Business Behave: Post von 3M, wie sie ganz selten ist

Kompliment an 3M Deutschland in Neuss, sie beweisen Stil. Stil im Umgang mit Mitarbeitern: Da finde ich in unserer Poststelle einen Brief an mich mit einer „Einladung zur offiziellen Verabschiedung von Manfred Kremer“. Den Pressechef, der seiner Company 35 Jahre die Treue gehalten und für sie „ein starkes Netzwerk mit der Außenwelt aufgebaut und diese veranwtortungsvolle Aufgabe über Jahre hervorragend geleistet hat.

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Zu seinen Ehren läd 3M zu einem Imbiß in die Kantine der Hauptverwaltung in Neuss ein. Und nicht nur seine eigene Abteilung, sondern eben auch seine Business-Kontakte draussen in den Redaktionen, vermutlich noch Agenturen und dergleichen.

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Und das Signal, das der US-Konzern damit – gut sichtbar für die ganze Belegschaft – setzt, dürfte seine Wirkung auf das Loyalitätsgefühl in der Kollegenschaft kaum verfehlen.

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Einzig aus dem Hause Daimler fiel mir kürzlich ein ähnlicher Ehrenabschied auf, der dem Unternehmen wenigstens eine Pressemitteilung wert war: „Dr.Joachim Schmidt, Leiter Vertrieb und Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung Mercedes-Benz Cars, hat entschieden, nach über 34 Dienstjahren mit Vollendung seines 65. Lebensjahres seine Aufgabe zum 1. Oktober 2013 in jüngere Hände zu übergeben.“ Und weiter: „Der Vorstand bedankt sich bei Dr. Joachim Schmidt für seine langjährige, erfolgreiche Arbeit. Dr. Dieter Zetsche, Vorsitzender des Vorstands der Daimler AG und Leiter Mercedes-Benz Cars: ´Joachim  Schmidt versteht und verkörpert Mercedes-Benz wie kaum ein anderer. Unter seiner Führung eroberte die Marke viele neue Regionen und begeisterte ihre Kunden mit ihren traditionellen Stärken. Er hat Vertrieb und Marketing neu ausgerichtet und damit zentrale Weichen gestellt, die Mercedes-Benz in ein neues Zeitalter bringen werden.`“

 

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Wenn selbst der Chef seine Leute nicht mal persönlich verabschiedet

Immerhin. Etwas Persönliches über Herrn Schmidt wäre zwar noch besser gewesen, aber das wenigstens ist doch schon mal was. Und zwar mehr, als die meisten Unternehmen – und erst recht in der Größenordnung – für ihre scheidenden Mitarbeiter übrig haben.

Oft ist der Chef des Weggehenden nicht mal  bei der betriebsinternen Abschiedsfeier anwesend oder verabschiedet sich vielleicht auch gar nicht von ihm.

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Auch unfreiwillige Verabsbschiedete verdienen Ehrenbezeugungen

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Ist der Abschied denn auch noch unfreiwillig, weil die Firma betriebsbedingt kündigt, scheint das den Unternehmen so unangenehm zu sein, dass die Abgänge totgeschwiegen werden. Von Feierstunde zum Abschied keine Rede – selbst nach 20 Jahren an Bord nicht. Die Kollegen trollen sich irgendwann heim wie räudige Hunde. Obwohl sie sich nichts haben zuschulden kommen lassen.

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Imagebildung ist auch der Kranz ans Grab des Betriebsrentners

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Ganz zu schweigen von Betriebsrentnern, die versterben: Da predigt Pfarrer dann der von der Kanzel, bei welcher Firma  der Mann oder die Frau manchmal ihr ganzes Berufsleben verbracht haben, ohne dass auch nur ein Gruß des Unternehmens an die Hinterbliebenen geht oeschweige denn Blumen oder ein Kranz mit Schleife und Unternehmensgruß. Zu teuer. Todesanzeige in der regionalzeitung? Eingespart. Egal. Den Erben ist´s peinlich vor der Trauergemeinde, der Pfarrer wundert sich laut, – auch egal.

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Ist das die neue Nachhaltigkeit?

 

 

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Danke liebe Frau Tödtmann, dass Sie dieses viel zu seltene Signal hier aufgreifen! Da wird in zahlreichen Seminaren von Wertschätzung als wichtigste Aufgabe eines Vorgesetzten gepredigt, aber die Realität sieht leider anders aus.Eigentlich eine absolute Schande, dass man das Thema überhaupt zu einem machen muss, denn es sollte eigentlich selbstverständlich sein. Vielleicht sollte man mal eine Wertschätzungs-App programmieren, die Chefs daran erinnert, verdienten Mitarbeiter die in den Ruhestand gehen Dankeschön zu sagen, lieben Kollegen zum Geburtstag zu gratulieren etc. Hut ab vor 3M, das hat wirklich Klasse. Da freue ich mich doch um so mehr, dass die Post-its auf meinem Schreibtisch aus deren Hause kommen:)