Ein Teller Suppe mit Sabine Hübner, die Frage, ob Familienunternehmen ehrenwerter sind als andere und ein Buggy-Gate der Deutschen Bahn

Sind Familienunternehmen vielleicht doch nicht qualitätsbewusster, menschlicher im Umgang mit Mitarbeitern und auch sonst vorbildlicher als andere Unternehmen? Oder unterstellt man ihnen nur gängige Vorurteile? Marketingexpertin und Coach Sabine Hübner hat da wenig Zweifel und erzählt mir hier im „Ab der Fisch“ bei einem Teller Süßkartoffel-Kokos-Suppe von ihrem Erleben: Bei der Beratung eines Schweizer Familienunternehmens bekamen sich der Eigentümer und sein Geschäftsführer in die Wolle. Ob Mitarbeiter einem älteren Kunden helfen und ihnen schwere Taschen tragen dürften?

Sabine Hübner (Foto: PR)

Der Familienunternehmer war dafür, der angestellte Manager dagegen. Warum? Aus versicherungsrechtlichen Gründen. So etwas umfasse ihre Police nicht. Es ging noch hin und her und nach einigen Minuten sprach der Familienunternehmer ein Machtwort: In seinem Unternehmen werde gefälligst geholfen, basta.

 

Buggy Gate bei der Deutschen Bahn

Und nur wenige Stunden später kam auf der Webseite des „Kölner Stadt-Anzeiger“ diese Meldung: „Hilfe verweigert – Bahn bittet für Tweet an schwangere Reisende um Entschuldigung“. Was war passiert? Beim Einsteigen in einen Zug von München nach Nürnberg mit Kind und Kinderwagen hatte eine schwangere Frau – so postete sie auf Twitter – eine Zugbegleiterin um Hilfe gebeten – vergeblich. Die Bahnangestellte haben ihre Bitte „achselzuckend“ ignoriert.

Doch statt die Kollegin zu entschuldigen twitterte die Deutsche Bahn laut „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Die Kollegen sind nicht versichert, wenn sie Ihnen den Kinderwagen in den Zug tragen. Deshalb konnte sie auch nicht helfen. Denn passiert dabei etwas, muss sie es auf ihre eigene Kappe nehmen.“  Als Buggy-Gate wurde der Vorfall prompt kommentiert. Bis hin zu rechtliche Hinweisen und Lügen-Vorwürfen wie diesem von einem Rechtsanwalt am Bodensee namens Leopold Hänel:

 

7h

Glatt gelogen, liebe @ DB_Bahn . Ihre Mitarbeiter müssen die Haftung für Kinderwagen-Anheben nur dann übernehmen, wenn es ihnen von der Bahn AG ausdrücklich untersagt wurde. Das ist offenbar der Fall. Das ist nicht nett Ihren Mitarbeitern & Fahrgästen gegenüber.

Schließlich ruderte das Deutsche-Bahn-Social-Media-Team dann doch noch zurück laut „Rheinischer Post“: „Wenn DB-Mitarbeiter unseren Reisenden helfen, dann sind sie auch versichert. Unsere Antwort auf Ihren Tweet war bedauerlicherweise falsch. Dafür möchten wir uns schon einmal auf diesem Wege entschuldigen.“

Mehr noch. Ein Konzernsprecher sagte, dass die Mitarbeiter sogar geschult und angehalten seien, Reisenden – mit Rollstuhl oder Kinderwagen – beim Ein- und Aussteigen behilflich zu sein. Schade nur, dass manche Mitarbeiter ihre Pflichten nicht kennen, sich irren über ihre Haftung und bei selbstverständlichen Hilfeleistungen lieber über alle Eventualitäten und Versicherungen nachdenken, statt beherzt anzupacken.

So beherzt wie der Kunde von Sabine Hübner ein Machtwort sprach und seinem Geschäftsführer die Werteskala des Unternehmens klar machte.

 

 

 

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