„Luxus-Kosmetik zu fälschen ist profitabler als Drogenhandel“

 

Amazon bürgt nicht fürs Original

„Wenn ich bei Amazon ein Parfum kaufe, kann es ein Fake sein?“ Yep.

„Und auch dann, wenn es nicht einmal billiger ist als in einer Parfümerie?“ Wieder: Yep.

Das war der Dialog zwischen einem Journalisten bei der Pressekonferenz des VKE-Kosmetikverbands und dessen Geschäftsführer Martin Ruppmann. Mit der erschreckenden Erkenntnis nicht nur für den Fragesteller, sondern eigentlich alle da versammelten Journalisten: Fakes werden im Internet zum selben Preis verkauft wie die Original-Düfte von Dior, Hermes oder Kenzo. Nur weil sie bei Amazon gehandelt werden, seien sie deshalb noch lange keine Originale, so die Belehrung von Ruppmann.

Denn: Für Originale stehe die Autorisierung und Amazon sei nicht autorisiert.

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Die Industrie schult Zöllner

Und dann wurde es so richtig knifflig: Woran man es erkennt, wenn einem ein Fake untergejubelt wurde? Denn selbst die Profis von den Zollämtern Krefeld und Neuss verzweifeln da manchmal. Zwar haben Sie Produkte-Listen und bekommen Schulungen von den Parfumherstellern, aber Fäscher leisten eben keine schlechte Arbeit. Die wenigsten tun dem Experten vom Zollamt den Gefallen, machen blöde Rechtschreibfehler und nennen „Dunhill“ „Dnuhill“. Manche Fälscher arbeiten ungenau und drucken den Namen leicht verrutscht auf den Flakon oder liefern quietschende Deckel ab – das würde bei Luxusprodukten sonst nicht passieren.

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Ruppmann300dpi_color (2)Sicherstes Indiz für ein Fake: Nicht übereinstimmende Seriennummern auf Flakon und Verpackung

Ein sicheres Zeichen für eine Fälschung, das aber eben auch nur Profis kennen: Wenn die Seriennummer auf dem Flakon und auf der Verpackung nicht identisch sind.

Schwieriger wird´s, wenn sich nur eine Blume auf dem Zerstäuber sich mal härter oder weicher anfühlt. Dann war im konkreten Fall übrigens die mit der härteren das Fake. Doch das lässt sich eben auch nur ausmachen, wenn man das Original zum Vergleich da hat. Und das haben die Zollbeamten eben nicht, bedauern sie.

Ruppmann wird es nicht leid, das Fälschungen-Problem Jahr für Jahr vorzutragen, „weil es eben Jahr für Jahr schlimmer wird“ mit den Fakes, die in den deutschen Markt geschleust werden, viele Arbeitsplätze kosten und Millionenschäden anrichten, wie er sagt.

Kosmetika und Luxusdüfte sind auf der Liste der Markenfälschungen auf Platz Zwei, nach Kleidung – und vor Zigaretten und Medikamenten. Letztere seien meist Viagra-Fakes, sagt Ruppmann. Sie kommen aus China, der Ukraine und der Türkei – in der Reihenfolge.

 

Luxuskosmetik-Hersteller sind gute Kunden von Markenrechtsanwälten

Die Zahlen steigen drastisch, im vergangenen Jahr beschlagnahmte der deutsche Zoll 607.000 Kosmetikprodukte im Wert von 22,7 Millionen Euro – 18 mal mehr als ein Jahr zuvor, als es erst 1,3 Millionen Euro waren. Und weil die Fakes in kleinen, unauffälligen Paketen nach Deutschland geschickt werden, sind die Funde wohl nur die Spitze des Eisbergs. „Kosmetik-Fälschen ist profitabler als Drogenhandel“, schätzt Ruppmann. Was hier eher wie ein Kavaliersdelikt verfolgt werde, würde in Frankreich viel härter verfolgt. Nicht umsonst stecke die Industrie jährlich Millionen Euro in die Vorsorge wie Codierung der Produkte und die rechtliche Versorgung von Markenpiraten, laut Stephan Seidel, Chef des VKE und von Clarins.

