Robbe & Berking: Wenn ein Familienunternehmer zum Firmenjubiläum seine Belegschaft in Szene setzt

Robbe & Berking: Mitarbeiter sind im Schnitt 30 Jahre an Bord der Silberschmiede in Flensburg. Das Ruder von Oliver Berking übernimmt nun nach 40 Jahren seine Tochter Lilli Berking.

 

Ein 150. Firmenjubiläum kann man mit einer Party für die wichtigsten Kunden feiern – und Mitarbeiter dürfen auch mit dabei sein. Man kann es ganz untern Tisch fallen lassen, um Kosten zu sparen. Oder man kann seinen Mitarbeitern Ehre erweisen und Respekt zollen, weil es ohne sie, ohne deren Können und Einsatz, auch keinen  Unternehmenserfolg gäbe. Wenn man als Familienunternehmer auf seine Mitarbeiter auch stolz ist.

 

Oliver Berking (Foto: Robbe & Berking)

 

Oliver Berking, der die Silberschmiede Robbe & Berking (R&B) leitet, führt nun seit 40 Jahren das Werk seines Ururgroßvaters Nicolaus Christoph Robbe fort. Er würdigt seine 200-Mann-starke Mannschaft, indem er sie in einem Jubiläumsbuch, einem Fotoband,  verewigt. Einige der Aufnahmen sind hier im Management-Blog (siehe unten). Weil sie „mit Hand, Herz und Liebe zu den Dingen“ arbeiten, wie Berking sagt. Und weil er ein Überzeugungstäter ist, der ein cooler, fairer Chef sein möchte, wie er mir mal sagte.

 

Die durchschnittliche Zugehörigkeit der Mitarbeiter zu R&B betrage 30 Jahre, erzählt er. Und dass er ihnen auch nicht kündigte, wenn es mal eng wurde, wenn es gerade mal eine Auftragsdelle oder ähnliches gebe: Denn die hätten so viel Spezial-Knowhow , dass es viel zu lange dauere, dass wieder zu aufzubauen.

 

Das erinnert mich an die Münchner Schrottplatz-Unternehmerin Nicole Schindelar (36), die im Interview mit der „SZ“ bekannte: Ihr käme es sehr zugute, dass ihre Mitarbeiter schon so lange im Unternehmen arbeiten. Die wüssten nämlich genau, welche Ersatzteile sie überhaupt haben und wie viele. Also was sie überhaupt verkaufen kann. Im Klartext: Ihre Schätze könnte sie sonst gar nicht heben. Wenn keiner bescheid weiß über das, was sich zu Geld machen lässt. Solche – nur scheinbar banalen – Erkenntnisse über handfeste unternehmerische Vorteile mit langjährigen Mitarbeitern liest man selten.

 

Doch zurück zu Oliver Berking am anderen Ende Deutschlands, in Flensburg. Der will der Welt beweisen, dass er in Deutschland in seiner Manufaktur wertvolle Handarbeit produzieren kann, erzählt er. „Das Wort Manufaktur ist zu meiner Mission geworden“, sagte er in der „WirtschaftsWoche“. Fast alle seiner namhaften Mitbewerber ließen nämlich inzwischen in Billiglohnländern produzieren. Bei R&B hingegen werde noch heute in Handarbeit produziert und dass „es funktioniert“, erzählte er. Dass seine Mitarbeiter darauf genauso stolz seien wie er: „Für silberne Bestecke sind wir heute die größte Silberschmiede der Welt“, so Berking. Die verkauft er an Restaurants, Hotels, Residenzen, Botschaften, Kreuzfahrtschiffe, Flugzeuge, Yachten und Privatleute.

 

Und weil ein Firmenjubiläum anscheinend ein beliebter Zeitpunkt ist, die Nachfolge an der Spitze zu verkünden, macht das jetzt auch Oliver Berking. In sechster Generation wird nun seine Tochter Lilli Berking erste Führungsaufgaben beim Weltmarktführer übernehmen – und ist auch im Jubiläumsbuch verewigt.

 

Lilli Berking (Foto: Robbe & Berking/PR)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

(Alle Fotos: Robbe & Berking/PR)

 

Lesehinweis:

Oliver Berking im „Ursprung meiner Karriere“ in der WirtschaftsWoche im Januar 2023. Oliver Berking: Der Geschäftsführer erzählt von seiner Karriere (wiwo.de)

 

 

 

 

 

 

Copyright: @Claudia Tödtmann. Alle Rechte vorbehalten. 

Kontakt für Nutzungsrechte: claudia.toedtmann@wiwo.de

Alle inhaltlichen Rechte des Management-Blogs von Claudia Tödtmann liegen bei der Blog-Inhaberin. Jegliche Nutzung der Inhalte bedürfen der ausdrücklichen Genehmigung.

Um den Lesefluss nicht zu behindern, wird in Management-Blog-Texten nur die männliche Form genannt, aber immer sind die weibliche und andere Formen gleichermaßen mit gemeint.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*