Top-Manager im DAX: Wer keinen deutschen Pass hat, sorgt für Internationalität?

Zählt allein der Pass? Eine Studie der ESCP Europe, die noch unveröffentlich ist, sagt: nein. Allein die Tatsache, dass ein Top-Manager einen Pass besitzt, der nicht aus dem Land seines Unternehmens stammt, besagt noch lange nichts über seine wahre Internationalität aus.

ESCP-Professor Stefan Schmid hat das Top-Management der DAX30-Kanzerne verglichen mit den britischen Financial-Times(FT) -100-Unternehmen. Das Ergebnis: In Deutschland haben rund 25 Prozent der Vorstände und Aufsichtsräte keinen deutschen Pass, bei den FT-100-Unternehmen stammen mehr als 30 Prozent der Top-Manager aus dem Ausland. So weit, so gut: fünf Prozentpunkte machen den Kohl nicht fett.

Doch bei näherer Betrachtung stellte Wissenschaftler Stefan Schmid vom Lehrstuhl für Internationales Management und Strategisches Management fest: „Für die Internationalität von Top-Management-Positionen sind auch weitere Kriterien ausschlaggebend: die Auslandserfahrungen der Bewerber, sei es während des Studiums oder der beruflichen Laufbahn, sowie internationale Mandate in Unternehmen.“

Gerade deutschen Top-Manager seien sehr international orientiert: Sie hätten deutlich mehr Mandate im Ausland und seien somit deutlich stärker mit dem Ausland vernetzt als Top-Manager in Großbritannien.

In puncto Berufserfahrung im Ausland hätten die deutschen Top-Manager dagegen zwar vielfach mehre Jahre Berufserfahrung im Ausland, aber weniger als die britischen Top-Entscheider. 

Die Empfehlung von Wissenschaftler Schmid: „Wenn Unternehmen bei der Besetzung einer Position auf Internationalität entscheidenden Wert legen, sollten sie nicht nur auf den Pass achten, sondern weitere Formen der Internationalität berücksichtigen. Wer etwa länger im Ausland studiert hat oder auch einen Teil der Karriere außerhalb des Heimatlandes gemacht hat, bringt ebenfalls internationale Erfahrung in den Vorstand und den Aufsichtsrat ein.“

Dies gilt vor allem vor diesem Hintergrund: Die Personalberatung Russell Reynolds wartete ja erst vor kurzem mit dem Ranking auf, dass DAX30-Aufsichtsräte besonders kompetent seien, wenn möglichst viele Aufsichtsräte aus dem Ausland kommen.

Und wer stellte danach die größte Gruppe von Ausländern im DAX – und wurde als besonders kompetent bewertet, weil besonders divers? Die Österreicher mit 18 Prozent. http://blog.wiwo.de/management/2015/06/11/dax30-aufsichtsrate-studie-von-russell-reynolds-der-frauen-anteil-steigt-aber-die-deutschland-ag-bleibt/

By the way: Nichts gegen Österreich, es ist ein tolles Land mit Super-Küche, klasse Winzern, phantastischer Landschaft undundund sowie vielen vielen anderen positiven Attributen. Aber es ist weder der größte Handelspartner der deutschen Nation noch ein riesiger Absatzmarkt.

Und es ist vermutlich noch nicht einmal von den DAX-Konzernen so angelegt, gezielt Österreicher anzuheuern, um Internationalität zu belegen.

PS: Schmids Studie weiter: „Für Großbritannien lässt sich beobachten, dass der Großteil der Top-Manager, die aus dem Ausland kommen, vor allem einen englischsprachigen Hintergrund mitbringen.“

 

Hinweise der ESCP: Die ausführliche Fassung der Studie erscheint in Kürze: Schmid/Wurster/Dauth: Internationalisation of Upper Echelons in Different Institutional Contexts: Top Managers in Germany and the UK. European Journal of International Management, Vol. 9, No. 4, 2015, S. 510-535.

 

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