Wie Personalchefs Bewerber leimen, verschrecken und vorführen

Personaler als Visitenkarte ihrer Unternehmen

Haben Personaler eigentlich noch irgendeine Vorstellung davon, welchen Eindruck sie hinterlassen? So bei den Bewerbern zum Beispiel? Und damit: welche Visitenkarte Ihres Unternehmens sie draußen so abgeben und wie sie ihr Unternehmen negativ ins Gespräch bringen? Image schädigend, kurz gesagt?

 

Hürden bauen mit Online-Bewerbungsformularen

Man kann das Gejammere der Unternehmen über den angeblichen Fachkräftemangel nicht mehr hören, wenn man mitbekommt, dass sehr sehr viele Unternehmen die Flut ihrer Bewerbungen nicht einmal beantworten. Toter Mann spielen. Oder wie sie es sich mit ihren Onlineformularen in erster Linie sich selbst leicht machen wollen und dafür sorgen, dass interessante Bewerber ohne Null-acht-fuffzehn-Profil abspringen. Oder über die IT-Hürden beim besten Willen nicht hinweg kommen, ohne eigene Schuld. Wenn ihre Abi-Noten beispielsweise nicht aus dem deutschen Schulsystem stammen. Aus die Maus, der Bewerbungsversuch ist nach den ersten paar Schritten zu Ende.

Sprich: Die Firmen haben offenbar viel zu viele Bewerber. Sie haben aber keine Lust, Zeit und Kapazität, sie gründlich abzuarbeiten und genau hinzuschauen.

 

Die Endlosschleife: Dutzendweise Bewerbungen verschicken

Wieso muss es normal sein, dass etliche junge Leute 200 Bewerbungen für einen Praktikantenplatz, eine Traineeausbildung oder eine Stelle als dualer Student schreiben müssen – wenn doch die Generation Y angeblich so schwer zu kriegen ist?

Und jede einzelne der 200 Bewerbungen soll dann auch noch höchst individuell sein und der Firma klar machen, dass man nur bei ihr landen will. 200 Mal heucheln müssen qua System – und das ist den Firmen durchaus klar. Nonsens? Richtig.

 

Viel zu komplizierte Bewerbungs-Usancen

Oder wenn Ausländer, die sicher oft das Fachwissen und den Arbeitswillen mitbringen, die hochkomplizierten, unsinnigen Bewerbungsverfahren nicht verstehen. Und denen gar nicht einleuchtet, warum sie kein Privat-Foto von sich am Strand etwa beifügen sollen.

Mit verzweifelten Bewerbern mögen Verlage mit Ratgeber-Büchern zu dem Wie-bewerbe-ich-mich-richtig-Thema Geld verdienen, aber ob das alles so umständlich und perfektionistisch sein muss, bezweifle ich. Am Ende des Tages sind 200 Bewerbungen und 199 Absagen nur erniedrigend für den Kandidaten. Dagegen Aversionen zu entwickeln, ist verständlich.

 

Bewerber zum Affen machen

Der Gipfel ist dann aber, wenn die Stellenbewerber im persönlichen Gespräch auch noch vorgeführt und zum Affen gemacht werden. Der Newsletter „Channel Partner“ hat die zehn idiotischsten und respektlosesten Personaler-Fragen – aus der Quelle der Jobbörse Glassdoor – samt den Namen der betreffenden Unternehmen aufgelistet:

  • Beim Kosmetikhersteller Estée Lauder sollte ein Bewerber sagen, welches Tier er gerne wäre.
  • Bei Roland Berger soll ein Berater im Internetzeitalter die 30 MDAX-Werte herunterrasseln können.
  • Bei Zalando soll man beantworten, wie man schnellstmöglich die Primzahlen bis n sagt.
  • Bei Reckett Benckiser den Clearasil-Verbrauch von ganz Deutschland schätzen.
  • Und beim Unternehmensberater Bain wird so gefragt: „Man stelle sich eine Maschine vor, die alle Milch produzieren kann, die Starbucks weltweit an einem durchschnittlichen Tag benötigt. Dazu muss nur die richtige Anzahl von Kühen durch diese Maschine gehen. Wie viele Starbucks-Läden gibt es weltweit? Wie viele Kühe würde ich brauchen? Wie schnell müssten sie durchgehen?“

Anders herum gesagt: Würden diese Fragen tatsächlich das Arbeitsleben in den betreffenden Unternehmen beherrschen, könnte man noch mit den Achseln zucken. So aber geben sie den Kandidaten und allen, denen sie es auf Partys und im Sportclub weiter erzählen, eher den Anlass, über deren Firmenkultur und Menschenbild nachzudenken.

http://www.channelpartner.de/a/die-zehn-haertesten-fragen-an-bewerber,3097544?tap=ec6b72c9134108ee8313b775dff235ec&utm_source=Business%2DTipps&utm_medium=email&utm_campaign=newsletter&r=365661025239500&lid=510520&pm_ln=129

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