Tobias Osseforth, Experte für Ausschreibungen, Vertrags- und Europarecht erklärt, was der EuGH heute entschieden hat über die Fifa-Regeln und die Folgen

Tobias Osseforth (Foto: C.Tödtmann)
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass manche Regeln der Fifa für Fußball-Transfers gegen die Regeln der Europäischen Union verstoßen. Diese Regeln könnten Spieler davon abhalten, einfach zu einem neuen Verein zu wechseln, wenn ihr alter Vertrag aufgelöst wurde. Der EuGH fand, dass diese Regeln die Rechte der Spieler und den Wettbewerb zwischen Vereinen unzulässig einschränken.
Was ist passiert?
Es ging um den ehemaligen Fußballspieler Lassana Diarra. 2013 unterschrieb er einen Vertrag bei einem russischen Verein, Lokomotive Moskau. Nach einem Jahr löste der Verein den Vertrag auf und forderte von Diarra eine Entschädigung, weil er den Vertrag nicht erfüllt habe. Gleichzeitig wollte Diarra das Gehalt einklagen, das ihm Moskau noch schuldete.
Die Fifa-Regeln besagten damals, dass ein neuer Verein, der Diarra verpflichten würde, die Entschädigung an Lokomotive Moskau zahlen müsste. Das erschwerte es ihm, einen neuen Verein zu finden. Darum klagte er gegen die Fifa und den belgischen Fußballverband und forderte Schadenersatz.
Warum hat das Gericht so entschieden?
Der EuGH entschied, dass die Fifa-Regeln Spielerrechte und den Wettbewerb zwischen Vereinen einschränken. Die Regeln machen es für Spieler schwerer, einen neuen Verein zu finden, weil ein Verein, der den Spieler aufnimmt, für Entschädigungsforderungen haften könnte. Deshalb könnten Vereine zögern, solche Spieler unter Vertrag zu nehmen, was ihre Karriere beeinträchtigt.
Was bedeutet das für Spieler und Vereine?
- Für Spieler:
Diese EuGH-Entscheidung könnte es Spielern erleichtern, zu einem neuen Verein zu wechseln. Sie müssten nicht mehr befürchten, dass der neue Verein für alte Streitigkeiten zahlen muss. Das hilft Spielern, schneller einen neuen Job zu finden, auch wenn sie Streit mit ihrem alten Verein hatten.
Beispiel: Ein Spieler in Italien wird von seinem Verein entlassen und möchte in Spanien spielen. Vorher hätte der spanische Verein vielleicht zahlen müssen. Nach der neuen EuGH-Entscheidung muss er das nicht mehr und der Spieler kann einfacher wechseln.
- Für Vereine:
Auch Vereine können nun leichter Spieler aufnehmen, die Streit mit ihrem alten Verein hatten.
Sie müssen sich weniger Sorgen machen, dass sie wegen dieser Spieler in Probleme geraten.
Beispiel: Ein Verein in Belgien möchte einen Spieler aus Frankreich verpflichten, der dort Probleme mit seinem alten Verein hatte. Jetzt kann der belgische Verein das einfacher machen, ohne Angst vor hohen Kosten zu haben.
Dieses EuGH-Urteil könnte die Regeln für Fußball-Transfers stark verändern.
Es erinnert an das sogenannte Bos-man-Urteil von 1995, das es Spielern erlaubte, nach Ende ihres Vertrags kostenlos zu wechseln. Möglicherweise bringt das neue Urteil Spielern noch mehr Freiheit bei Vereinswechseln. Aber wie genau die Fifa und die Fußballverbände auf das Urteil reagieren, ist derzeit unklar.
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