Arbeitsgericht Köln zu Präsentismus: Wo bleibt Kollegialität und Chef-Fürsorge für kranke Kollegen?

Für die Deutsche Bahn war der Fall supereinfach. Oder vielleicht auch nur eine willkommene Gelegenheit? Wer trotz Krankheit arbeiten kommt und dann – weil´s nicht mehr geht – in die Waagerechte geht, ist deshalb noch lange kein Fall für eine Kündigung. Eher Lob für den guten Willen und Fürsorge. Um das zu verstehen, bedurfte es für die Deutsche Bahn als Arbeitgeber eines Arbeitsgerichtsprozesses.

Der konkrete Fall: Eine Bahn-Mitarbeiterin aus dem Bord-Bistro ging es nicht gut und hatte das dem Zugführer wie dem Restaurantleiter auch gesagt – aber dennoch ihren Dienst angetreten. Präsentismus ist die Vokabel für dieses Massenphänomen, das auch festangestellte Mitarbeiter an den Tag legen. Wenn sie aus Angst vor Kündigung auch krank zum Dienst kommen.

 

Wenn der Körper seinen Tribut fordert

Die schwächelnde Bahn-Mitarbeiterin ging jedenfalls in ein ungenutztes Kleinkind-Abteil und schlief dort sieben Stunden lang – zuvor hatte sie dies aber mit ihrer Vorgesetzten besprochen. Und sie hatte darum gebeten, dass man sie holt, wenn sie gebraucht wird.

Doch statt ihren guten Willen zu honorieren, kündigte die Deutsche Bahn der Frau mit dem – merkwürdig anmutenden – Hinweis: die Kranke habe einen Vertrauensbruch begangen.

 

Auch Kollegen und Chefs müssen sich kümmern

Doch die Kölner Richter drehten den Spiess kurzerhand um und fragten die Bahn-Vertreter, warum die „ganz normale kollegiale Fürsorge“ in diesem Fall nicht gegriffen und niemand nach der kranken Mitarbeiterin oder Kollegin geschaut habe. Auf die Idee, war wohl noch niemand im Unternehmen gekommen.

 

 

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