Wie Führungskräfte auf den Radar von Headhuntern kommen
13 Tipps, wie Führungskräfte auf dem Radar von Headhuntern landen – und bleiben. Gastbeitrag von den Experten der Personalberatung Boyden, Jutta Menzenbach – Expertin für Industrie und Automobilbranche – und Joachim Leuck – Experte für Logistik/Supply Chain.
Mit Künstlicher Intelligenz treffen Personalberater die Vorauswahl unter den Kandidaten. Dafür müssen Kandidaten ihre LinkedIn-Profile optimieren. Welche die wichtigsten Punkte sind, um für Headhunter interessant zu sein und später im Gespräch mit Unternehmen zu reüssieren.

Jutta Menzenbach (Foto: PR /Boyden)

Joachim Leuck (Foto: PR/Boyden)
Gefunden werden….
1. CV: Erfolge statt Aufgabenbeschreibung
Der beste CV überzeugt nicht, wenn nicht erkennbar ist: Wofür steht diese Führungskraft? Darauf kommt es aber an. Denn für Personalberater ist ein CV keine Aufgabenbeschreibung, sondern ein Leistungsausweis.
Tipp: Aktive Verben wie initiiert, aufgebaut, optimiert, transformiert machen sichtbar, welchen Einfluss eine Führungskraft durch ihr Handeln auf Umsatz, Wachstum, Effizienz oder andere Kennzahlen hat. Wertvolle Ansatzpunkte für den Personalberater: Welche Wendepunkte und Learnings hat der Kandidat in seiner Karriere erfahren?
2. Sichtbarkeit und Haltung auf LinkedIn
Die alleinige Präsenz in sozialen Netzwerken wie LinkedIn reicht nicht aus. Entscheidend ist, was die Führungskraft ausmacht – ihre Identität, ihre Stärke, ihre Haltung.
Tipp: Nicht nur die beruflichen Stationen auflisten, sondern sich in kurzen, authentischen Beiträgen zeigen: Welche Werte prägen meinen Führungsstil?
Beispiele für solche Beiträge: So denke ich über AI. – Wie führe ich mein Team in Krisenzeiten? – Fehlerlernkultur als Erfolgsfaktor. – Warum setze ich als Leader auf Werte und Kultur?
3. ChatGPT für den Lebenslauf
Einen CV, den ChatGPT geschrieben hat, erkennen Headhunter etwa an oberflächlichen Titeln und der einheitlichen Struktur. ChatGPT ist nur sinnvoll, um am Lebenslauf zu feilen.
Tipp: Geben Sie möglichst präzise und detaillierte Vorgaben (Prompts) ein, überprüfen Sie aber vor allem die Ergebnisse sorgfältig und kritisch. Der CV wirkt überzeugender, je weniger Buzzwords genutzt werden. Der menschliche Feinschliff – durch greifbare Ergebnisse und Storytelling – kann nur die Führungskraft selbst liefern. Der Austausch mit Kollegen oder Vorgesetzten kann helfen, Stärken und Kompetenzen in Worte zu fassen.
4. Erfolge beschreiben statt Aufgaben
„Verantwortlich für 100 Mitarbeitende in China“ – klingt gut. Es sagt aber nichts darüber aus, was jemand wirklich bewegt hat. Es ist wichtig, Erfolge konkret zu benennen und zu quantifizieren.
Tipp: Besser dazu schreiben: Um wie viel Prozent wurden Kosten gesenkt, Marktanteile gewonnen oder der Umsatz gesteigert?
5. Erfahrungen teilen
Wer Experten-Leadership zeigen will, stellt eigene Texte auf LinkedIn, in denen er oder sie etwas erklärt oder einordnet. Am spannendsten sind für Headhunter Führungskräfte, die Erfahrungen teilen – zum Beispiel: Was hat bei mir im Vertrieb funktioniert, was nicht, und warum? Das ist wirklich relevant und zeigt, welche Werte den Führungsstil prägen.
6. Netzwerkpflege mit Fokus
Ein gutes Netzwerk besteht nicht aus 8.000 Kontakten, sondern aus 50 richtigen, mit denen man im aktiven Austausch ist.
Tipp: Pflegen Sie Ihre Kontakte gezielt. Wer interessante Führungskräfte auf LinkedIn entdeckt, kann auf deren Profil oben rechts das Glocken-Symbol anklicken. So verpasst man keine Beiträge eines Tech-Investors, Start-up-CEOs oder Vorstands. Durch gezieltes Kommentieren und Reposten bleibt man nicht nur sichtbar, sondern auch für den LinkedIn-Algorithmus relevant.
