Buchauszug Nicole Kremer/Christiane Wolff (1): „C-Level auf Zukunftskurs. Wie Sie Ihr Profil schärfen und Ihre Positionierung stärken“

Buchauszug Nicole Kremer/Christiane Wolff (1) : „C-Level auf Zukunftskurs. Wie Sie Ihr Profil schärfen und Ihre Positionierung stärken“

 

Nicole Kremer (r.) und Christiane Wolff (Foto: PR)

Personal Branding – Become a Lovemark

Muss die C-Level-Riege jetzt zum Influencer werden – oder soll sie oder er nicht besser die Geschicke des Unternehmens leiten?

Christiane Wolff: Ich habe dazu zwei Gedanken. Zum einen ist der Begriff Influencer eventuell durch Instagram so belegt, dass sich die C-Level-Riege damit nicht wohl fühlt. Das kann ich gut verstehen. Und auch Personal Branding würde ich bei den von uns angesprochenen Persönlichkeiten als strategische Positionierung beschreiben wollen.

 

Zum anderen waren Unternehmenslenkerinnen und Unternehmenslenker schon immer im Visier der internen und externen Öffentlichkeit und mussten präsent sein. Auf Pressekonferenzen, auf der Unternehmensweihnachtsfeier, in der Firmenbroschüre – das ist also nicht wirklich neu.

 

Neu ist, dass wir es heute stärker orchestrieren und managen können, die Führungsriege strategisch intern und extern zu positionieren. Und das sollte, wenn es professionell ist, durch die interne Unternehmenskommunikation und die externen Beraterinnen und Berater so delegiert werden, dass genug Zeit für die Unternehmensstrategie und das Managen der Unternehmensziele bleibt!

 

Lieber selbst an meiner Marke arbeiten bevor es andere tun?

Christiane Wolff: Absolut richtig! Wir leben in einer Zeit, in der jede und jeder seine Gedanken und seine Meinung auf zahlreichen öffentlichen Social-Media-Kanälen äußern darf und kann. Und das ist auch gut so. Und davor sind natürlich auch Marken und die Menschen dahinter nicht gefeit. Daher ist es nicht nur schlau, sondern meines Erachtens unabdingbar, die eigene mediale Positionierung selbst in der Hand zu haben und zu steuern. Bevor sie jemand anders in die Hand nimmt.

 

Vor Shitstorms oder Anfeindungen ist dennoch niemand heute wirklich geschützt – aber besser vorbereitet und professionell aufgestellt. Je mehr ich bereits eine Marke bin, desto weniger können Einzelmeinungen oder auch ein Shitstorm wirklich einen Reputationsschaden anrichten. Dessen sollte sich jede Managerin und jeder Manager bewusst sein.

 

 

Muss heute jeder ein Elon Musk sein?

Nicole Kremer: Mehr Top-Manager mit „Elon Musk-Qualitäten“ werden gerade hier in „good old Europe“ essentiell für das Überleben der Unternehmen sein. Disruptives Denken ist heutzutage eine der wichtigsten Fähigkeiten von Top-Managern. Nokia, bekanntester Fall, hat sich damals zu sehr auf die Anfangserfolge verlassen und wichtige Zukunftstrends verpasst. Hätten sie die Zukunft besser antizipiert oder an ihrer Gestaltung mitgewirkt, wären sie mutig neue Wege gegangen, hätten sie die Erfolgsgeschichte fortschreiben können. Dafür ist nur ein komplettes Umdenken erforderlich, es muss ein entsprechender Rahmen für „Spielraum“ geschaffen werden, weg vom zentralistischen Denken, Denken in Synergieeffekten. Wenn sich „Elon-Musk-Talente“ entwickeln sollen, brauchen sie eins: mehr Freiheit und mehr Zeit, sich Innovationen auszudenken.

 

Nicole Kremer / Christiane Wolff: „C-Level auf Zukunftskurs. Wie Sie Ihr Profil schärfen und Ihre Positionierung stärken“- 263 Seiten, 39,95 Euro, Haufe Verlag  https://shop.haufe.de/prod/c-level-auf-zukunftskurs

 

Was bedeutet diese neue Zeit der Persönlichkeitsmarke für das private als auch geschäftliche Leben und den Alltag?

