Immer mehr Aufträge für Personalberater: Im Schnitt kostet die Unternehmen ein Headhunter-Auftrag 40.300 Euro

Personalberatermarkt: In fünf Jahren 41 Prozent Umsatzplus

Das muss erst mal einer – oder besser: eine ganze Zunft – schaffen. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die eher verschwiegene Personalberaterbranche in den vergangenen fünf Jahren ein Umsatz-Plus von 41,3 Prozent erreicht: Jetzt liegt der Branchenumsatz bei 2,19 Milliarden Euro (2012/3: 1,55 Milliarden Euro).

 

Zehn Prozent Honorarplus im vergangenen Jahr 

Zum Vergleich: Im Jahr zuvor waren es 1,99 Milliarden Euro, die die Unternehmen hierzulande für das Lösen ihrer Personalprobleme an externe Berater zahlten – das sind zehn Prozent mehr im Vorjahresvergleich. So viel wie nie zuvor: „Ein neuer Höchststand“, ordnet der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) ein. Insgesamt zählt die Personalberaterbranche 2.000 Beratungsunternehmen – die Zahl ist unverändert seit fünf Jahren – und 7.500 Berater (das waren vor fünf Jahren erst 5.700, also 32 Prozent weniger). Die Branche beschäftigt insgesamt 14.700 Menschen, knapp 34 Prozent mehr als vor fünf Jahren.

 

Viel Bedarf: Maschinenbauunternehmen, Beratungen, Kliniken

Die Gegenleistung: Die Headhunter suchten und fanden 68.000 Führungskräfte und Experten für ihre Auftraggeber. Vor fünf Jahren lag diese Zahl noch bei 51.000.

Regina Ruppert, BDU (Foto: BDU)

Hinzukommt: Die Suchaufträge werden immer schwieriger, sagt BDU-Vizepräsidentin Regina Ruppert. Das liegt zum einen an den neuen Qualifikationsanforderungen an die Kandidaten wie Digitalkompetenz. Zum anderen aber auch an immer geringerer Wechselwilligkeit der Gesuchten, so die Expertin.

 

Gute Gründe für geringere Wechselbereitschaft

Dies dürfte ein ganzes Bündel von Ursachen haben, sagt Christel Gade, Professorin an der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef/Bonn und Expertin für die Personalberaterbranche. Gesunken ist die Umzugswilligkeit – angefangen aus persönlichen Motiven wie dem Beruf des Partners oder finanzielle Verluste beim Kauf eines neuen Eigenheims oder dem Anmieten einer neuen, teureren Wohnung – die in Ballungsräumen in mittleren Preislagen ohnehin immer schwerer zu finden sind. Bis hin zum Verlust des Kündigungsschutzes beim alten Arbeitgeber und dem Risiko eines Neueinstiegs bei einem neuen Unternehmen.

 

Mangelware: Ingenieure und IT-Experten

Ruppert beklagt denn auch, dass es nicht genug Kandidaten gibt beispielsweise in den Ingenieurs- und IT-Berufen. Ganz abgesehen von den neuen Qualifikationsanforderungen durch die Digitalisierung.

Vermehrte Suchaufträge erwarten die Headhunter künftig vom Maschinenbau, von den Professional Services – Wirtschaftsprüfer, Unternehmensberater oder Anwälte und aus der Gesundheitsbranche. Traditionell kommen ohnehin schon viele Aufträge aus der Konsumgüterindustrie und der Pharmabranche. Das zeigt die aktuelle Branchenstudie des BDU, dem 250 Personalberatungen Antworten gaben.

 

Jeder zehnte Kandidat soll Digital-Know-how mitbringen

Weitere Ergebnisse im Detail: Bei jedem zehnten Posten mussten die Kandidaten übrigens Digitalkenntnisse mitbringen.

Wolfram Tröger, BDU (Foto: BDU)

Zwar nutzen 88 Prozent der Personalberater digitale Hilfsmittel wie Analyse-Tools, Online-Stellenportale und Social-Media-Kanäle. Doch alle befragten Personalberater sind sich darin einig, dass „hohes Einfühlungsvermögen in die Unternehmenskultur der Kunden“ entscheidend ist (97 Prozent). „Algorithmen alleine garantieren kein perfektes Matching von Kandidat und Unternehmen. Menschen wollen auch von Menschen angesprochen, informiert und überzeugt werden“, sagt Wolfgang Tröger, Personalberatungsexperte beim BDU. Wertschätzung und Professionalität ist Kandidaten beim Jobwechsel also sehr wichtig.

