Aufgeschnappt (4): Was man mittags in der City so hört. Etwa dass sich Personalchefs freuen, wenn Deutsche den Vorwurf ‚Minderleister‘ nicht ertragen

 

Mehr Prämien beim Dauersparkurs

Die wichtigsten Informationen gibts ja – wie in früheren Folgen hier schon erwähnt – in Kaffeeküchen, die geschützt sind, oder zur Lunchzeit. Also diese habe ich nun aufgeschnappt: Wie erhöht ein Personalchef seine Prämien in Zeiten der Dauersparkurse der Unternehmen? Indem er Mitarbeiter ohne Abfindung – oder nur mit geringer – rausboxt.

Wie das beim deutschen, angeblich so schrecklichen, Arbeitsrecht gelingt? „Ganz einfach,“ strahlte der Mann. „Ich sage einem Mitarbeiter, dass er Minderleister ist. Das macht den so fertig, dass er nicht mehr schlafen kann, sich fürchterlich grämt und von sich von ganz alleine etwas Neues sucht.“ Kurz: Deutsche Mitarbeiter haben zu viel Ehrgefühl, um das zu ertragen.

 

…es folgt die Isolation, ruckzuck

Und wenn auch noch über die Flure geht, dass derjenige auf der Abschussliste steht, gehts noch schneller. Weil er sich schämt und die Kollegen ihn plötzlich meiden, als hätte er eine ansteckende Krankheit. Dann steht er schnell ganz alleine da, isoliert und fühlt sich noch mieser.

 

Frauen nehmen alles so schön persönlich

„Und wissen Sie, wer am schnellsten verschwindet, wenn man den Vorwurf Minderleister macht? Die Frauen.“ Die ertragen es noch weniger, „und sie nehmen alles so schön persönlich“, grinst der Personaler.

Und auf seinem Bankkonto geht noch schneller mehr Geld zur Belohnung ein.

 

Ade, Betriebsfrieden

Nachtrag 19.2.2021: In der Folgezeit habe ich mehrmals gerade von Frauen solche Berichte erzählt bekommen. Das Phänomen hat also nicht nachgelassen, im Gegenteil. Eine der Frauen war eine Bankerin, Akademikerin, Firmenkundenbtreuerin, verdiente langjährige Mitarbeiterin. Loyal ohne Ende, bis kurz vor dem Schluß. Irgendwann ging sie in die Knie und unterschrieb einen Aufhebungsvertrag, der ihr dank der Großzügigkeit der Branche zumindest eine Abfindung einbrachte. Sie sagte der Frau der Personalabteilung nach der Unterschrift ins Gesicht: „Freuen Sie sich jetzt auf einen schönes Bonus, weil Sie mich zur Unterschrift gebracht haben?“ Die Personalerin schwieg nur betreten. Die Kandidatin hatte ins Schwarze getroffen.

Ich tippe mal, wenn all diese Anlässe, für die Firmen manchen einzelnen Mitarbeitern Boni versprechen, firmenintern veröffntlich würden, wäre der Betriebsfrieden dahin.

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Alle Kommentare [1]

  1. Wenn Du das nicht geschrieben hättest, Claudia, würde ich sagen: Aufgeschnappt? Pah. Eher ausgedacht.

    Aber wenn’s stimmt, gehört dieser Personaler sofort gefeuert. Als sozial inkompetenter, zynischer Minderleister.