Ranking Obermatt: Ulf Schneider ist bester CEO des Jahres nach seinen Finanzkennzahlen

Kosten streichen kann jeder, aber wer das meiste Wachstum schafft und im Branchenvergleich reüssiert, der ist tatsächlich ein erfolgreicher Top-Manager.  

 

Herrmann Stern von Obermatt

Hermann Stern von Obermatt

 

Ulf Mark Scheider ist Sieger nach Punkten und zwar als bester CEO des Jahres. Im alljährlichen Ranking des Schweizer Finanzforschungsunternehmens Obermatt erreicht er 89 von 100 möglichen Punkten. Der zurückhaltende 50-jährige Top-Manager ist eine Überraschung. Von ihm hat die Öffentlichkeit bis vor kurzem recht wenig mitbekommen, auch nicht die Belegschaft von Nestle´.

Schneider war bislang Vorstandsvorsitzender von Fresenius, dem Gesundheitskonzern aus Bad Homburg mit 28 Milliarden Euro Umsatz, 1,4 Milliarden Euro Nettogewinn und 222.000 Mitarbeitern. Nach 13 Jahren als Unternehmenslenker verkündete er Ende Juni – auch überraschend -, dass er den DAX-Konzern verlässt. In der Zeit hat er den DAX-Konzern sehr groß und profitabel gemacht. Sein künftiges Büro ist in Vevey: Ab 2017 wird er Nestle´ führen, den größten Nahrungsmittelkonzern der Welt mit 91,6 Milliarden Schweizer Franken und 340.000 Mitarbeitern. Vielleicht waren die Schweizer ja durch Schneiders gute Finanzzahlen auf ihn aufmerksam geworden. Selbst Brancheninsider verblüffte die Nachricht von seinem Wechsel, nahe gelegen hatte er nicht.

 

 Die besten CEO´s nach ihren Finanzkennzahlen

Rang CEO Name Leistung
1 Dr. Ulf Mark Schneider (Fresenius) 89
2 Hans-Georg Frey (Jungheinrich) 84
3 Armin Papperger (Rheinmetall) 84
4 Thomas Ebeling (ProSiebensat.1) 83
5 Dr. Elmar Degenhart (Continental) 82
6 Erich Sixt (Sixt) 80
7 Dr. Reinhard Ploss (Infineon) 79
8 Dr. Dieter Zetsche (Daimler) 78
9 Dr. Till Reuter (Kuka) 78
10 Timotheus Höttges (Deutsche Telekom) 78
11 Robert Gentz (Zalando) 78
12 Friedrich Joussen (TUI) 76
13 Reiner Winkler (MTU Aero Engines) 74
14 Rolf Buch (Vonovia) 73
15 Dr. Bernd Scheifele (HeidelbergCement) 73
16 Dr. Heinz-Jürgen Bertram (Symrise) 72
17 Ralph Dommermuth (United Internet) 72
18 Herbert Hainer (Adidas) 72
19 Gordon Riske (Kion) 71
20 Stefan Fuchs (Fuchs Petrolub) 70
21 Jim Hagemann Snabe, Bill McDermott (SAP) 70
22 Dr. Thomas Olemotz (Bechtle) 69
23 Ralf Dieter (Duerr) 69
24 Dr. Klaus Engel (Evonik) 69
25 Rice Powell (Fresenius Medical Care) 65
26 Norbert Steiner (K+S) 64
27 Christoph Vilanek (Freenet) 63
28 Mathias Döpfner (Axel Springer) 63
29 Peter Buthmann (KSB) 62
30 Joe Kaeser (Siemens) 60
31 Matthias Zachert (Lanxess) 60
32 Dr. Gerold Linzbach (Heidelberger Druckmaschinen) 58
33 Carsten Spohr (Deutsche Lufthansa) 57
34 Andreas Joehle (Paul Hartmann) 56
35 Prof. Heinz Fuhrmann (Salzgitter) 55
36 Dr. Frank Appel (Deutsche Post) 54
37 Jürg Oleas (GEA) 53
38 Dr. Nikolaus von Bomhard (Munich RE) 51
39 Olaf Koch (Metro) 51
14 deutsche Unternehmen waren schlechter als der Wettbewerb
Quelle: Obermatt 2016

 

Die CEO´s von VW und BMW haben es nicht geschafft ins Ranking 

 

Das Obermatt-Ranking weiter: Auf den öffentlichkeitsscheuen Schneider folgen die Top-Manager Hans-Georg Frey von Jungheinrich und Armin Papperger von Rheinmetall (beide je 84 Prozent), Thomas Ebeling von ProSiebenSat1 (83 Prozent), Elmar Degenhardt von Continental (82 Prozent) und Erich Sixt von Sixt (80 Prozent). Immerhin bringt es Daimler-Chef Zetsche trotz des Abgasskandals der Autobauer auf 78 Prozent, VW und BMW tauchen bei den 39 Unternehmen im Ranking, die besser als der Wettbewerb waren, nicht auf. 