7. Headhunter kontaktieren: Ja, das ist empfehlenswert
Die Aufgabe von Headhuntern ist es, im Auftrag eines Unternehmens eine Führungsposition zu besetzen – nicht für Kandidaten eine Führungsposition zu finden. Es kommt selten vor, dass gerade eine Position perfekt zu einem Bewerberprofil passt. Trotzdem schauen sie sich Initiativbewerbungen an.
Auch wenn wenn Personalberatungen wegen der Vielzahl von Initiativbewerbungen nicht immer persönlich antworten, haben sie eine Chance: Das sind oft Goldnuggets. Weil diese Führungskräfte offensichtlich aktiv über einen Wechsel nachdenken, können sie zusätzlich für uns interessant sein.
… überzeugen im Gespräch mit dem Headhunter
8. Lücke im Lebenslauf erklären
Wer häufige und unerklärte Lücken im Lebenslauf hat, wird aussortiert. Wer sie erklären kann, nicht. Wer etwa wegen einer Krankheit beruflich zurückgetreten ist, kann im Lebenslauf ‚Auszeit aus persönlichen Gründen‘ angeben. Das klären Kandidat und Personalberater im persönlichen Gespräch. Grundsätzlich wichtig: Die Wahrheit ist immer das beste und überzeugendste Argument. Aber wer sich im Gespräch mit dem Berater als nicht lernfähig erweist, fällt durch.
9. Interesse wecken – auch mit Niederlagen
Dinge können schiefgehen. Wer über diese Erfahrungen und seine Learnings daraus offen spricht, macht sich für eine Führungsposition interessant.
10. Strengste Vertraulichkeit
Im Bewerbungsprozess erfahren Kandidaten Firmeninterna. Vertraulichkeit gilt in beide Richtungen. Wer Interna ausplaudert, hat sich selbst aussortiert.
11. Mehrgleisig fahren ist kein Fehler
Es ist okay, wenn sich ein Kandidat zeitgleich auch mit anderen Personalberatern unterhält. Es ist ein Geben und Nehmen – auch in dieser Branche.
…. im Unternehmen: Worauf es jetzt ankommt
12. Auf den Punkt kommen
Das Zeitfenster ist kurz. In 15 Minuten kurz und prägnant darstellen, was man kann – das ist jetzt entscheidend. Es ist eine der schwersten Übungen. Wofür stehe ich, wofür gehe ich die Extrameile und welche meiner Kompetenzfelder (fachlich wie auch persönlich) sind für die konkrete Position besonders relevant? Kein Abladen des eigenen Lebenslaufs nach dem Motto `Einer passt für alle. Das sind die wichtigsten Fragen, die ein Kandidat punktgenau beantworten können muss. Und keine Schnellschüsse: Viele erfolgreiche Menschen haben es verlernt, kritisch über sich nachzudenken und bereiten sich nicht entsprechend auf solche Gespräche vor.
13. Lampenfieber nicht zu ernst nehmen
Das ist (zunächst) kein Thema. Aufgeregt ist jeder mal – aber dies gilt es dann natürlich im Laufe des Gesprächs auch erkennbar zu überwinden, da wir in unserem Geschäft immer mit wichtigen zukünftigen Entscheidern in neuen Positionen sprechen.
Joachim Leuck
Joachim Leuck ist Managing Partner bei Boyden in Deutschland und verantwortet den Bereich Logistik und Supply Chain. Er verfügt über jahrzehntelange Führungserfahrung in der Industrie und berät Unternehmen aus den Bereichen Transport, Handel und Produktion bei der Besetzung von Schlüsselpositionen. Seine Expertise umfasst insbesondere die strategische Weiterentwicklung von Supply-Chain-Strukturen und die Begleitung von Change-Prozessen auf C-Level.
Jutta Menzenbach
Jutta Menzenbach ist Managing Partner bei Boyden in Deutschland und Expertin für die Besetzung von Top-Positionen in der Industrie- und Automobilbranche. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in Executive Search und Management Consulting berät sie internationale Konzerne ebenso wie mittelständische Marktführer bei der Suche und Auswahl von Führungskräften. Ihre Schwerpunkte liegen in Transformations- und Wachstumsphasen, in denen strategische Neubesetzungen entscheidend sind.
Boyden
Boyden ist eine der weltweit führenden Personalberatungen für Executive Search, Interim Management und Leadership Consulting. Mit mehr als 70 Büros in über 45 Ländern unterstützt Boyden Unternehmen bei der Identifikation, Gewinnung und Entwicklung von Führungspersönlichkeiten. In Deutschland ist Boyden mit Standorten in Frankfurt, München und Stuttgart vertreten und berät Konzerne, mittelständische Unternehmen sowie Private-Equity-Portfolios in strategischen Schlüsselpositionen.
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