Ein Teller Südtiroler Salat mit Grey-Chef Dickjan Poppema´s Fremdsprachen: Schwäbisch, Englisch, …

D Poppema, Chef der Werbeagentur Grey

Dickjan Poppema, Deutschland-Chef der Werbeagentur Grey

Dickjan Poppema ist – und isst – öfter hier im Da Capo an der Kanonierstraße, wo auch seine neue berufliche Heimat gleich um die nächste Ecke ist. Die Werbeagentur Grey am Platz der Ideen, den die Stadt Düsseldorf den Kreativen zuliebe so taufte vor drei Jahren. Bis dahin hatte Grey sehr zentral seine Räume in der City, ohne Parkplätze – jetzt sind sie direkt an der Schnellstraße zum Flghafen. Poppema braucht nicht erst groß in die Karte schauen, er bestellt „Südtiroler Salat“. Den hat er schon öfter gegessen und mag ihn gerne. Wenn er nicht, wie sonst, in der Firmankantine isst. Mit dolce-far-niente hat es Poppema anscheinend nicht, weder ein Bier wie mittags in Süddeutschland noch ein Wein wie in Südeuropa lockt ihn. Getrunken wird – typisch deutsch – Mineralwasser Schließlich wird gleich das Firmenfoto von allen Grey-Mitarbeitern aufgenommen und da will er nicht weinselig daherkommen.

Seit Mitte Dezember ist Poppema der neue Chef von Grey – nach Uli Veigel, der für Grey nach New York ging – , der zuvor schon mal sechs Jahre lang Big Boss bei BBDO an der Düsseldorfer Kö war. Oder bei Kraft Jacobs Suchard Bremen, wo er seine Karriere startete und es bis zum Marketingmanager brachte. Den Job hatte er auch bei TUI, bevor er in die Agenturszene zu Leo Burnett wechselte beziehungsweise zu Wensauer & Partner. Im Rheinland ist Poppema – er ist gebürtiger Holländer und kann aus dem Stand die anderen drei Niederländer in der deutschen Werber-Szene aufzählen – jetzt schon seit zehn Jahren und fühlt sich hier „sehr, sehr wohl“. Anders als bei den Stuttgartern, deren Slang er noch heute ansatzlos imitieren kann: „Noi, des führet mer nidde“, war die Abfuhr einer Supermarktmitarbeiterin, als seine Frau mal etwas suchte und rüde abgebürstet wurde – statt Hilfe zu bekommen. Schwäbisch sei übrigens seine sechste Fremdsprache, feixt er.
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Duzen ist Pflicht – gnadenlos
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In seiner Agentur sollen sich die Mitarbeiter alle duzen, mehr noch: „Ich fordere es gnadenlos ein, bei Grey herrscht absolute Duz-Kultur.“ Ich frage mich, ob er mich gleich auch duzt – schließlich ist das auch in Redaktionen gang und gäbe. Aber das tut er nicht. Anders als ein Ex-ABB-Pressechef, zu dem mich vor Jahren eine Wirtschaftswoche-Recherche über das Duzen in Unternehmen trieb. Der rief drei  Minuten später rück mit den Worten: „Du Claudia, wir wollen übers Duzen reden?“. Ich hatte noch nie mit ihm zuvor gesprochen.
Als Poppema bei Grey anlandete, hatte er erst mal vier Monate lang kein Büro. „Ich habe mich eingeplugged, wo gerade Platz war“, erzählt er. Er fand es sehr angenehm, in dem schönen roten Backsteingebäude jeden Tag woanders zu sitzen. Eben da, wo gerade ein Stuhl frei war: „Anfangs hatte ich ja auch nicht so viel Papier.“ Er sass neben Kollegen, zu denen er sonst nie Kontakt bekommen hätte – aus der TV-Produktion,der Kreation, dem digitalen Bereich oder den Grey-Shoppern.  Er habe sich der Mannschaft gezeigt, betrieb Management-by-walking-around.
Und weil er ohnehin lieber 30 Meter zu einem Mitarbeiter hingeläuft, statt ihm eine Mail zu schreiben, wie er sagt. Woher er die Zeit nimmt? „Die Zeit hat man nie – man muss sie sich nehmen“, konstatiert er. Klar bleibe anderes dann auf der Strecke, sagt er. Das werde dann aber entweder von anderen erledigt – oder es erledigt sich von selbst.
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Klar-Glastüren statt Milchglas
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In 18 bis 24 Monaten will Poppema das Schiff Grey auf einem anderem Kurs haben, versprach er dem amerikanischen Mutterhaus. Das war unzufrieden ob des Umsatzminus von drei Prozent im vergangenen Jahr, das aber zum Teil auf das Konto der Schlecker-Pleite ging.
Und dass sich etwas ändert mit ihm als Chef, soll man auch sehen, bitteschön. Die neue Firmenkultur, dass man offen ist für Neues – und für Menschen. Und schon nach den ersten fünf Monaten fange er, Poppema, an, die Veränderung zu spüren.
Zum Beispiel daran, dass die Folien auf sämtlichen Glastüren der Agentur, die für Blickdichte sorgen, abschaffte. So wie in der Finanzabteilung, die in einem ruhigen Trakt am Platz der Ideen liegt. Da hiess es zuerst, diese Transparenz solle auf alle Fälle verhindert werden: Denn die Unternehmenszahlen könnten sich ja in den Glastüren spiegeln und daurch erkennbar würden. Doch am Ende friemelte manche der Finanzkollegen die Folien dann gleich persönlich mit ab.
Südtiroler Salat

Südtiroler Salat im Da Capo in Düsseldorf

Nur eins, das will er nicht ändern: dass Grey eins der hundefreundlichsten Unternehmen der Stadt ist. 15 Hunde sorgen hier Tag für Tag für ein besseres Betriebsklima. Denn die Doggys als Begleiter durch den Tag scheinen generell ein neuer Ausweis für Kreativität zu sein – was bei Versicherungssachbearbeitern oder Bankern ja auch tatsächlich undenkbar ist Leider.
Die Werber-Zeitschrift „w&v“ nutzte kürzlich die Gelegenheit für einen Rundruf unter den namhaften Agenturen und förderte zutage, dass erstaunlich viele Vierbeiner die Agenturen bevölkern. Der Hintergrund war, dass eine Düsseldorfer Agentur einem vermeintlich aggressiven Vierbeiner Hausverbot erteilen wollte, aber dessen Frauchen vor dem Arbeitgericht auf Gleichbehandlung mit den anderen Kollegen-Hunden pochte http://blog.wiwo.de/management/2013/04/18/arbeitsgerichtstermin-mit-hund/
Poppema selbst ringt jedoch keinen Hund mit – er hat zuhause „zwei Katzen mit insgesamt sieben Pfoten“, erzählt er.
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Hunde-Umfrage in deutschen Werbeagenturen von w&v: http://www.wuv.de/agenturen/hunde_im_buero_wie_agenturen_damit_umgehen

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