 

 

Allein entscheidend: die Steigerung im betreffenden Jahr

 

Aus den Finanzkennzahlen des betreffendes Jahres zieht der Researcher Obermatt aus dem gleichnamigen Ort am Vierwaldstätter See den Rückschluss auf die Managementleistung des Vorstandschefs: Mitarbeiterführung, Strategie und Organisation müssen zusammen am Ende einen Gewinn für die Aktionäre erwirtschaften. An den Finanzkennzahlen zeigt sich die Gewinnsteigerung des Managers im betreffenden Jahr, also konkret die Veränderung – und das verglichen mit den anderen Marktteilnehmern in derselben Branche.

Wichtig ist nicht nur der absolute Gewinn, sondern alleine die Steigerung – die ist die Leistung dieses Jahres und der Rest ist die Leistung der Vorjahre. Andere Rankings zielen demgegenüber auf die absoluten Zahlen: Wer ist der Meister beim Gewinn, der Meister beim Umsatz oder wer hat die meisten Mitarbeiter?

 

Die entscheidende Frage im Obermatt-Ranking – das sich dadurch von anderen abhebt – ist dagegen: Wer ist besser als der Wettbewerb? Das Institut ist spezialisiert auf relative Leistungsmessung. Finanzanalyst Hermann Stern und Inhaber des Finanzforschungsunternehmens – er selbst arbeitete früher als Finanzexperte bei Compaq und Swisscom, bevor er vor 15 Jahren das Research-Unternehmen gründete – sagt: „Wir messen die Veränderung, die echte Leistung. Das gibt das richtige Bild in schwierigen Zeiten und in guten Zeiten. In schwierigen Zeiten ist das eine viel größere Herausforderung als in guten Zeiten“, sagt Stern.

Unabhängig von Marktschwankungen, Boom oder Zyklus lässt sich so beurteilen, wie gut die Managementleistung tatsächlich war. Zum Vergleich: Auch wenn bei einem Skirennen bei gutem Wetter alle Abfahrtsläufer schneller sind, so ist auch bei schlechtem Wetter der relativ gesehen schnellste Läufer der beste – auch wenn dieser langsamer gefahren ist, als das bei gutem Wetter möglich gewesen wäre, so Stern. 

 

 

Der größte Ansporn ist der direkte Konkurrenzvergleich

 

Vor allem: „Der Ansporn, sich mit dem direkten Wettbewerb zu vergleichen, bewirkt Höchstleistungen“, sagt Stern. Ein Beispiel, wie sehr der direkte Vergleich mit dem Wettbewerber beflügelt, sind die Sportartikelunternehmen Puma und Adidas von den konkurrierenden Brüdern Rudolf und Adi Dassler. Ebenso wie die beiden legendären Luxushotels Traube-Tonbach und Barreis – seit jeher schärfste Konkurrenten und nur wenige Kilometer entfernt voneinander im selben Tal im Schwarzwald in Baiersbronn.       

 

 

Deutsche Unternehmen deutlich erfolgreicher als Konkurrenz im Ausland

 

Darüber hinaus hat Obermatt den internationalen Vergleich angestellt und Hermann Stern attestiert ausgerechnet den deutschen Unternehmen „eine enorme Leistung: In Deutschland waren 75 Prozent der Unternehmen besser als ihre globalen Mitbewerber, das habe ich noch nie gesehen.“ Und weiter: „Obwohl die jahrelangen Kosten-Spar-Strategien auf allen Ebenen die Unternehmen fast zu Tode schrumpfen und den Anlegern wie der Wirtschaft schaden, erweisen sich die deutschen Unternehmen als erstaunlich widerstandsfähig gegenüber den Manager-Vergütungs-Fehlen,“ verwundert Stern. Denn Kosten-Streichen ist in der Praxis immer leichter, als Wachstum zu schaffen. 