Doch die Branche hat auch Positives vorzuweisen: die dekorative Kosmetik stieg um 5,3 Prozent – vor allem durch eine wahre Nagellack-Euphorie mit 7,2 Millionen verkauften Fläschchen.

nagellackDamendüfte stiegen um 4,5 Prozent, Pflegende Kosmetik um 3,5 Prozent, die Herrenkosmetik um 4,1 Prozent. Beängstigend für Großraumbürobewohner ist diese News: Die Körperpflegeprodukte verzeichnen eine Minus von 3,1 Prozent. Insgesamt kann die Kosmetik-Zunft der mittel- und hochpreisigen Produkte gut 1,9 Milliarden Euro Umsatz vorweisen – knapp vier Prozent mehr als im Vorjahr.

Wie sich der Umsatz aufteilt?

37 Prozent Damendüfte, 25 Prozent Herrenkosmetik, 19 Prozent Prozent pflegende Kosmetik, 14 Prozent dekorative Kosmetik und sechs Prozent Körperpflege.

Wer wo einkauft?

Frauen trauen sich häufiger zu Douglas & Co. (auch wenn viele Verkäuferinnen erst mal an ihnen taxierend heruntergucken), Männer gehen eher in Drogeriemärkte und Kaufhäuser oder kaufen per Klick bei amazon, hat eine TNS-Infratest-Umfrage für den VKE ergeben.

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Warum Luxuskosmetik?

Die Kunden investieren viel Geld in Luxuskosmetik statt in Billigprodukte, weil sie hochwertiger Inhaltsstoffe erwarten (64 Prozent), Vertrauen in eine Marke haben (56 Prozent) und an hohe Qualität glauben (55 Prozent).

Die Hersteller umgekehrt, finden es schwierig, die Kunden anzusprechen beziehungsweise zu erreichen: 56 Prozent bestätigen das und zwar wegen der Fragmentierung der Medien. Dieselbe Zahl von Produzenten glaubt an eine Steigerung ihres Werbevolumens in 2013 (39 Prozent an eine Stagnation und fünf Prozent an einen Rückgang). „Print spielt wieder eine große, ernst zunehmende Rolle“, so Ruppmann.

 

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Alle Kommentare [8]

  1. genau deswegen bestelle ich auch nicht mehr bei Amazon … Jeder bestellt da und ich frage mich, warum die Menschheit heutzutage bei solch einem Unternehmen bestellt … ganz ehrlich … sie beuten ihre Arbeitnehmer aus und jetzt muss ich auch noch lesen, dass sie noch nicht einmal originale Düfte verkaufen.

    Ich finde Amazon hat kein Rückrat und es ist ein typisch amerikanisches Beispiel an Ausbeutung und ich Lüge und betrüge was das zeug hält!

    Nein Danke

    Gruß
    Christian von Aveda online kaufen

  2. Sehr interessantes Thema. War mir gar nicht so klar, dass das eine so große Rolle spielt. Da werd ich in Zukunft vermehrt drauf achten.

  3. Ich hätte nie gedacht, das Amazon sich da so einfach herauswinden kann. Dass das Fälschen von Luxuskosmetik so lukrativ ist leuchtet mir allerdings ein, schließlich ist es immer noch Konsens, dass Qualität ihren Preis hat.

    Nun, das werde ich bei meinem nächsten Amazon-Kauf mit Sicherheit berücksichtigen!

  4. Kosmetika und Luxusdüfte … Für Originale stehe die Autorisierung und Amazon sei nicht autorisiert, dazu muss man aber auch sagen, dass ich bisher mit Markenartikeln keine Probleme auf diesem Gebiet hatte. Wenn man natürlich zwielichtige Produkte aus china bestellt dann darf man sich mitunter nicht wundern

  5. Dass der Herr vom Kosmetikverband behauptet, dass Amazon gefälschte Parfüme verkauft bzw. das Risiko besteht diese zu erhalten, halte ich für übertrieben. Es liegt auch in seinem Interesse das zu behaupten, schließlich verdienen (man könnte auch abzocken sagen) „autorisierte“ Händler deutlich mehr an einem Duft als Amazon oder andere sog. Graumarkthändler. Bisher haben keine von mir gekauften Parfüms bei Amazon auch nur annähernd was mit einer Fälschung zu tun. Die Produktcodes waren immer gleich. Es handelte sich sogar um neu produzierte Ware, das lässt sich am Batchcode nachprüfen.

  6. Interessanter Beitrag! Ich kaufe lieber im Shop. Das muss auch nicht teuer sein und ganz oft lässt sich auch online ein Douglas Gutschein oder andere finden, mit denen man Geld sparen kann. Weiter so!