Aufgeschnappt (12) – Was man mittags in der City so hört: Wenn Familienunternehmer illoyal werden zu ihren weiblichen Führungskräften und sie zum Teufel jagen, weil sie Mutter werden

Stellen Sie sich vor, sie wollen nach sieben Jahren im Unternehmen mit Ihren Kollegen Ausstand feiern. Mit Kuchen, in ihrem Büro. Und keiner kommt. Weil sich niemand traut. Der jungen Vize-Marketingchefin eines Familienunternehmens erging es genau so, erzählt mir ein Top-Anwalt von einem Nachwuchstalent. Nachdem sie schwanger wurd, ein Baby zur Welt brachte, ein Jahr zuhause blieb und dann in Teilzeit – mit einer halben Stelle – wieder zurück ins Unternehmen kam.

 

„Das wird hier nichts mehr für Sie“

Was war passiert: Als die junge Frau – nennen wir sie Anna – ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes bei ihrem Arbeitgeber, einem Traditionsunternehmen, wieder antrat, sagte ihr der Geschäftsführer unverblümt ins Gesicht: „Mit Kind und in Teilzeit? Das wird hier nichts mehr für Sie.“ Soweit so erniedrigend, zumal im 21. Jahrhundert. Und obwohl man ihr zuvor immer ihre Karriereperspektiven klar aufgezeigt hatte. Sie sollte eigentlich der nächste Marketingchef werden.

Das folgende Jahr hielt sie durch – und aus. Ihr neues Büro lag plötzlich eine ganze Ecke entfernt von ihrem Team. Die Kollegen zogen sich zurück. Kaum dass Chefs in der Nähe waren, redete niemand mehr mit ihr. Dann grüßten sie sie nicht mal.

 

Was besonders Frauen zusetzt: Der Vorwurf, sie liefern schlechte Arbeit ab

Die Aufgaben, die sie erledigen musste, lagen unter ihrem Niveau. Von der früheren Wertschätzung ihrer Vorgesetzten war nichts mehr übrig geblieben: Kein Arbeitsergebnis genügte dem Management mehr. Sie liefere kein Qualität ab, warf man ihr immer wieder vor – das ganze Jahr lang. Das ewige Runterputzen machte sie so mürbe, dass sie den Aufhebungsvertrag unterschrieb, als ihn der Geschäftsführer präsentierte. Dass die Summe eigentlich zu niedrig war, wusste sie, aber sie wollte inzwischen nur noch weg.

 

Wenn keiner sich traut, Ausstands-Kuchen zu essen

Wichtig war ihr aber noch eins: Mit erhobenem Kopf die Szenerie verlassen und einen  Ausstand für die Kollegen geben. Dumm nur, dass der Chef im Hause war. Niemand von den Kollegen kam, um mit ihr Kuchen zu essen. als sie dann selbst von Schreibtisch zu Schreibtischgind und „Tschüss“ sagte, erntete sie nur ein verlegenes „Alles Gute noch“. Das gab ihr den Rest, nach sieben Jahren: In ihrem Auto auf dem Firmenparkplatz brach sie zusammen unter Weinkrämpfen, drei Stunden lang. Erst dann war sie fähig, nach Hause zu fahren – um bestimmt nie wieder zu kommen. Zu dem Familienunternehmen.

 

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