber setzt seine Mitarbeiter unter Druck

Die Bitkom-Studie weiter: Jedes dritte Unternehmen (33 Prozent) übt jedoch auch Druck auf Angestellte aus, damit sie nicht ins Homeoffice gehen. 27 Prozent der Befragten wird Arbeiten im Homeoffice verwehrt, obwohl sie ihren Job aus eigener Sicht auch von zu Hause aus erfüllen könnten. Das ´Wie´ wäre interessant gewesen, aber dazu sagt die Bitkom-Studie leider nichts.

Meine persönliche, nicht repräsentative, Umfeldbefragung im Zeitschriftenladen, bei der Blumenhändlerin oder in der Bäckerei zeigt aber auch. Diese Menschen waren heilfroh, nicht Tag für Tag in Ihrem Zuhause arbeiten zu müssen, sondern raus zu kommen unter Leute – die mögen nämlich den Kontakt zu ihren Kunden, plaudern mal gerne ein wenig und haben durchaus im Rahmen des Möglichen gute Laune.

 

Wenn einem die Decke auf den Kopf fällt, Kollegen und Infos fehlen

So mancher Homeoffice-Arbeiter dagegen schimpft wie ein Rohrspatz: Eben dass er kurz vor dem Anschlag sei, er seines Homeoffices absolut überdrüssig sei und dass die Tage verschwimmen. Man wisse gar nicht mehr, welcher Tag gerade sei. Dass die vielen Zoom-Konferenzen nervtötend seien und extrem anstrengend, dass die Kommunikation eben doch nicht klappt und dass – ganz wichtig – die informellen Kaffeeküchengespräche mit Kollegen auch aus anderen Abteilungen absolut fehle. Weil man da wertvolle Kontakte knüpfen konnte – die wiederum dem Job helfen.

Wohl dem, der seinen Bürohund neben sich weiss.

(Foto: C.Tödtmann)

 

 

 

 

 

 

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