Hinter den Kulissen der Unternehmen – Headhunterin Sabine Hansen redet Tacheles (Gastbeitrag): Die norwegischen Goldröcke lassen grüßen

Frauen im Aufwind? Man reißt sich um die wenigen Kandidatinnen am Markt, die für Aufsichtsratsposten infrage kommen? Spätestens seit dem Gespräch mit einer frisch gekürten Aufsichtsrätin eines DAX30-Konzerns weiß ich definitiv, dass fast alles noch immer nach demselben Schema läuft wie frühe. Die Quote hat mitnichten zu einem Umdenken beim Besetzen von Aufsichtsratsposten geführt – Transparenz? Fehlanzeige.

Sabine Hansen, Headhunterin bei Amrop Delta

Sabine Hansen, Headhunterin bei Amrop Delta

 

Jobs werden immer noch unter der Hand vergeben

Die Dame hatte den Lerneffekt: Die Jobs werden – immer noch – unter der Hand vergeben. Der beauftragte Personalberater findet keine Kandidatin, der Aufsichtsrats-Chef muss selbst ran und sein Netzwerk bemühen.

Dabei hatten die Karriere-Kandidatinnen in den Startlöchern zunächst eine andere Witterung aufgenommen. Spätestens seit Verabschieden des Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in Aufsichtsräten fragten sich die weiblichen Spitzenkräfte der deutschen Wirtschaft, wie werde ich denn nun Aufsichtsrat? Gibt es Datenbanken bei einschlägigen Personalberatungen, in denen ich mich einschreiben muss? Oder reichen Seminar-Besuche wie etwa von „Aufsichtsrat – Rechte und Pflichten in zehn Tagen“ von diversen Instituten, um mich für ein solches Gremium zu qualifizieren und zu empfehlen?

 

Die geheimen Netzwerke der Machteliten entscheiden weiterhin

Keineswegs. Die Vergabe von Aufsichtsratspositionen bestimmen hierzulande noch immer geheime Netzwerke der Machteliten. Mit anderen Worten: Die, die schon heute in den Gremien sitzen, verteilen die Mandate. Und das gerne an Frauen, die bereits Teil des Netzwerks sind (Stichwort: Ämterhäufung) oder sich durch eine persönliche Referenz eines Netzwerkmitglieds hierfür empfehlen. Die norwegischen Goldröcke lassen grüßen.

 

Wie läuft das in der Praxis ab? Die gewohnten Verteilungsmuster kommen wieder zum Vorschein, musste die neue DAX30-Aufsichtsrätin lernen. Der Headhunter, der mit der Suche beauftragt war, hatte sie gar nicht auf dem Schirm, obwohl er sie schon kannte aus anderen Suchaufträgen. Erst nachdem ihr Ex-Aufsichtsratsvorsitzender aus einem anderen Unternehmen sie empfahl, kam sie damit auf den Radar und in die engere Wahl.

Was die Managerin aber vor allem zu berichten wusste: Ihre eigenen Bemühungen in Sachen Aufsichtsrats-Posten waren im Sande verlaufen. Gespräche mit mehreren Top-Personalberatern brachten nichts Konkretes außer Einladungen zum Kaffee bei den Beratern.

 

Einmal Aufsichtsrat, immer Aufsichtsrat

Das Krudeste an der ganzen Sache: Nach ihrer Berufung in den Aufsichtsrat eines DAX30-Konzerns folgen vermutlich weitere Engagements bei anderen namhaften Unternehmen: Schließlich hat sie sich mit ihrem Mandat eines DAX-Konzerns für weitere Mandate legitimiert und Personalberater können ihre Vorschlagslisten um eine weitere Top-Kandidatin für den Aufsichtsrat aufhübschen. Ohne das Risiko, beim Auftraggeber umständliche Erklärungen abgeben zu müssen.

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Alle Kommentare [1]

  1. Vielen Dank für diesen Einblick! – Auch wenn es eine traurige Wahrheit ist …