Gastbeitrag Frank Höselbarth: Wenn die BCG´s nette Unternehmensberater McKinsey verdrängen

 

Vom Softie zum dominierenden Hardliner:  
BCG wird zum Synonym der Branche wie McKinsey
Kennen Sie diese Unternehmensberatung?                                      *Bekanntheitsgrad in % 2011 (2009)
Rang 2011 (2009)  
1 (3)       The Boston Consulting Group 100 (93)
1 (1)       McKinsey  & Company 100 (100)
3 (2)       Roland Berger   98 (97)
4 (-)        PricewaterhouseCoopers 97 (-)
5 (-)        KPMG 94 (-)
6 (7)       Accenture  92 (79)
7 (5)       Arthur D. Little 89 (80)
8 (8)       A.T. Kearney 87 (75)
9 (4)       Cap Gemini 86 (81)
9 (5)       Deloitte 86 (80)
11 (13)   Booz & Company 81 (63)
12 (11)   Bain & Company 79 (64)
13 (9)     Droege 75 (72)
13 (10)   Horváth & Partners 75 (65)
15 (11)   Bearing Point 72 (64)
16 (15)   Simon Kucher & Partners 60 (47)
17 (16)   Oliver Wyman 57 (46)
18 (14)   IBM 56 (56)
19 (17)   Stern Stewart 38 (42)
20 (19)  Management Engineers 35 (25)
Umfrage unter 126 Topmanagern. Die Befragten bewerteten 20 gestützte Beratungsmarken und konnten weitere fünf ungestützt selbst benennen. PwC und KPMG wurden 2011 aufgrund zahlreicher ungestützter Nennungen bei der Umfrage 2009 erstmals in die Liste der 20 gestützten Beratungsmarken aufgenommen.  
*Bekanntheitsgrad in % 2011 (2009)Quelle: Höselbarth-Lay-Index 2011 (2009)  
   
Weiße Weste schlägt rotes Tuch:  
McKinsey macht sein polarisierendes Image zu schaffen
Ist der Ruf der Unternehmensberatung eher positiv oder eher negativ? Ruf in saldo*
Rang 2011 (2009) 2011 (2009)
1 (1)       The Boston Consulting Group 47 % (51 %) positiv
2 (2)       McKinsey & Company  41%  (44 %) positiv
3 (3)       Roland Berger  31 % (32 %) positiv
4 (8)       Simon Kucher & Partners 22 % (13 %) positiv
5 (5)       Bain & Company 21 % (16 %) positiv
6 (-)        PricewaterhouseCoopers 21 % (-)       positiv
7 (6)       Booz & Company 19 % (15 %) positiv
8 (4)       A.T. Kearney 18 % (18%) positiv
9 (9)       Horváth & Partners 17 % (11 %) positiv
10 (9)     Accenture 13 % (11 %) positiv
11 (6)     Stern Stewart 12 % (15 %) positiv
12 (11)   Oliver Wyman 11 % (8 %)  positiv
13 (14)   Deloitte 11 % (5 %)  positiv
14 (-)      KPMG 10 % (-)       positiv
15 (14)   Arthur D. Little 8 % (5 %)    positiv
16 (15)   Management Engineers 5 % (4%)     positiv
17 (13)   Cap Gemini 4 % (6%)     positiv
18 (17)   Bearing Point 3 % positiv (2 % negativ)
19 (16)   IBM 2 % (1%)     positiv
20 (9)     Droege 0 % (11 %)  B35positiv
Umfrage unter 126 Topmanagern  
Bewertung auf einer Skala von 3 = sehr positiv 0 = neutral -3 = sehr negativ  *Summe aus allen Bewertungen  
Weil einige Beratungsmarken stark polarisieren, wurden Negativbewertungen mit Positivbewertungen saldiert.  
Quelle: Höselbarth-Lay-Index 2011 (2009)  
   