 

 

Boni für Top-Manager als Irrweg für das gesamte Unternehmen

 

Die Boni-Zahlungen für Manager, die sich nur am Gewinn orientieren, sind für Stern ein rotes Tuch: „Die Bonus-Systeme nach heutiger Machart sind Anreize zum Abbau“, lautet sein Fazit. Sie bilden nämlich nicht ab, wer wach genug war, neue Produkte auf den Markt zu bringen. Das Ziel, sich mit dem Markt zu vergleichen und besser als der Markt zu sein, kommt zu kurz. 

 

…und Manager wissen nicht, was für ein Unheil sie anrichten 

Ob Top-Managern bewusst ist, dass ihre viel zu starken Spar-Vorgaben dem Unternehmen und den Aktionären schaden? Sterns Resümee: „Ich glaube, sie wissen es nicht.“ 

 

CEO müssen viele Stärken haben – und jetzt Wachstumschampion sein

Fakt ist aber auch: „Man kann eine gute Leistung nicht mit nur einer Variablen erzielen“, so Stern. Und weiter: Der Skifahrer gewinnt die Lauberhornabfahrt nicht nur wegen guten Skis, Wimbledon wird nicht nur wegen einem guten Aufschlag gewonnen. Das Gleiche gilt auch für die CEOs. Man kann aber sagen, dass der Skifahrer gute Skis hatte und dass dies geholfen hat oder dass der Aufschlag einzigartig war.

„Das Gleiche gilt für die CEOs. Sie müssen viele Stärken an den Tag legen um in der Gesamtbewertung zuoberst zu stehen“, so Stern Bilanz. Dennoch kann man sagen, dass einer ein guter Sanierer war und ein anderer ein Wachstumschampion. 2015 waren zuoberst primär Wachstumschampion und nicht die Sanierer.

Fakt ist aber auch: „Wir können nur zweifelsfrei feststellen, dass die Leistung ausserordentlich gut war, wir können nicht sagen, warum“, sagt Stern.

 

Die erfolgreichsten CEO´s im Mittelstand

1 Brian Protiva (Adva) 90
2 Manfred Bender (Pfeiffer Vacuum) 89
3 Dr. Peter Stadelmann (Rational) 87
4 Joachim Kreuzburg (Sartorius) 87
5 Pierre-Pascal Urbon (SMA Solar) 86
6 Klaus-Peter Schulenberg (CTS Eventim) 83
7 Udo Müller (Stroeer) 83
8 Cornelius Patt (Zooplus) 81
9 Dr. Markus Braun (Wirecard) 81
10 Ulrich Dietz (GFT) 75
11 Werner Deggim (Norma) 75
12 Dr. Heiko Fischer (VTG) 74
13 Michael Zahn (Deutsche Wohnen) 71
14 Dr. Michael Mertin (Jenoptik) 71
15 Philip von Grolman, Andreas Prüfer (Delticom) 68
16 Uwe Röhrhoff (Gerresheimer) 67
17 Dr. Helmut Laube (Drillisch) 67
18 Claus Sauter (VERBIO) 67
19 Prof. Thomas Bauer (Bauer) 66
20 Andreas Kroiss (Einhell Germany) 66
21 Frank Gotthardt (CompuGROUP) 66
22 Fried Möller (KAP Beteiligungs) 65
23 Frank Dreeke (BLG) 64
24 Claus Bolza-Schünemann (Koenig & Bauer) 63
25 Karl-Heinz Streibich (Software) 63
26 Jürgen Cammann (Schaltbau) 63
27 Dr. Rolf Hollander (CeWe Color) 62
28 Dr. Hans Schabert (Vossloh) 62
29 Thomas Hegel (LEG Immobilien) 61
30 Marco Fuchs (OHB Technology) 60
31 Dr. Martin Siebert (Rhoen-Klinikum) 59
32 Cem Peksaglam (Wacker Neuson) 57
33 Juan Luciano (ADM Hamburg) 57
34 Felix Ahlers (FRoSTA) 57
35 Carl Dürschmidt (Allgeier) 56
36 Günther Fielmann (Fielmann) 56
37 Dietmar Bichler (Bertrandt) 55
38 Frank Göring (Villeroy & Boch) 55
39 Volker Simon (PWO) 54
40 Klaus Weinmann (Cancom) 54
41 Max Müller (ALNO) 53
13 deutsche Unternehmen waren schlechter als der Wettbewerb
Quelle: Obermatt 2016

 

http://www.obermatt.com/de/ceo-des-jahres/deutschland/grossunternehmen-vollst%C3%A4ndige-rangliste-2016.html

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*