Kunden gefährden gibt eine Abmahnung. Handy laden die Kündigung. Ist doch logisch, oder?

Die Bahnschaffnerin, die so skrupellos war, ein 16-jähriges Mädchen bei 19 Grad Kälte aus dem Zug zu werfen – wegen eines Tickets, das zwei Euro zu niedrig gelöst war – ist mit einer Abmahnung davon gekommen. Und entschuldigt hat sie sich, flankiert von ihrem Chef mit Blumen, Wein und irgendeinem anderen Bahnticket. Ob die Frau weiß, wieviel Glück sie hatte? Man stelle sich vor: Das Mädchen hätte sich Erfrierungen geholt, wäre an dem geschlossenen Bahnhof (wo sie ausgesetzt wurde) vergewaltigt worden, oder sie wäre auf offener Straße angefahren worden oder ihr wäre snstwas passiert. Hat die Fantasie der Frau in dem Moment, als sie das Mädchen ihrem Schicksal überließ, nicht so weit gereicht, sich all solche Dinge vorzustellen? Schwer vorstellbar.

Hin wie her.  Andere knabbern an einer Frikadelle, die für den Müll bestimmt ist, wieder  andere laden ihr Handy am Stecker ihres Arbeitgebers für weniger als einen Cent – und sind ihren Job los. Sie stehen auf der Straße, unehrenhaft entlassen, der Fall wurde von keinem Strafrichter überprüft – ob sie je wieder eine Stelle bekommen, steht in den Sternen. Ich vermute: Eher nicht und schon dreimal nicht, wenn sie über 40 Jahre alt sind.

Aber schutzbedürftige Kunden an Leib und Leben gefährden, Schutzbefohlene in die Arktiskälte zu schicken und dem Image des eigenen Unternehmens massiv zu schaden – das scheint alles nicht so schlimm zu sein wie Abfälle-Naschen. Auch dann nicht,wenn die Mitarbeiter mehrfach  vom Unternehmen gegenteilige Anweisungen erhielten. Und das sogar per SMS aufs Handy. Merke: Wer bei der Deutschen Bahn als Schaffner arbeitet, darf ruhig seine Machtposition ausnutzen und total übers Ziel hinausschiessen. Die Bahn sagt einmal „Du, du, das darfst Du aber nicht wieder tun“, teilt der Öffentlichkeit werbewirksam die Abmahnung ebenso mit wie den Entschuldigungs-Gang samt Vorgesetztem – und wir warten gespannt auf den nächsten Kundenorientierungs-Lapsus. Jedenfalls den, der bekannt wird. Die Dunkelziffer von denen, die nie heraus kommen, dürfte sehr hoch sein. Und das wird ja zum Glück auch sicher gestellt, mit solchen Signalen an die restliche Belegschaft. Dem „Du, du, nicht wieder tun“.

Merke: Der Kunde und seine Unversehrtheit sind weniger wert als die Unversehrtheit einer Müll-Frikadelle.

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Alle Kommentare [4]

  1. Was treibt Menschen wie die Bahnangestellte, die eine 16jährige mit zu niedrig gelöstem Ticket bei -19 Grad ausgesetzt hat, zu solchen Handlungen?
    Interessiert das überhaupt irgendeinen Arbeitgeber? Oder reden jetzt alle von Schadensbegrenzung und davon wie unmenschlich das war. Ja. Das war es. Aber was bringt einen Menschen dazu so etwas zu tun? Wie denkt derjenige und in welcher Verfassung muss dieser Mensch überhaupt sein? Und was haben wohl die Arbeitsbedingungen damit zu tun? Darüber wäre es gut wenn sich bei der DB mal jemand Gedanken macht. Statt die Angelegenheit bis zum nächsten Vorfall schnellstmöglich aus der Welt schaffen zu wollen. Um das gleiche Spiel dann wieder von Neuem zu beginnen…Was treibt Menschen wie die Bahnangestellte, die eine 16jährige mit zu niedrig gelöstem Ticket bei -19 Grad ausgesetzt hat, zu solchen Handlungen?
    Interessiert das überhaupt irgendeinen Arbeitgeber? Oder reden jetzt alle von Schadensbegrenzung und davon wie unmenschlich das war. Ja. Das war es. Aber was bringt einen Menschen dazu so etwas zu tun? Wie denkt derjenige und in welcher Verfassung muss dieser Mensch überhaupt sein? Und was haben wohl die Arbeitsbedingungen damit zu tun? Darüber wäre es gut wenn sich bei der DB mal jemand Gedanken macht. Statt die Angelegenheit bis zum nächsten Vorfall schnellstmöglich aus der Welt schaffen zu wollen. Um das gleiche Spiel dann wieder von Neuem zu beginnen…

  2. Wenn es um die Gesundheit bzw. das Wohlbefinden von Meschen geht, hört der Spaß echt auf. Dafür gibt es auch keine Rechtfertigung.