 

 

Gesucht: Aufsichtsräte und Beiräte

Welche Posten besonders oft zu besetzen waren? Aufsichtsräte und Beiräte zum Beispiel – mit einem Nachfrage-Plus von 15 Prozent. Die sind zwar Nebenjobs und keine Angestellten der jeweiligen Unternehmen, denn sie bekommen Honorare. Doch durch die vorgeschriebenen Frauenquoten einerseits und die gestiegenen Anforderungen an das Know-how und das Expertentum von Unternehmenskontrolleuren andererseits, reichen die Adressbücher der Aufsichtsratschefs für die Suche nach Aufsichtsräten heute nicht mehr aus. Dieses Feld ist insgesamt aber noch klein: Mit 70 Millionen Euro Umsatz mit Aufsichtsräte-Suchen liegt er bei 3,2 Prozent vom Gesamtumsatz der Personalberaterbranche.

 

Kandidaten: Im Schnitt 155.000 Euro Jahresgehalt

Wie viel die gesuchten Kandidaten im Schnitt verdienen? Im Schnitt kommen die Kandidaten auf 155.000 Euro Jahresgehalt. Jeder zweite Gesuchte ist den Unternehmen 100.000 bis 250.000 Euro auf der Payrole wert.

 

In 59 Prozent der Fälle bekommt der Headhunter im Schnitt 40.300 Euro 

In gut jedem vierten Einsatz (26 Prozent) mussten die Headhunter ihren Auftraggebern Frauen finden. Eine Suche nach dem geeigneten Kandidaten dauert im Schnitt 12,5 Wochen, so die BDU-Studie.

In 59 Prozent der Fälle richtet sich das Honorar des Personalberaters an dem Einkommen, das der Kandidat im neuen Unternehmen verdient. Das sind laut BDU 26 Prozent des sogenannten Zieleinkommens – also fällt bei einem Durchschnittsgehalt von 155.000 Euro für den Headhunter im Durchschnitt ein Honorar von 40.300 Euro.

 

Keine Ressourcen der Unternehmen für Personalsuche und Angst vor Gesichtsverlust

Christel Gade, Professorin an der Internationalen Hochschule Bad Honnef

Die Gründe liefert Gade: Da auch die Personalabteilungen in den vergangenen

Jahrzehnten verkleinert und so manche Tätigkeit outgesourct wurde, haben die Personaler in den Firmen oft auch keine Zeit für zeitaufwändige Suchen auf dem Markt. Ganz abgesehen davon, dass die Zwischenschaltung eines Headhunters meistens auch taktische Gründe hat. Stichwort: Weniger Gesichtsverlust, wenn Kandidaten gleich abwinken.

 

Mehr Potenzial-Checks der eigenen Mitarbeiter 

Gestiegen ist auch die Zahl der Aufträge,  bei denen Personalberatungen Kandidaten oder ganze Teams hinsichtlich ihrer Qualifikationen,  Fähigkeiten sowie Potenziale in Testverfahren überprüfen und den Auftraggebern raten, wie sie die Mitarbeiter weiter entwickeln können. Insgesamt machen diese Aufträge 7,5 Prozent vom Branchenumsatz, also 164 Millionen Euro, aus.

Das größte Feld ist aber immer noch die Personalsuche mit einem Umsatzanteil von 83 Prozent und insgesamt 1,82 Milliarden Euro Umsatz

Der Ausblick: weiter sehr heiter. Die Personalberater erwarten auch für dieses Geschäftsjahr wieder ein Umsatzplus von neun Prozent.

 

 

WiWo-Personalberater-Ranking: „Die meistgesuchten Leute sind Vertriebler“ – Reminder Unternehmens-Umfrage 2017

 

Zum Vergleich: BDU-Studie Personalberatungsmarkt 2012/2013  https://www.presseportal.de/pm/9562/2472574

 

 

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Danke für den Artikel. Es ist erstaunlich, wieviele Unternehmen eine Kernaufgabe, nämlich die Entwicklung von Mitarbeitern, so sträflich vernachlässigen. Der Aufwand der externen Mitarbeitergewinnung ist so exorbitant teuer im Verhältnis zu einer gut gemachten und selbst geführten Personalentwicklung.

  2. Danke auch für die erste Antwort.

    Es geht hier nicht um die Entwicklung der eigenen Mitarbeiter, sondern um das „Aufspüren“ und die erfolgreiche Vermittlung von ausgesuchten Fachkräften.

    Eine eigene Recruiting-Abteilung ist deutlich teurer und erfahrungsgemäß aufgrund fehlender Spezialisierung nicht besser.