Wenn die Bedächtigere die Clevere ist – und trotzdem als langsam diskiminiert wird

Frauen können besser einparken als Männer. Die Nachricht erstaunt, nicht nur wegen ihrer Kernaussage – wo man doch landläufig immer seit Jahrzehnten das Gegenteil suggeriert bekommt. Keine Party-Witze-Salve ohne doofe Blondinen am Steuer. Obwohl die Versicherer seit langem erkannt haben, dass Frauen seltener in Unfälle verwickelt sind als Männer.

Nichtsdestotrotz: Man kann´s kaum glauben, dass jemand die Parkfähigkeiten von Frauen wissenschaftlich untersucht hat. Aber gut, die Briten waren´s. Die sind in puncto Geschlechtergleichstellung auch nicht so beschämend weit hintan wie die Deutschen.  Den Briten drohen schon länger empfindliche Strafen fürs Benachteiligen von Menschen eines bestimmten Geschlechts, sie haben die Erziehung pariert und sind inzwischen ein wenig weiter als die Leute vom deutschen Festland.
Drei Sekunden entscheiden über Erfolg opder Mißerfolg
Doch weiter im Text: 700 freie Parkplätze, 2 500 Fahrer, die ihr Auto hinein manövrierten und ein Fahrlehrer, der offenbar auf der Lauer lag und penibel Buch führte. Und wer war besser? Die Damen. Und warum: Erstens entdeckten sie häufiger die Lücke. Das freilich schreiben die Studienverantwortlichen nicht ihrer Cleverness zu, sondern ihrer Langsamkeit. Männer führen eben zu zügig und zischten deshalb oft an Parklücken vorbei, bemerken sie einfach zu spät. Ist das Cleverness? Irgendwie nicht. Wenn man was sucht, sollte man eben hingucken und nicht drüber weg.
Das lernt man schon bei Mami, wer sucht, soll gründlich suchen oder kann´s gleich lassen. Den Erfolg dem vermeintlich negativen Merkmal der Langsamkeit zuzuordnen, ist in dem Fall aber schlicht dusselig: Der Gegensatz ist nicht schnell oder langsam, sondern erfolglos oder erfolgreich, meinetwegen auch drei Sekunden langsamer, als der Erfolglose. Aber wenn die drei Sekunden den Erfolg ausmachen, war das genau doch offenbar das Geheimnis des Erfolgs.
Einparken ist kein Deko-Wettbewerb
Zweitens: bugsierten die Frauen ihr Kfz sogar gelungener in die Mitte der Parklücke.
Wunderbar. Wen das interessiert, die Disziplin Schön-Einparken, der mag damit glücklich werden. Auch da zählt, meine ich, anderes: nur die Ziel-Erreichung. Drin ist drin. Egal wie, – solange es kein Knöllchen gibt. Einparken ist kein Deko-Wettbewerb.
Was in Städten wirklich ärgerlich ist, ist doch nicht die -Nicht-Mittig-Parker, sondern die, die nicht aufschließen und damit wertvollen Parkraum verschwenden.
Krönende weitere Erkenntnis der Untersuchung: Männer sind fünf Sekunden schneller im Reinrangieren des Wagens in die Parklücke als Frauen.
Der Saldo fällt zugunsten der Frauen aus – und sie werden trotzdem mit negativem Attribut versehen
Jedoch: Wenn Sie denn dieselben fünf Sekunden vorher schon verloren haben – und viel mehr -, weil sie zweimal um den Block fahren müssen, um eine Parklücke zu finden (die, die Frauen auf Anhieb ausmachen), ist der Saldo doch auch nicht gerade ein männliches Glanzstück.

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