Wenn der Bot Ben heißt und man ihn duzen darf – aber er leider nicht mal die Bitte um einen Kontoauszug kapiert

#GeorgeliebtPrint (Foto: C.Tödtmann)
Dreimal nacheinander wurde ich jetzt morgens früh am Briefkasten enttäuscht: dreimal fehlte eine meiner beiden abonnierten Tageszeitungen, die Regionalzeitung. Irgendein Indiz, wieso das so ist? Fehlanzeige. Also war nach dem zweiten Mal wieder ein neuer Punkt auf meiner ohnehin schon zu langen To-do-Liste: Der Tageszeitung hinterherzurennen, die mich täglich 2,90 Euro kostet.
Der erste Reklamationsversuch scheiterte, nach einem sinnlosen Telefonat mit Automatenstimmen und dem Aufsagen von braven Antworten – natürlich nicht, ohne mir vorher die Arbeit zu machen, eine Kundennummer zu suchen.
Wohlgemerkt, deren Kundennummer, denn ich habe ganz, ganz viele und überall eine andere. Jedes Mal frage ich mich, warum mein Name, Adresse und mein Geburtsdatum nicht ausreichen. Also, es war dummerweise 16.15 Uhr, als ich einen Slot fand, in meiner Arbeitszeit meiner Lokalzeitung hinterherzurennen. Ich brachte die Geduld und Zeit auf, irgendwelche Angaben einer Automatenstimme aufzusagen, um nach etlichen verlorenen Minuten zu erfahren, es sei schon Dienstschluss. Ihrer jedenfalls.
Also ein neuer Anlauf, eine E-Mail. Eine Antwort am selben Tag? Natürlich nicht, erst am nächsten Tag, und frustrierend: Nachlieferungen gebe es nicht. Den angebotenen Gutschein, um damit zum nächsten Zeitungsladen zu dackeln – in meiner Arbeitszeit – wollte ich auch nicht beantragen.
Service nur bis 16 Uhr
Auch am dritten Tag kam dann keine Lokalzeitung – die überregionale vom selben Zusteller kam jedes Mal –, und ich startete einen erneuten Reklamationsanruf, diesmal früh genug. Ich war ja nun dressiert.
Doch trotz meiner Freude, irgendwann einen Menschen an die Strippe zu bekommen, schaffte es der Herr, mich blitzschnell auf die Palme zu bringen – durch sein Wording. Seine Wortwahl hätte man früher seine auswendig gelernten Sätze genannt, aber die war es ja auch nicht. Trösten sollte mich, dass der ganze Bezirk keine Zeitung bekommt. Aber sein nachgeschobener Satz, dass die Zustellung meiner abonnierten Zeitung einen „Komfort“ für mich darstellt, machte mich wütend.
Immerhin kosten drei ausgebliebene Exemplare mich 8,70 Euro. Die will ich nun wiederbekommen, auf das Konto, von dem der Verlag seit Langem abbucht. Ob das klappt? Ich bin gespannt.
Dass mich so ein Service genauso auf die Palme brachte, ist nur wenige Wochen her. Da verlangte die Commerzbank gut 13 Euro im Monat dafür, dass sie weder einen monatlichen Kontoauszug per Post schickte, noch in das Online-Postfach – beides fehlt bis heute. Wieder muss ich hinterherrennen. Die Filiale im eigenen Stadtteil, in Düsseldorf-City, ist längst dichtgemacht worden. Der Kontoauszugsdrucker im benachbarten Viertel samt Parkplatznot? Klappte nicht, als ich endlich davorstand.
Doch den ultimativen Frust bescherte mir der Bot. Er schrieb, er hieße Ben und dass ich ihn duzen dürfe.
Nur mein Problem, das löste er nicht, er verstand es nicht mal: Den Wunsch nach fehlenden Kontoauszügen kapierte er nicht, Ben, den ich duzen darf.
Irgendwann fand ich die gut versteckte Telefonnummer der Service-Hotline. Um es kurz zu machen: Auf die Auszüge, die von insgesamt neun Monaten im Online-Postfach fehlten – ja, die nette Dame am Telefon war auch erstaunt darüber –, wollte sie mir per Post schicken. Ich warte nun seit Monaten darauf, bislang vergeblich.
Dass ich die Auszüge in das aufgezwungene Online-Postfach geschickt bekomme, das schloss sie gleich aus. Das gehe nicht. Warum? Das wusste sie auch nicht. Bezahlen musste ich bestimmt für den „Service“, die „Kontoführung“. Und jetzt? Filiale zu, Zusendung der Auszüge per Post gibt’s wohl nicht mehr oder nur manchmal, jedenfalls nicht zuverlässig. Die Kontobewegungen im Online-Postfach abbilden – nach mühseligem Überwinden aller Passwortschranken und Sicherheitstechniken und so weiter meinerseits – können die IT-Techniker der Commerzbank nicht.
Ich für meinen Teil bin bei all solchem „Service“ mit meinem Latein so ziemlich am Ende. Wie tröstlich, dass es Ben gibt und dass ich ihn sogar duzen darf.
PS: Am Tag 4 kam immer noch keine Regionalzeitung….
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