Christiane Wolff: Ich bin der Überzeugung, dass es elementar ist, sich vor dem nach draußen gehen und vor dem Aufbau der eigenen Marke, gezielt nach innen zu gehen, also in sich, und ganz genau zu überlegen, wie viel Persönliches ich zeigen möchte. Da sehen wir ja die unterschiedlichsten Schattierungen und Varianten auf den Social-Media-Kanälen. Dessen sollte sich jede Führungspersönlichkeit bewusst sein und darum ist es so wichtig, bei der strategischen Planung zur eigenen Person diesen Part intensiv zu diskutieren. Und nicht nur zu überlegen, welche strategischen Auswirkungen dies hat. Möchte ich meine sportlichen Aktivitäten öffentlich machen, um mich als dynamisch, jung und aktiv zu zeigen? Gehe ich mit einem Ehrenamt nach draußen, um meine soziale Seite zu unterstreichen? Hier sollte sich jede Persönlichkeit nicht nur die Wirkung nach außen – sondern auch die Auswirkungen für sich, die Familie und Freunde bedenken.

 

 

Welchen Mehrwert bringt es für das Employer Branding einen starken Corporate Influencer zu haben?

Nicole Kremer: Das ist eine wirklich sehr spannende Entwicklung, dass die CxOs, allen voran die CEOs, über die sozialen Medien für ein breiteres Publikum „zugänglich“ gemacht werden können, sich als Corporate Influencer positionieren. Es ist nicht mehr der distanzierte Vorstand in der unerreichbaren obersten Etage, sondern es sind vielmehr greifbare, authentische Menschen mit relevanten und auch persönlichen Botschaften. Noch sind es in Deutschland sehr wenige, die sich so an die Öffentlichkeit wagen: Tim Höttges von der Telekom, Herbert Diess von Volkswagen oder Tina Müller von Douglas sind die Bekanntesten. Sie liefern Einblicke in Ihr Tun, in die Leuchtturmprojekte und deren Fortschritt, sie sind wesentlich transparenter in der Kommunikation, behandeln damit ihre Mitarbeiter auf Augenhöhe. Das zahlt enorm auf das Employer Branding ein, schafft Aufmerksamkeit für das Unternehmen auch als Arbeitgeber. Nahbarkeit, auch bei Fehlentscheidungen oder gar Krisen transparent zu bleiben, schafft mehr Vertrauen und Glaubwürdigkeit als perfekt inszenierte Unternehmensportraits.

 

Christiane Wolff: Wie authentisch / wie persönlich muss oder darf CxO Kommunikation heute sein?

 

Authentisch aus meiner Sicht zu 100 % – was aber nicht heißt, dass ich jeden Post selber schreiben muss – ich gebe ja als Führungskraft auch das Schreiben einer Pressemittelung in andere Hände oder lasse mir meine Laudatio entwerfen – aber es müssen unbedingt meine Werte, meine Gedanken und meine Ideen zu hören, lesen und zu spüren sein! Und darum ist auch die Beziehung zu meinen Kommunikationsberaterinnen und -beratern intern und extern so wichtig und so vertraulich. Warum muss es heute authentisch sein? Für mich gibt es drei Gründe: 1. Weil es die internen und externen Stakeholder zurecht erwarten und verlangen. 2. Weil eine unstimmige und aufgesetzte Kommunikation auch als solche wahrgenommen wird. 3. Weil es für mich als Führungspersönlichkeit und als Unternehmenslenkerin und Unternehmenslenker nicht nur erfolgreich ist, sondern meines Erachtens auch eine persönliche Befriedigung gibt, wenn meine Kommunikation mit meinen Werten, meinen persönlichen Ideen und der Zielsetzung des Unternehmens im Einklang ist!

 

Das Thema persönlich ist und bleibt persönlich. Persönliche Posts haben oft große mediale Reichweite und finden viel Resonanz in Form von Kommentaren und Likes – hier gilt es, den eigenen Weg zu finden. Der nicht nur persönlich stimmig ist – sondern auch mit den Unternehmenszielen und auch der Familie und engen Freunden. Hier gibt es kein richtig und kein falsch – hier gibt es nur den eigenen Weg.

 

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CW/NK: Wie gehst Du damit um?

