Fragebogen „Nahaufnahme“ mit 1886Ventures-Unternehmer Markus Kerber, der niemals auf Brezeln verzichten könnte

Den Fragebogen „Nahaufnahme“ beantwortet Markus Kerber, der frühere Heimat-Staatssekretär im Bundesinnenministerium und Ex-BDI-Chef, der jetzt Unternehmer wird: Und zwar als Miteigentümer von 1886Ventures mit einem Anteil von 7,5 Prozent.

 

Die Stuttgarter Technologiegruppe war seit 2008 als Futurelab die Ideenschmiede von Daimler und wurde vor zwei Jahren an Ulrich Dietz, den Gründer des Technologieunternehmens GFT, verkauft. Sie ist fokussiert auf nachhaltige Transformationstechnologien.

 

Alte Buddys

Kerber und Dietz sind alte Buddys, Kerber hatte GFT als Finanzvorstand 1999  an die Börse gebracht. Nun will er tun, was er schon als Investmentbanker bei S..G.Warburg & Co. tat: Techfirmen analysieren, sie bewerten, Investoren finden und als Ratgeber und Sparringpartner fungieren. Bei 1886Ventures sieht Kerber großes Wachstumspotenzial in den wasserstoffbasierten Brennstoffzellenaktivitäten, Upcyclinglösungen und digitalen Technologien, sagt er.

 

1886Ventures

Zum Portfolio von 1886Ventures gehören unter anderem Globe Fuel Cell Systems, ein auf Wasserstoff basierendes Brennstoffzellentechnologie-Unternehmen, die auf Kreislaufwirtschaft spezialisierte Upcylingplattform CIDA (Circular Industrial Design Accelerator) sowie die Mobilitätsabonnement-Plattform Carve8.

 

„Ein freier Mann“

Daneben berät Markus Kerber die CDU und Friedrich Merz, aber „ich bleibe ein freier Mann“, sagt er. Und: Ich bin mehr als ein Business Angel, weil ich unternehmerische Verantwortung übernehme. Neben Ulrich Dietz als Hauptanteilseigner sind an 1886Ventures noch drei Ex-Manager des früheren Futurelabs beteiligt und ebenfalls zu 7,5 % Prozent Daimler.

 

Markus Kerber (Foto: Privat)

 

Erklären Sie in einem Satz, was Ihr Unternehmen tut.

1886Ventures will jungen Unternehmern und Unternehmerinnen ihre Träume von einer durch Technologie und Erfindungsreichtum nachhaltigeren Welt verwirklichen helfen. Es gibt kaum etwas Sinnvolleres. Das ist Schumpeter pur.

 

Womit beginnt Ihr Tag?

Um sieben Uhr aufstehen. Nachrichtenlage im Netz checken. Frühstück für Kinder machen. Nachdenken.

 

Was unterscheidet Sie von anderen im Auftreten und im Behave im Job?

Ich versuche alle meine Ideen, Nachrichten, Gedanken und Impulse umgehend mit meinen Mitarbeitern zu teilen, um Rückspiegelung zu erhalten und dann im Team voranzugehen. Ich sehe mich als Spielmacher. Ich habe Andrea Pirlo immer dafür bewundert, dass er mit ein, zwei Pässen sein Team zum Sieg führte und motivierte, aus dem Mittelfeld heraus. Zum Teil aus dem Lauf über 40 Meter quer über das Spielfeld in den Lauf seines Stürmers. Atemberaubend.


… und was würden Ihre Mitarbeiter darauf antworten?

„Bitte nicht schon wieder einen Zeitungsausschnitt, bitte keinen Link mehr, keinen Buchtipp, Herr Kerber, wann sollen wir denn das alles lesen und anschauen?“

 

Tee oder Kaffee?

English Breakfast Tea, ab dem Mittag dann Espresso.

 

Ihr Spitzname ist…?

Ich hatte nie einen.

 

Verraten Sie eine Marotte.

Ich muss nach der Rückkehr von Auslandsreisen immer sofort eine Brezel essen, come hell or high water. Das ist meine Verbindung zur Heimat.

 

Was bringt Sie in Harnisch?

Wenn ignorante Menschen arrogant sind. Und Menschen, die anderen willentlich Schmerz zufügen, um eigene Defizite zu kompensieren. Das ist unverzeihlich.

 

…und was bringt andere an Ihnen in Harnisch?

Ich glaube, meine stete innere Unruhe kann andere ganz schön nerven.

 

Was möchten Sie gerne in Rente machen?

Für meine Kinder Zeit haben, wenn sie es wollen und mit ihnen reisen. In den Spuren Marco Polos von Venedig nach Beijing, mit den Tagebüchern Humboldts durch Südamerika und dann wie Magellan um die Welt. Vielleicht auch mit dem Motorrad von Istanbul nach Kalkutta. Die Welt ist groß.

 

Was schätzen Sie an anderen Menschen am meisten?

Zuverlässigkeit im Sinne, dass eine menschliche Freundschaft nicht nur bei schönem Wetter trägt, sondern vor allem in Zeiten der Krise, der Krankheit, des Zweifels, der Rückschläge und der Zielverfehlungen. Das Leben ist wie eine Bergtour oder ein Segeltörn, man muss sich auf den anderen verlassen können. Blind. Da gibt es in meinem Leben eine Handvoll Menschen, auf die das zutrifft. Und das hält einen am Leben, weil man auch alles teilt und gemeinsam durchlebt und erlebt.

 

Auf welche drei Dinge könnten Sie niemals verzichten?

Brezeln, Jeans und Rock’n’Roll.

 

Wenn Sie für einen Tag den Job von jemand anderem übernehmen könnten – welcher wäre das?

Ganz klar: Tour-Manager der Rolling Stones!

 

(Foto: Privat)

In seiner Studentenzeit verdiente Markus Kerber als Konzertfotograf Geld für sein Studium in Ulm. In Stuttgart, München oder Karlsruhe fotografierte er die Auftritte von Bands, fuhr mit seinem VW Käfer die Filmrollen noch in derselben Nacht in Speziallabors, damit er sie morgens früh bei den Zeitungen abgeben konnte, erzählt er.  Seine Fotografen-Homepage gibt es immer noch: 3SONGSONLY.COM About.

 

Lese-Tipp 1886 Venture: Lesehinweis wiwo.de: Mittelständler Ulrich Dietz kauft Daimlers Zukunftsprojekt Lab 1886 | Management-Blog

Lese-Tipp Ulrich Dietz: Fragebogen „Nahaufnahme“ mit GFT-Chef Dietz: „Gin Tonic erst nach 18 Uhr“ | Management-Blog (wiwo.de) 

 

 

 

 

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Alle Kommentare [1]

  1. Grossartiges Interview, wenn ich nicht schon ein paar Startups hinter mir hätte, würde ich mir tatsächlich den Markus anbaggern … Gruss Andy