Hinter den Kulissen der Unternehmen – Headhunterin Sabine Hansen redet Tacheles (Gastbeitrag): Das Märchen von der Vielfalt

Headhunterin Sabine Hansen von Delta Management Consultantsüber das Märchen von der Vielfalt: Das Quotengesetz ist ein wichtiger Schritt. Das Thema Diversity ist damit aber noch lange nicht abgehakt. Ganz und gar nicht. Denn der Begriff umfasst ja bei Weitem nicht nur weibliche Führungskräfte und ihre nachhaltige Förderung.

Sabine Hansen, Headhunterin bei Delta

Sabine Hansen, Headhunterin bei Delta

 

 

Schweizer und Österreicher sind keine Symbole der Globalisierung

Von Diversity kann in den DAX30-Vorständen jedoch keine Rede sein: Zwar suggerieren viele Studien, dass mittlerweile fast 30 Prozent der Vorstandsmitglieder der Dax30-Unternehmen keine gebürtigen Deutsche sind. Schön und gut, aber sind sie wahrhafte Ausländer, die der Globalisierung tragen? Oder der zweitgrößten Exportnation helfen, ihre internationalen Geschäftspartner besser zu verstehen?

Ehr nicht, Denn sie kommen aus der Schweiz, Österreich oder den USA. Gelungene Integration, möchte manch einer behaupten. Mit Nichten. Wo aber sind die Vorstandschefs- und Chefinnen mit Migrationshintergrund? Jene aus unserer Mitte, deren Eltern als Gastarbeiter aus Italien, Griechenland, Marokko oder der Türkei nach Deutschland kamen. Jene, die erst in ihrer Jugend zu uns fanden?

 

Wo sind Vorstände mit Migrationshintergrund?

Die Antwort ist beschämend: Es gibt sie nicht beziehungsweise ihre Anzahl ist so gering, dass sie in Studien und Analysen nicht wahrgenommen werden. Erst kürzlich veröffentlichte das Statistische Bundesamt anlässlich des Weltbildungstages am 8.September 2015 eine interessante Untersuchung: 2014 hatten 30 Prozent der Bevölkerung mit Migrationshintergrund Abitur oder Fachhochschulreife, die meisten mit Wurzeln in Frankreich, Großbritannien, der Ukraine, Bulgarien, Spanien, Ungarn und Österreich.

Jedoch: Kaum einer von ihnen klettert Jahre später die Vorstandsleiter hinauf. Die Frage ist: An welchem Punkt der Karriere geht die Vielfalt, wie wir sie im Bundesdurchschnitt und auch unter Studierenden und Abiturienten haben, verloren?

Die Forderungen nach mehr Diversity, nach Vielfalt in Unternehmen, nehmen viele Konzerne bereits ernst.  Mehr als die Hälfte der Dax30-Unternehmen ist nach eigenen Angaben im Diversity Management aktiv. Nur: Sichtbare Veränderungen sind leider noch nicht spürbar. Der Wirtschaft entgehen damit Potentiale, um Themen wie Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit aber auch Employer Branding zu adressieren. Man bekommt den Eindruck, dass zwar viel geredet, aber tatsächlich wenig getan wird. Dabei steht die Frage nach dem Warum präsent im Raum. Denn dass talentierte Führungspersönlichkeiten mit Migrationshintergrund en masse existieren, steht außer Frage.

 

Warum gibt es keine homosexuellen Vorstände?

Dieses Ungleichgewicht in punkto Nachfrage und Verfügbarkeit müssen wir abfangen und aus dem Potential schöpfen, dass wir am Markt tatsächlich haben. Einhergehend mit dieser Thematik stellt sich ebenso die Frage, warum Vorstandspersönlichkeiten – anders als in der Unterhaltungsbranche oder der Politik – so selten offen mit ihrer sexuellen Ausrichtung umgehen.

Arbeitgeber erklären diese Thematik oft als Privatsache, die in der öffentlichen Darstellung keinen Raum benötigt. Anders sehen das aber die schwulen und lesbischen Vertreter, die einen klaren, ehrlichen Umgang und Anerkennung wünschen. So setzen sich beispielsweise der Völklinger Kreis für schwule Führungskräfte oder die Wirtschaftsweiber für lesbische Managerinnen für offene Kommunikation ein. Offenheit, die Vielfalt ermöglicht, damit diese nicht länger Wunschdenken bleibt.

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Alle Kommentare [1]

  1. Guter Artikel! Nur die Kategorie „Homosequelle“ (unten) ist merkwürdig, obwohl Diversity wohl auch eine Quelle der Erleichterung auch für Schwule sein dürfte.