Führungskräfte: Die meisten sind unausgebildet, belegt eine Umfrage. Sie sind Obersachbearbeiter, die Führen am lebenden Menschen üben

Chef-sein: Nie gelernt, aber danach bezahlt, einfach auf Leute losgelassen

Mehr als jede dritte Führungskraft hat das, was ihre vornehmste Aufgabe ist und wonach sie sogar benannt ist, nie gelernt: Führen (35 Prozent). Kein Training, kein Coaching und von guter Kinderstube als Basisvoraussetzung leider oft ganz zu schweigen. Im Klartext: Die Zeichen stehen auf Sturm.Die Gallup-Umfrage mit ihren regelmäßig verheerenden Noten für Führungskräfte lässt grüßen.

 

Nur 15 Prozent durften ihre neue Rolle trainieren

Die entsprechende Umfrage unter 5000 Fach und Führungskräften von der Online-Jobplattform StepStone offenbart Erstaunliches: Gerade einmal 15 Prozent der befragten Chefs wurden im Vorfeld von ihrem Unternehmen auf ihre neue Rolle vorbereitet.

Und weiter: Mehr als jeder Dritte bekam eine Führungskräfte-Fortbildung erst kurz nach der Beförderung oder sogar erst nach einem Jahr. Fast jeder Zehnte machte eine Weiterbildung zum Chef auf eigene Kosten.

 

Obersachbearbeiter statt Führungskraft

Dabei finden 80 Prozent der befragten Vorgesetzten laut StepStone-Umfrage so ein Training durchaus notwendig. Warum es trotzdem unterbleibt? Ulrich Goldschmidt vom DFK – Verband für Fach- und Führungskräfte versucht eine Erklärung: Fachkompetenz stehe hierzulande an erster Stelle. „Oft genug wird ein Vorgesetzter dadurch aber nur zu einem besser bezahlten Obersachbearbeiter“, bringt es Goldschmidt auf den Punkt.

 

Der Denkfehler: Wer sein Fach beherrscht, hat auch Führungskompetenz

Und weiter: „Aus der Fachkompetenz schließen Personaler wie Top-Manager dann automatisch auf Führungskompetenz.“ Dumm nur, dass es diesen Automatismus nicht gibt. Das bedeute aber, dass in den Unternehmen Führung nicht ernst genommen werde, sondern nur als Anhängsel der fachlichen Expertise sei. Das sei jedoch ein Irrtum, denn das Handwerkszeug für Führungskräfte ließe sich durchaus vermitteln, so Goldschmidt.

Ulrich Goldschmidt (Foto: C.Tödtmann)

Doch statt dass sich so mancher Ehrgeizige eingesteht, dass er weder Talent noch Lust zum Führen von Menschen hat, übernimmt er den Job und sorgt für frustrierte Mitarbeiter und Kündigungen. Oder eben innerlich Gekündigte, siehe die jährliche Gallup-Umfrage.

Zumal die Unternehmen davon nicht profitieren: „Wie Führungskräfte ein Team oder einen Bereich leiten, hat massiven Einfluss auf die Zufriedenheit und damit auf die Leistung der Mitarbeiter“, sagt Anastasia Hermann von StepStone.

Ihre Erwartung: „Unternehmen sind nur dann erfolgreich, wenn sie ihre Mitarbeiter halten und entwickeln.“ Das ist eben die Aufgabe der  Führungskräfte – und dafür müssen sie geschult werden. Denn Naturtalente als Vorgesetzte sind die Ausnahme.

 

 

Wenn am Ende auch die Beförderten am liebsten zurück wollen

Das dicke Ende: Fast jeder dritte (27 Prozent) würde den Schritt zur Führungskraft am liebsten rückgängig machen.16 Prozent aller Vorgesetzten geben zu, dass sie ihre neue Rolle als Chef nicht mögen. Jeder vierte hat nach seiner Beförderung Albträume, 15 Prozent brauchten psychologische Hilfe.

Warum sie nicht zurück ins Glied treten? Des lieben Geldes wegen und aus Sorge vor  Gesichtsverlust laut StepStone.

 

Gute Mitarbeiter verlassen schlechte Vorgesetzte 

Dumm nur, dass diese Usance – Chefs am lebenden Menschen Führung üben zu lassen – Unternehmen ebenso wie den Mitarbeitern durchaus handfeste Schäden zufügt. „Denn so verliert man hochqualifizierte Mitarbeiter ganz schnell“, weiß Goldschmidt. Wenn ein Unternehmen zeigt, dass es bei der Besetzung von Führungspositionen in erster Linie auf die Fachkompetenz und nicht auf die Führungskompetenz ankommt, zeigt es damit: Es nimmt Führung nicht ernst, so der Manager-Experte. Wer aber Führung nicht ernst nehme, nimmt auch die Mitarbeiter nicht ernst. Keine gute Basis, insbesondere wenn der Arbeitsmarkt Alternativen bietet, so der Essener.

Zur StepStone-Studie: https://www.stepstone.de/wissen/erfolgreich-fuehren/

 

 

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