Christiane Wolff: Wie oben beschrieben ist dies eine ganz persönliche Diskussion und Entscheidung. Bei meiner Social-Media-Strategie ist auch viel von mir als sehr neugieriger und kulturell interessierter Mensch enthalten. Ich trenne hier aber auch ganz klar zwischen den Kanälen. Auf LinkedIn sind es rein professionelle Inhalte, auf Instagram und Facebook ist es auch mal der Besuch einer kulturellen Veranstaltung oder eine sportliche Aktivität. Da ich mich selbst auf diesen Kanälen sehr über die Inspiration von anderen freue, gebe ich auch selbst gerne Ideen und Inspirationen von eher privaten Aktivitäten. Und es rundet aus meiner Sicht meine Persönlichkeit passend ab.

 

Nicole Kremer: Als Personalberaterin schaue ich mir natürlich auch bei der Auswahl meiner CxO-Kandidaten vorher an, wie sie sich auf den sozialen Medien bewegen, welches Narrativ sie für sich entwickelt haben, wie authentisch und glaubhaft sie wirken. Das sagt viel über sie aus und ob sie in das zukünftige Unternehmen, für das ich sie platzieren möchte, passen. Ich selbst habe mich auch über LinkedIn mehr in die Öffentlichkeit „gewagt“, um mir wichtige Themen aus der Arbeitswelt zu kommunizieren, um meine Expertise potentiellen Auftraggebern, aber auch Kandidaten, zu verdeutlichen. Mein Ziel ist es, Content zu liefern, der anderen weiterhilft.

 

Wie viel Zeit investierst Du in Dich als Marke und für Deine Positionierung?

Christiane Wolff: Ich bin in die Sozialen Medien zunächst eher unbedarft und neugierig reingewachsen und bin bei vielen Kanälen von Beginn an dabei. Und habe im Laufe der letzten Jahre – Facebook gibt es seit 2008 in deutscher Sprache – viel ausprobiert und getestet. Einen persönlichen Plan gibt es für LinkedIn und Instagram, den ich aber auch nicht akribisch einhalte. Wie so oft: Die Schusterin hat die schlechtesten Leisten!

 

Viel Zeit verbringe ich auch für und mit meinem Frauennetzwerk Nettwerk, das ich vor über 20 Jahren gegründet habe. Neben der CxO Positionierung und Kommunikation ist das Thema Netzwerk meine dritte Markensäule. Hier investiere ich mehrere Stunden im Monat für Mitgliederpflege, Newsletter und monatliche Veranstaltungen.

 

Nicole Kremer: Ich habe zunächst eine Ausbildung in Sachen LinkedIn und auch Instagram gemacht, um zu erfahren, was können diese Medien jeweils für mich tun und wie muss ich es machen, damit es professionell wirkt und überhaupt Wirkung hat. Ich habe dann mein eigenes Personal Branding definiert und daraus meine Top-Themen mit denen ich assoziiert werden will, entwickelt. Seitdem investiere ich ca. 1 Stunde pro Woche, um eigene Beiträge mit eigenen Insights, spannende Artikel zu kommentieren, die auf mein Thema einzahlen, oder berichte zu spannenden Events, die ich besucht habe, zu posten. Wichtig ist mir dabei, immer für die Leserschaft echten Content zu liefern.

 

Um sich als Lovemark zu positionieren – welche Eigenschaften und Fähigkeiten braucht es, um zukünftig zu bestehen?

Nicole Kremer: Lovemark heißt für mich nicht in Harmonie zu ergehen. Es heißt vielmehr, „Gefolgschaft“ auf eine menschliche Art und Weise zu erzielen, um die herausfordernden Themen der Zukunft zu bewältigen. Command & Control hat meines Erachtens ausgedient und ich wünsche es auch den zukünftigen Generationen. „Management by Care Taking“ mit Empathie und Enablement wird gefragt sein bei gleichzeitiger Fähigkeit Zukunft zu antizipieren und zu gestalten. Und das hat viele Facetten. Sich als Lovemark zu positionieren, bedeutet die Fähigkeit, Vertrauen und Respekt als Bindeglied in einer Organisation herzustellen, eine offene Diskussion anzuleiten und die kollektive Lösungsfindung zu fördern, Fehlerkultur einzurichten. Dafür braucht es Führungspersönlichkeiten mit Haltung, mit Mut, mit Gestaltungswillen und die so schließlich Magnetwirkung und auch Leistung erzeugen.

 

 

 

 

 

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Freitag ist Freutag und ich freu mich heute über dieses tolle Interview mit zwei super spannenden, anfassbaren, nach vorne denkenden Frauen.

    Ein Appetizer mit vielen Insights, um sich auf das neue Buch zu stürzen, das Bestseller-Potenzial mit sich bringt!