Wenn die Haustechniker früher bescheid wissen über die Managerkarrieren, als die Betroffenen

Kommt Ihnen das bekannt vor? Dass Ihnen Ihr Pförtner erzählt, dass Ihr Vorgesetzter wackelt und bald weg vom Fenster ist? Und dass der Mann auch recht behält, wie sich vier Wochen später erweist? Der Pförtner hatte es von einem Teammitglied mit sehr guten Kontakten – und der hatte es ihm brühwarm berichtet, als er diese Kontakte hatte spielen lassen. Unglaublich, aber wahr.

Oder diese Story: Der Leiter eines Außenbüros in Bonn eines Hamburger Unternehmens kehrte aus dem Urlaub zurück, kam nichtsahnend in die Kaffeeküche und was entdeckte er am Schwarzen Brett? Die Ausschreibung für seine eigene Stelle. Kein Witz, niemand hatte ihn gewarnt oder es ihm mitgeteilt, dass er nicht nur angezählt war, sondern schon draußen.

 

 

Bittere Realität auch die Geschichte des Rechtsabteilungsleiters mit Prokura, der nach gut 20 Jahren beim Unternehmensinhaber in Ungnade gefallen war, ohne es selbst zu merken. Niemand hatte die Traute, es ihm zu eröffnen – am Ende musste ausgerechnet der Betriebsrat in die Bresche springen und ihm zwei Tage vor Weihnachten die Hiobs-Botschaft überbringen.

Dagegen sind es Peanuts, wenn Angestellte bei einer Konferenz mit alle Mann hoch bei der Präsentation einer neuen Organisationsstruktur so nebenbei erfahren, dass sie selbst auch schon versetzt sind – und es nur nicht wussten.

Und dann gab es noch die junge Frau, die – kaum dass ihre Kollegin wegen Schwangerschaft für dreieinhalb Monate weg war und die Jüngere währenddessen das Zimmer bewohnen durfte – den Haustechniker beauftragte, deren Türschild abzumontieren. Stattdessen sollte ihr eigener Namen dort angebracht werden. In einer Nacht- und Nebel-Aktion quasi. Offenbar um irgendwie schnell Fakten zu schaffen. Denn Haustechniker sind ganz besondere Dreh- und Angelpunkte, ähnliche graue Eminenzen wie Pförtner.

Marketingexpertin und Autorin Sabine Hübner hat da ebenfalls zwei Beispiele auf Lager, in denen Manager einsehen mussten, dass gerade die Haustechniker großen Wissensvorsprung haben können –  auch vor ihnen als Führungskräften:

 

Sabine Hübner (Foto: Hübner/PR)

 

Sabine Hübner berichtet in ihrem neuen Newsletter:

Kürzlich saß ich mit Führungskräften beim Abendessen und erfuhr von zwei abstrusen Stories* aus der Chefetage. Zum Lachen oder zum Gruseln? „Ich hatte gerade meinen Job als Marketingchef verloren und war nur noch für PR verantwortlich, als der Haustechniker mit einem gigantischen Karton und einer Leiter vor der Bürotür stand, um meinen neuen Bildschirm an die Wand zu schrauben“, erzählte der erste Manager. Eine peinliche Situation – von seiner Degradierung wollte der Ex-Chef nun wirklich nicht sprechen. Sollte er den Monitor einfach irgendwo anschrauben lassen? Oder den Techniker wieder wegschicken?

„Ehrlich gesagt, Boris“, druckste er schließlich herum, „ich weiß noch gar nicht, wo ich in Zukunft sitze.“ „Aber ich.“, entgegnete der Haustechniker fröhlich hinter vorgehaltener Hand. „Oben in einem Büro neben den Vorständen!“ Das saß. Da wusste der Haustechniker mehr als die Führungskraft.

„Bei uns“, legte ein zweiter Manager nach, „tauchte der Haustechniker plötzlich vor der Bürotür eines Abteilungsleiters auf. Ohne Leiter, dafür mit Schraubenzieher.“ Überrascht und etwas genervt fragte der Abteilungsleiter, was denn nun schon wieder mit der Technik los sei. „‘Tschuldigung, ich baue die IT um, weil Sie ja schon bald nicht mehr bei uns sind.“ Von seiner Entlassung hatte der Abteilungsleiter bis zu diesem Zeitpunkt auch nichts gewusst.

Geht’s noch? Wie ziellos und wie ineffizient kann interne Kommunikation sein?
Doch wir merken uns: Wenn sich der Führungskreis nicht darauf einigen kann, was wer wann wem sagen soll, fragen wir einfach den Haustechniker. Der weiß auf jeden Fall Bescheid. Na denn.

 

…übrigens: die zielstrebige junge Frau, die das Türschild der – kurzfristig abwesenden – Kollegin auf eigene Faust abmontieren ließ, bekam unerwarteten Kollegendruck. Durch unangenehme, bohrende Nachfragen, ob die Schwangere denn nicht wieder käme, sondern weg bliebe? Klar, dass Kollegen die werdende Mutter informierten und bei ihr nachfragten ob der Türschild-Aktion. Die Büro-Besetzung war dann ebenso schnell beendet, wie sie begonnen hatte: das alte Türschild wurde binnen weniger Tage wieder angebracht, die junge Mutter tauchte wie angekündigt dreieinhalb Monate später wieder auf. Und tat, als sei nichts gewesen – nachdem sie vorsichtshalber in aller Hergottsfrühe noch vor der üblichen Bürozeit angetreten war und ihr Arbeitszimmer in Beschlag nahm. Um nicht selbst vor einem besetzten Büro zu stehen.

 

 

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