Arbeitsgerichtstermin mit Hund

Ausgerechnet das Arbeitsgericht in Düsseldorf beschäftigt sich nächste Woche, am 24. April 2013, mit Hunden. Oder eher noch: einem ganz bestimmten Hund, nämlich einem dreibeinigen Hund aus Russland von der Tierhilfe. Dessen Besitzerin bringt diesen Hund schon drei Jahre lang mit in die Werbeagentur, in der sie arbeitet. Und nicht nur sie, sondern auch andere Kollegen haben ihre Hunde täglich dabei (Aktenzeichen 8 Ca 7883/12).

Und deshalb verlangt die Klägerin jetzt für sich und ihren Doggy Gleichbehandlung mit den anderen Hunden. Die dürften ja auch kommen.

 

Die Greyhounds bei Grey

Ob es um die Werbeagentur Grey geht, frage ich mich? Über die stand es nämlich am 2. Januar 2013 in der Regionalpresse, dass in ihren Räumen am Platz der Ideen mehr als ein Dutzend Hunde täglich ihre Herrchen und Frauchen zur Arbeit begleiten dürfen und bekamen dafür die Bezeichnung als „Greyhounds“ von der „Rheinischen Post“ verpasst.

http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten/die-greyhounds-hunde-in-der-agentur-1.3121225

Hin wie her, egal welche Werbeagentur: dass Hunde den Blutdruck senken und das Betriebsklima fördern, soll ja auch erwiesen sein. http://blog.wiwo.de/management/2008/05/01/buro-hunde/#more-481374

 

corgi

 

Martin Rütter würde sagen: „Der tut nix“

Nur dieser Dreibeiner offenbar nicht, denn der Arbeitgeber wollte ihn aussperren, weil er „zutiefst traumatisiert“ sei und „ein gefährliches soziales und territoriales Verhalten“ zeige. Er knurre die Werber an, die sich nicht mehr in das Büro ihrer Kollegin herein trauten und rieche würde der Hund auch noch.

Von den Bedrohungen will die Klägerin natürlich nichts wissen, frei nach Hundetrainer Martin Rütter: „Der tut nix“ – und wenn er doch was getan hat, sagen die Besitzer gerne „Das hat er noch nie getan“.

 

Der Hund als Beweismittel 

Zu dem Termin haben die Richter der Werberin aufgegeben, den Hund mitzubringen, damit er „in Augenschein genommen werden kann“.

Ob sie auch ihre Hundehaftpflichtpolice vorzeigen muss und eine Auskunft vom Versicherer über mögliche Inanspruchnahmen, ist leider nicht erwähnt. Auch nicht, ob sie in Besitz eines Maulkorbs ist und einer Leine, mit der man den Hund etwa an einer Heizung befestigen kann – so wie Hofhunde, die auch nicht jeden Ankömmling im Verteidigungswahn beißen sollen.

 

Da Arbeitsrichter ja fast immer Vergleiche vorschlagen, sollte man auf alle Fälle über derlei Auflagen oder Selbstverpflichtungen mit Maulkorb und Leine nachdenken. Für die Zukunft könnte die tierfreundliche Werbeagentur ja auch betonen, dass – ungefährliche, friedliche – Hirtenhunde am allerwillkommensten sind.

Aber unterm Strich freue ich mich, dass es an kreativen Arbeitsplätzen auch noch unkonventionell zugehen kann – und nicht so steril wie in einem Bankinstitut.

 

Als die Redaktionen „Capital“ und „impulse“ noch in Köln ihren gemeinsamen Sitz hatten, waren dort auch bis zu drei Hunden ständig anwesend – die nie auch nur irgendjemand Angst machten, Schäden anrichteten oder sonstwie unangenehm auffielen.

Und die „Zeit“ hatte wohl lange Jahre einen Redaktionshund, dem sie im Blatt an seinem Lebensende sogar eine offizielle Todesanzeige widmeten.

Übrigens: Wer andere Anregungen hat, darf sich damit an die Pressestelle des Arbeitsgerichts wenden, schreibt sie ausdrücklich: pressestelle@arbg-duesseldorf.nrw.de

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Alle Kommentare [6]

  1. Super interessanter Artikel, vielen Dank. Bin sehr gespannt, wie es weitergeht – berichten Sie?

  2. Liebe Frau Tödtmann,

    natürlich freue ich mich, dass Sie uns als tierfreundliche und flexible Agentur im Hinterkopf haben, in der mehr als ein Dutzend Hunde ihre Halter täglich zur Arbeit begleiten. Zugleich möchte ich aber auch, dass das so bleibt. Deshalb kann ich Ihnen versichern: der Hund, um den es vor Gericht geht, „arbeitet“ nicht bei Grey. Für den Gerichtstermin drücken wir der Halterin die Daumen.

    Herzlichst
    Dickjan Poppema
    CEO Grey Deutschland

  3. Lieber Herr Poppema,
    besten Dank für die Aufklärung.
    Ich freue mich auf´s Kennenlernen spätestens im Dezember – ich würde die Greyhounds dann gerne sehen anlässlich Ihrer legendären Pressekonferenz mit Kaminfeuer – einem der wenigen Felsen in der Brandung.
    Viele Grüße an die Doggys und Ihre Menschen am Platz der Ideen, Ihre Claudia Tödtmann

  4. Bei uns in der Agentur ist es schon seit Jahren so, dass unsere Hunde dabei sind. Dabei ist unsere Bullmastiff-Hündin Abigail Chefin im Ring und unsere kleine Französische Bulldogge Sam und unser Rhodesian Ridgeback Otis flankieren sie gern. Dem Arbeitsklima und uns Hundebesitzern tut es auch gut.

  5. Nun ja, es war damals ein interessanter Fall, auch wenn er letzten Endes zu Ungunsten der Hündin ausgegangen ist. Wenn ich mich recht entsinne, stand ja auch Diskriminierung, weil die Hündin nur drei Beine hatte, mit auf der Agenda. Aber wir wissen ja nun alle, dass der Arbeitgeber im Zweifel am längeren Hebel sitzt, oder? 😉

    Schöne Grüße
    Andreas