Knallharte Rechner:  
Die Ledernacken von Bain und Controllingpäpste von Horváth legen zu
Hat die Unternehmensberatung dazu beigetragen, Ihr Betriebsergebnis zu verbessern?                                               Rang 2011 (2009) Durchschnittsnote für Betriebsergebnisverbesserung                        (1 = gering bis 5 = stark)          2011                  (2009)
1 (1)          McKinsey & Company  3, 25                   (3,41)
2 (2)          The Boston Consulting Group 3, 225                 (3,21)
3 (3)          Roland Berger  3                         (3,02)
3 (10)        Bain & Company 3                         (2,84)
5 (-)           PricewaterhouseCoopers 2,9                      (-)
6 (4)          A.T. Kearney 2,89                    (3,01)
7 (6)          Stern Stewart 2,88                    (2,99)
8 (8)          Simon Kucher & Partners 2,87                    (2,9)
9 (12)        Horváth & Partners 2,74                    (2,6)
10 (5)        Droege 2,65                    (3)
11 (11)      Management Engineers 2,64,                   (2,7)
12 (7)        Oliver Wyman 2,6                      (2,92)
13 (13)      Deloitte 2,54                    (2,58)
14 (14)      Booz & Company 2,52                    (2,85)
15 (1)        KPMG 2,51                    (-)
16 (15)      Accenture 2,5                     (2,43)
17 (19)      IBM 2,44                   (2,25)
18 (18)      Bearing Point 2,4                     (2,33)
19 (14)      A.D. Little 2,37                   (2,25)
20 (17)     Cap Gemini 2,2                     (2,41)
Umfrage unter 126 Topmanagern  
Die Bewertung der Fähigkeit einer Beratung, das Betriebsergebnis zu verbessern wurde pro Beratungsprojekt berechnet. Eine Bewertung erfolgte nur dann, wenn der befragte Manager bereits über Projekterfahrung mit einer Beratung verfügte.  
Der errechnete Koeffizient (= Durchschnittsnote) ergibt sich aus der Summe der erreichten Punktzahl (1bis5) geteilt durch die Anzahl der Projekte.  
Quelle: Höselbarth-Lay-Index 2011 (2009)  
   

 

Bei den führenden Beratungen geht es momentan zu wie bei der Übertragung eines Formel-1-Rennens im Jahr 2011. Wenn die Kamera nur die Spitze zeigt, bekommen wir Runde für Runde langweilige Bilder  von den ewig gleichen Piloten und ihren Rennställen: der Deutsche Vettel auf Red Bull, Jenson Button auf McLaren.

Genau so läuft das Rennen in der Beratung. Seit Jahren liegen vorne an der Spitze immer nur dieselben Teams, mal hat McKinsey die Nase vorn, mal The Boston Consulting Group (BCG).  Diesmal sind es die Netten von BCG, die sich an die Pool Position vor den harten Rationalisierern von McKinsey geschoben haben. Dabei: Die wirkliche Spannung des Rennens mit begeisternden Überhol-Manövern liegt im engen Verfolgerfeld. Vor allem ein Team hat auf dem Kurs der Schnellsten für überraschende Bilder gesorgt: Die neu aufgebaute Beratungs-Sparte von PricewaterhouseCoopers (PwC) ist fast am ganzen Wettbewerb vorbeigezogen und beschleunigte auf Anhieb bis auf die Top4 unter den besten Beratungen in Deutschland. Ein überraschtes Publikum reibt sich noch die Augen und fragt sich, wie dieser Erfolg möglich war?

Markenstärke wird in der Hauptsache daran gemessen, inwieweit eine Beratungsleistung das Betriebsergebnis beim Kunden erhöht. Und nach diesem Kriterium hat PwC seine hohen PS-Zahlen her. Die Herkunft  des Beratungsunternehmens liegt in der soliden Wirtschaftsprüfung. Das Leistungsversprechen, die Wertschöpfung beim Klienten zu steigern, wurde eingehalten. Nachhaltige Effekte auf die Bilanzen des Kunden zu erwirken, liegt PwC in den Genen. Auch die Beratungstochter von KPMG schaffte genau deshalb den Sprung unter die besten zehn Consultinghäuser.

Neben den WP-basierten Beratungen sind die kompakten, gut aufgestellten Beratungen die eigentlichen Gewinner des einsamen Zweikampfs an der Spitze. Dem aktuellen Berater-Ranking zufolge sind die kleineren Beratungen auf Erfolgskurs: Management Engineers, Stern Stewart, Horvath, Simon Kucher. Diese Beratungen sind es, die ihre Fähigkeiten, bei den Kunden wertsteigernde Ergebnisse zu produzieren, stark erhöht haben. Auch Bain wird immer stärker.  In dem wichtigsten Marken-Kriterium der Erhöhung des  Betriebsergebnisses beim Kunden haben die Berater um den noch ziemlich unbekannten Rolf-Magnus Weddigen deutlich zugelegt.

