Den Schiffsuntergang überlebt, aber von der Deutschen Bahn hängen gelassen

Stellen Sie sich mal das vor: Sie haben ein Unglück überlebt, haben alle Ihre Papiere verloren, ihr Geld und ihr Gepäck. Sie sind knapp dem Tod entronnen beim Schiffsunglück der Concordia, andere Mitpassagiere sind gestorben – und Sie wollen nichts wie nach Hause. Endlich landen Sie dann in der Heimat nach all den Strapazen – und dann lässt die Deutsche Bahn sie stehen. Weil sie kein Ticket bezahlen können. Das hat die Bahn justament mit einem Rentnerpaar aus dem Westerwald exerziert. Genauer gesagt, ein Bahn-Mitarbeiter – als Gesicht seiner Company. Wieder mal eine unangemessene Reaktion, die voll daneben ist, obwohl die Bahn diesmal sogar eine PR-Aktion hätte daraus machen können. So nach dem Motto, „wir, die Bahn,  transportieren die Überlebenden“. Oder „Wir bringen die armen Schiffbrüchigen sicher nach Hause“.

 

Verpasste PR-Aktion

 

Doch was passiert? Da freut sich wieder ein Bahn-Mitarbeiter, dass er ein Regelwerk hat. Das ihm die persönliche Sicherheit gibt, wann er was tun muss, um nicht gefeuert zu werden. Sein Pech, dass manchmal doch das Gegenteil das Richtigere wäre. So wie die Telekom-Mitarbeiter seinerzeit in Hannover, die der Polizei nicht die Adresse des Selbstmöders rausrückten, um ihn zu retten – es ging um ihren eigenen Kunden wohlgemerkt. Der war dann kein Kunde mehr. Hätten die Telekom-Leute die IP-Adresse verraten – statt sich auf Datenschutz zu berufen – hätte der junge Mann überlebt. http://blog.wiwo.de/management/2010/03/01/telekom-dienstanweisungen-versus-zivilcourage/

 

Zivilcourage und gesunder Menschenverstand im Job nicht gefragt? Das wird für Arbeitgeber teuer – langfristig

 

Ganz so tragisch lief es im Fall des schiffbrüchigen Rentnerpaares nicht, aber dennoch: Stellt die Bahn ausschließlich Mitarbeiter ein, die keinen gesunden Menschenverstand haben und denen ganz sicher Zivilcourage fehlt? Und Empathie sowieso? Angesichts der vielen Fälle mit Kindern, die von Bahnmitarbeitern schon ausgesetzt wurden, möchte man jedenfalls den Eindruck bekommen.

http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/bahn-laesst-concordia-ueberlebende-stehen-1.2683666

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Alle Kommentare [2]

  1. Ich glaube nicht, dass die Bahn Mitarbeiter ohne gesunden Menschenverstand einstellt. Stattdessen vermute ich: die Mitarbeiter haben Angst vor negativen Konsequenzen, wenn sie mal jemand kostenlos mitnehmen und es sich dann herausstellt, dass es ein Betrüger war. Das ist ungefähr so wie bei manchem Discounter-Markt: wenn man als Mitarbeiter immer Angst haben muss, dass ein Testkunde vor einem steht, wird man immer genau nach Anweisung handeln und nie etwas riskieren. Denn jedes Zugeständnis ist eine Grenzüberschreitung. Ein Unternehmen welches seinen Mitarbeitern nicht vertraut und auch mal zu ihnen steht, wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen, aber entgegen den Vorschriften handeln, das schadet seinem Ruf. So dürfte es nach meiner Ansicht bei der Deutschen Bahn sein. Ich habe solches Verhalten dort auch schon erlebt.

  2. Völlig überflüssige Diskussion. Glauben Sie etwa, die Lufthansa hätte die Passagiere kostenlos befördert oder ein Taxiunternehmen. In diesem – wirklich tragischen – Fall für das Ehepaar haben wir genügend Institutionen und Anlaufstellen (Polizei, Bundespolizei, Botschaft, etc.), die kostenfreie Fahrkarten besorgen können oder die Kosten auslegen. Sich dann hinterher als erstes an die Presse zu wenden – allerletzte Schublade. Vielleicht hätten die Beiden mal ihren Reiseveranstalter kontaktiert, der für einen Rücktransport verantwortlich ist.