Die zerrütteten Ehen der Manager: „Sie sind keine Beziehungskünstler“, sagt Max-Grundig-Klinik-Direktor Dogs

„Die Hälfte der Partnerschaften von Führungskräften kann man als kaputt bezeichnen“, schätzt Christian Dogs, ärztlicher Direktor der Max Grundig Klinik in Bühl bei Baden-Baden, die spezialisiert ist auf Psychosomatische Medizin. Denn Manager-Partnerschaften leiden oft unter der Karriere. Sein Fazit: „Führungskräfte sind keine Beziehungskünstler.“

 

Christian Dogs, Ärztlicher Direktor der Max Grundig Klinik

 

Nach außen den Schein wahren, doch der Partner leidet umso mehr

Dabei klaffen bei vielen der Betroffenen Selbst- und Fremdwahrnehmung auseinander, so Dogs weiter. Denn: „Nach außen hin wird oft der Schein gewahrt.“ Und viele Manager glauben tatsächlich, ihre Beziehung sei in Ordnung. Doch die Erfahrung des Mediziners: „Erst wenn man tiefer schürft, offenbart sich eine große Unzufriedenheit bis hin zur Zerrüttung.“ Im Alltag verdrängen die – meist männlichen – Manager wegen ihrer beruflichen Herausforderungen „mangelnde Qualität der häuslichen Gemeinschaft, doch die Partner leiden umso mehr.

 

Manager belügen sich selbst, wie gut es um ihre Partnerschaft steht

 

Die Führungskräfte wollen Manager lange nicht erkennen, wie schlecht es um ihre Partnerschaften bestellt ist. Dogs: „Auch aus Bequemlichkeit reflektieren sie die Beziehungsprobleme nicht oder nur sehr ungern.“  Verdrängung ohne Ende. Sie möchten, dass alles funktioniert und wollen vor allem zuhause keine Probleme diskutieren. Ihre Grundhaltung: Probleme habe ich in der Firma genug.

 

Viele Partner fühlen sich minderwertig

Die Manager wachten erst auf, wenn nicht mehr zu übersehen ist, dass der Partner Symptome psychischer Krankheiten zeigt, erzählt Dogs. Dazu gehören Alkoholmissbrauch, Depressionen sowie Angst- und Essstörungen als  Ausdruck des unglücklichen Daseins. Dogs Beobachtung: „Viele der Partner fühlen sich minderwertig.“

 

Wenn die Ehefrau nur Repräsentationsobjekt ist und „überholt werden“

Und dann beginnt ein Teufelskreislauf: „Das Tempo der Karriere des Mannes überholt insbesondere Frauen, die keiner eigenen Tätigkeit nachgehen“, so Dogs. Wenn für die Frauen nur noch wichtig sei, dass sie nach außen eine intakte Familie präsentieren. Wenn sie ihre Eigenidentität verlieren, ausgetauscht haben gegen eine Familien-Identität  und nur noch in der Rolle als Mutter und Repäsentationsobjekt aufgehen.

 

In der Folge werde – so Dogs – die Partnerschaft für beide zur Belastung statt Ressource. Die Manager reagierten hierauf oft mit Burn-out, weil sie – ohne die Kraft aus der Beziehung – schleichend in eine persönliche Krise schliddern.

 

Der missverstandene Manager: „Keiner sieht, was ich alles mache“

Die Manager stehen unter Dauerspannung, schildert Dogs. Sie denken nämlich: „Ich tue doch alles nur für die Familie“ statt sich selbst zuzugestehen, dass sie sich so verhalten, um ihr narzisstisches Selbst zu stabilisieren. Dann fühlen sie sich missverstanden und falsch wahrgenommen nach dem Motto: „Keiner sieht, was ich hier alles mache.“

 

Hauptsache, man wird von der eingetauschten Frau bewundert

Die häufige Konsequenz: Manager tauschen ihre Partnerin aus – gegen eine, die sie bewundert. Dogs berichtet: Erfolgreiche Unternehmer beispielsweise, die selbst keine hohe Bildung mitbringen, aber dafür hohe unternehmerische Kompetenz haben, suchen sich eher einfache, schöne Frauen als die Zweite aus. Gerne mal ihre Sekretärin oder die Kinderfrau.

Intellektuelle Entscheider suchen dagegen eher intelligente Frauen, wobei auch die nicht schwierig sein darf und ihn bewundern muss. Dogs: “ Das steigert den Selbstwert ungemein, wenn ihn eine Frau, die auch selbst etwas darstellt, dann auch noch verehrt.“

 

 

Warum es so weit kommt: wegen der Fixierung auf den Job – die Lebenslüge

Der Grund für die kaputten Partnerschaften ist die „oft einseitige Fixierung auf das Berufliche“. Dogs: „Man kann erfolgreicher Unternehmer oder Manager sein, aber nicht gleichzeitig ein guter Ehemann, leidenschaftlicher Liebhaber, kümmernder Vater. Alles zusammen geht nicht. Das ist eine Lebenslüge.“

Die Generation der heute amtierenden Top-Entscheider – die meist jenseits der 50 sind – lehnt für sich das Konzept von Work-Life-Balance ab. Sie finden die bedingungslose Bereitschaft, für die Firma zu leben, entscheidend. Und aus dieser Haltung heraus vernachlässigen sie ihre Partner.

 

Manager sind überzeugt vom Größenselbst – dafür sorgen ihre Schranzen

Was die Manager konkret falsch machen? Sie nehmen sich keine Zeit für ihre – zumeist – Frau, und wenn sie es doch tun, dann finde keine Kommunikation statt, keine emotionale Selbstwahrnehmung. Dogs: „Manager sind überzeugt vom Größenselbst, dass sie sich erworben haben durch die berufliche Dauerbestätigung. Sie sind umgeben von Claqueuren und Schranzen.“  So kommen sie zu der Überzeugung, dass sie ja großartig sein müssen, weil sie soweit gekommen sind.

 

Die Wahl: Mit-Bewundern oder Herrn Wichtig auf den Teppich holen

Was die Ehepartnerinnen tun Können? „Sie haben nur die Wahl, mit in die Bewunderung einzustimmen oder den ´Herrn Wichtig´ zuhause abzuwerten, damit er wieder auf Augenhöhe kommt“, rät Dogs.

Denn im Grunde sind sich die meisten Führungskräfte durchaus bewusst, was eine gute Partnerschaft ausmacht, so Dogs. Doch „es fällt ihnen jedoch schwer, diese Dinge im Alltag auch wirklich zu tun.“ Gemeinsame Urlaube ohne Kinder, Gefühle zulassen, der Beziehung mehr Zeit widmen, dem Partner Komplimente machen, charmant sein, mehr kommunizieren und die häufige Sprachlosigkeit überwinden, rät der Mediziner. Und vor allem: Sie müssen sich weniger auf die Defizite des Partners fixieren, sondern auf dessen Stärken.

 

 

 

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