Die höchste Wertschöpfung beim Kunden schafft heute noch McKinsey, aber Frank Mattern und seine Rationalisierungs-Truppen müssen das  besser kommunizieren und ihre gelegentliche Lichtscheue verlieren. Roland Berger Strategy Consultants ist es gelungen, sich vom Wettbewerb zu differenzieren Indem sie das Thema  „Europa“ besetzt haben.  RBSC bleibt dieser Bestimmung auch treu, wenn es gerade mit dem Euro mal nicht so gut  läuft. „Europa führt!“ heißt die Programmschrift von Aussichtsratschef Burkhard Schwenker dazu.

Die meiste Freude haben wir an dem Rennen der Besten, wenn eine objektive Kameraführung nicht nur die Nr. 1 zeigt, sondern das Renngeschehen  in der Mitte.

Frank Höselbarth

www.hoeselbarth-lay-index.com

 

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Alle Kommentare [2]

  1. Lieber Frank, vielen Dank für deinen, in sehr passender und aktueller Analogie geschriebenen, Beitrag. Die Ableger der großen Wirtschaftsprüfungen haben den Bekanntheitsgrad natürlich geerbt.

    Bei Ruf und Betriebsverbesserung fällt KPMG jedoch im Vergleich ab wie es scheint. Neben deren massiver Personalsuche scheint es hier entsprechend noch weitere Probleme zu geben aktuell.

    Als Gewinner des Rankings sehe ich neben PWC die Unternehmensberatungen der Plätze 10 bis 20, insbesondere Simon Kucher, Bain, Stern und Horváth. Diese schaffen es in die obere Hälfte der Auswertung was Ruf und Betriebsergebnisverbesserung anbelangt.

    Meiner Meinung nach, werden sich die mittelständischen, fokussierten Beratungen in den nächsten Jahren noch weiter etablieren, besonders in Restrukturierungsprojekten, oder bei der Lösung von strukturell und kulturell bedingten Unternehmenskrisen im Mittelstand. Gleichzeitig können wir uns auf den ersten Schlagabtausch zwischen den günstig positionierten WP-basierten Beratungen mit den etablierten Strategieberatungen einstellen, der eventuell zu Abwerbungen und Zusammenschlüssen führt. Und obwohl alle Zeichen damit auf Konsolidierung stehen, werden im Beratungsumfeld noch einige weniger bekannte Spieler ihren Platz finden.

    Ich bin gespannt auf weitere Auswertungen und Umfragen.

  2. Erstaunlich ist doch, dass bezgl. des Beitrags zum Betriebsergebnis die „klassisch“ umsetzungsstarken, operativ beratenden Unternehmen wie Management Engnieers, Booz, BearingPoint, Accenture, etc. hinter den „klassichen“ Strategieberatungshäusern wie McKinsey, BCG, etc. hinterherhinken.

    Die Wirtschaftsprüfer, v.a. Deloitte, PWC und KPMG, unternehmen in diesen Tagen gewaltige Anstrengungen, um ihren Consulting-Arm zu stäreken, aber auch neu zu positionieren, um mit den „klassischen“ Beratungsunternehmen Schritt zu halten – mit Erfolg, wie sich zeigt. Die Wirtschaftsprüfer werden meines Erachtens in Zukunft noch mehr zur Konkurrenz heranwachsen auch jenseits des angestammten Beratungsgeschäfts der Finanz- und Steuerfragen.

    Die Platzierungen von A.T. Kearney und ADL, einstmals hervorragende Marken, zeigen die Schwierigkeiten derjenigen Beratungsunternehmen, die Gefahr laufen, „stuck in the middle“ zu werden: weder Fisch noch Vogel, weder STrategie- noch operative Beratung, ohne erkennbares Profil und Kernkompetenzen. Die Wahrnehmung der Kunden spiegelt die Fehler aus der Vergangenheit, es wird einige Jahre dauern, bis diese Firmen zu „alter Stärke“ heranwachsen (wenn überhaupt).

    Die Unterscheidung stärkerer und schwächerer Brands wird sich eventuell auch auf die Konsolidierung innerhalb der Beratungsbranche auswirken. Jüngste, erfolgreiche, aber auch gescheiterte Beispiele von Fusionen zwischen Beratungsunternehmen untermauern diesen Trend.

    Last but not least: Ich gebe Herrn Höselbarth recht, wenn die spannende Entwicklung unter anderem auch „im Mittelfeld“ stattfindet, da ich davon ausgehe, dass wir hier in einiger Zeit weitere, bisher noch nicht vertretene Beratungsanbieter sehen werden, die als „Challenger“ auch zur Bedrohung der etablierten Anbieter werden können.